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Kunst & KulturMusik › Edward Elgars Oratorium als Höhepunkt des RMF 2017

Edward Elgars Oratorium als Höhepunkt des RMF 2017

Ein grandioser Abschluss mit einem klanggewaltiges Werk bester englischer Tradition und ein kurzes Resümee der letzten Konzerte - Der 30. „Sommers voller Musik" ist mit 155 Veranstaltungen und 160.000 Besuchern zu Ende           von Britta Steiner-Rinneberg

10.09.17 || altOESTRICH-WINKEL (09. September 2017) - Nach dem Konzert des Arishai Cohen Trios und des Stuttgarter Kammerorchesters, dem Klavierabend mit der Cuban-European Youth-Academy, Mozarts „Requiem" unter Teodor Currentzis und dem (durchaus entbehrlichen) „Puppenspiel" in Johannisberg bildete Edward Elgars grandioses Oratorium „The Dream of Gerontius" , das im Oktober 1900 seine Uraufführung erfuhr, den Höhepunkt. Es wurde in Eberbach mit stehenden Ovationen gefeiert und war Schlusspunkt des traditionellen Rheingauer Musikfestes, dessen 30. Geburtstag kaum festlicher hätte begangen werden können.

Als die halbe Welt sich anschickte, in ein neues, das 20. Jahrhundert aufzubrechen, präsentierte Edgar Elgar dieses hochromantische, expressive Oratorium, in dem eine Seele die irdische Welt verlässt und auf ihrem letzten Weg unsäglich schwere , steinige Pfade bewältigen muss. Den Chorraum der Basilika von Kloster Eberbach erfüllte ein klanggewaltiges Werk bester englischer Tradition, das die Zuhörer überaus fesselte und emotional berührte. Der vorzügliche Philharmonia Chorus und die Symphoniker Hamburg unter Leitung von Paul McCreesh wurden vom tief beeindruckten Publikum mit standing ovations bedankt.

Unser Bild entstand beim vorletzten Konzert des Rheingau Musik Festival des musicAeterna Chores und Orchesters sowie der Gesangssolisten unter Leitung von Teodor Currentzis. Foto (1): RMF/A. Klostermann

Elgars im Auftrag des Birmingham Festivals geschaffenes, gewaltiges Werk, das die festgefügten Mauern der Basilika zuweilen fast zu sprengen drohte, bildete den grandiosen Abschluss des Rheingau Musik Festivals 2017, den man sich kaum zwingender hätte vorstellen können. Der Riesenapplaus für die aufwühlende Präsentation wollte einfach kein Ende nehmen. Das war zwar bei der Uraufführung gewiss nicht so, doch der Komponist blieb unbeirrt: „Ich denke mir den Gerontius eben nicht als Priester oder gar Heiligen, sondern als einen Menschen wie Du und ich: Einen welterfahrenen und reuigen Mann, der eines Tages vor das oberste Gericht befohlen wird und sch rechtfertigen muss", so der Schöpfer des berührenden Werks, dessen bannende Musik alle angeht.

Präsentiert wurde Elgars Oratorium, wie schpn erwähnt, vom Philharmonia Chorus und den Hamburger Symphonikern unter der sensiblen Leitung Paul McCreeshs. Als first-class. Sänger ließen die vorzügliche Mezzosopranistin Kathryn Rudge, der Bariton Markus Eiche und der Tenor Brenden Gunell die Hörer aufhorchen. Alle drei sorgten dafür, dass Gerontius "Traum" in der Basilika wahrhaft zu Herzen ging und manchen gar zu Tränen rührte: Nicht der Traum eines Priesters oder gar eines Heiligen, sondern der eines welterfahrenen. sündigen Menschen, der sich auf dem schweren Weg ins letzte Gericht befindet und zuvor noch das Martyrium des höllischen Fegefeuers erleiden muss.

Gefeierte Künstler, herausragende Abende


In der zu Ende gegangenen Festspielsaison mit 155 Veranstaltungen und fast 160.00 Besuchern stellte sich in diesem Jahr als Artist in Residence der Pianist Igor Levit vor, der mit der Interpretation von Werken bestach, die von Beethoven bis zu Rzewski reichten und die viele Besucher sonst vielleicht nie erlebt hätten. Mit Anna Luisa Richter wurde erstmals eine viel versprechende junge Sängerin in den Fokus genommen, die mit ihrem leuchtenden Sopran begeisterte und mit Sicherheit noch viel von sich reden machen wird. Der Bassist Michael Wollny zeigte in drei höchst unterschiedlichen, spannenden Projekten seine Virtuosität, die vor allem die Jazzfans begeisterte.

Ganz im Zeichen der damaligen Aufbruchssaison wurden die Zuhörer mit dem Projekt "Prades" sozusagen an den Beginn des Festivals zurück geführt. Mit der „Next Generation", mit „Tanz/Musik" und „ Expedition Sound" setzte Festivalgründer Michael Hermanns den Leitgedanken sozusagen fort.

„Klassentreffen" klanggewaltiges Werk bester englischer Tradition


Zu wahren Höhepunkten des Festivals muss vor allem der „Geigengipfel" gerechnet werden: Eine Art „Klassentreffen" klanggewaltiges Werk bester englischer Tradition prominenter Schülerinnen und Schüler Ana Chumachencos, die mit Violinkonzerten von Vivaldi und Bach begeisterten und vom Münchner Kammerorchester unter Leitung Clemens Schuldts exzellent begleitet wurden.

Gustav Mahlers „Auferstehungssinfonie", die Christoph Eschenbach, die Sopranistin Christiane Karg, die Altistin Gerhild Romberger, der Chor des Bayerischen Rundfunks, das SWR-Vokalensemble und das SWR- Kammerorchester gemeinsam aufführten, riss alle einfach hin, Die Zuhörer verfolgten jeden Ton und lauschten wie gebannt der unter die Haut gehenden Präsentation.

Der hoch begabte junge kanadische Pianist Jan Lisiecki, der in einem Konzert unter Valery Gergievs Leitung sein Debüt beim RMF gab, wurde vom Publikum begeistert gefeiert: Schon aufgrund der Resonanz wird Lisiecki mit Sicherheit im nächsten Jahr hier wieder zu erleben sein.

Dem Publikum hoch willkommen und rasend schnell ausverkauft waren fast wie erwartet die drei großen Konzerte im Wiesbadener Kurpark, darunter besonders der gelungene Abend mit Max Giesinger, der zu einem Fest für die ganze Familie wurde.

In Anbetracht ihrer vorbildlichen Leistungen wurde der Musikpreis 2017 dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg und der Chorgemeinschaft Neubeuern verliehen. Die Künstler bereiteten im „Sommer voller Musik" genussvolle Abende, die im Gedächtnis bleiben werden. Viele Besucher werden sich auf die Saison 2018 freuen, die heute schon weitgehend steht und wieder mit vielen Besonderheiten auf sie warten wird.