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Kunst & KulturMusik › Liebe, Lebenslust und tragisches Ende

Liebe, Lebenslust und tragisches Ende

Das Wiesbadener Staatstheater bringt Jules Massenets Oper „Manon" heraus - Regisseur Bernd Mottl und Dirigent Jochen Rieder verhalfen der Oper zum Erfolg           von Britta Steiner-Rinneberg

05.11.17 || altWIESBADEN (04. November 2017) - In der Absicht, mit der 1884 geschaffenen Oper „Manon" ein Kulturbild des 19. Jahrhunderts zu schaffen, erlangte Jules Massenet seinerzeit Weltberühmtheit. Das Werk, das in seiner tragisch-ironischen Handlungsführung der Zeit voll entsprach, kennzeichnet die Lebensführung des Jahrhunderts. Massenet legte eine Handlung zugrunde, deren raffinierte Ausleuchtung immer wieder durchbrochen wird und die atmosphärischen Stimmungen decidiert wiedergibt.

Das in Paris uraufgeführte Werk fand vor über 100 Jahren großen Anklang, wurde in London, NewYork und Mailand mit Erfolg nachgespielt, gilt beim Opernerfahrenen Publikum von heute jedoch als „Ladenhüter", in dem Liebe und Geld, Macht und Kirche in ständigem Wettstreit liegen und das bittere Ende der Geschichte sozusagen vorprogrammieren.

altDie neueste Wiesbadener Opernproduktion „Manon" von Jules Massenet. Das Bild mit Cristina Pasarolu stammt aus dem letzten Akt der Oper als krank Gewordene und bald Sterbende. Foto: Staatstheater Wiesbaden/Karl und Monika Forster

Der Aufstíeg der aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden Manon, die von einem sorglosen Leben, von Liebe und Freiheit träumte, statt in kösterlicher Enge ihre Tage zu verbringen, stirbt letztlich allein und im Elend. Es ist die jüngste Premiere des Wiesbadener Staatstheaters. Manche der Zuschauer, die sich mit Manons Leben schon beschäftigt haben, dürften fast zu Tränen gerührt worden sein. Die ebenso leidenschaftliche wie tragische Titelfigur, die dás Lebensgefühl des 19.Jahrhunderts wiederspiegelt, dürfte vozugsweise ältere Besucher immer wieder rühren, auch wennso manches heute einfach nicht mehr standhält.

Es ist eine Geschichte aus alten Zeiten, deren Arioso und Parlando und die raffiniert ausgeleuchteten atmosphärischen Stimmungen auch moderne Menschen irgendwie stark berühren können. Die aus dem bügerlichen Leben ausbrechende, an der unbekannten fremden Welt aber scheiternde und schließlich auf der Landstrasse im Elend endende Manon durchlebt und durchleidet das Desaster ihres Traumes von Reichtum und Liebe und in Elend und Verzweiflung.

In Bernd Mottls packender Inszenierung am Wiesbadener Staatstheater spielt Christina Pasaroiu trotz ihres durch einen Unfall lädierten und Schmerzen verursachenden Fußes die Titelheldin. Das Premierenpublikum bemerkte ihre Anstrengung wohl und dankte ihr mit besonders herzlichem Beifall. Joan Hotea, der ihren Partner, den Chevalier Des Grieux gibt, iässt es im Spiel leider an wirklich glaubhaftem Ausdruck fehlen. Sehr schade!

Regisseur Bernd Mottl und Dirigent Jochen Rieder taten alles, um der in französischer Sprache gesungenen Oper zum Erfolg zu verhelfen. Christopher Bolduc brilliert als Lescaut, Erik Biegel als Norfontaine und Florian Köntschak als Graf Des Grieux. Die Musiker im Graben und der Chor tragen entscheidend dazu bei, mit dieser Mixtur aus Liebe und Romantik dem Publikum wieder einen Opernabend zu bescheren, der vom fast voll besetzten Haus am Ende mit viel Beifall und einigen verdienten Bravos für die Titelheldin gefeiert wurde!

Die nächsten Aufführungen finden am 11., 15 und 17.November und im Weihnachtsmonat statt