Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturMusik › Erinnerung an vergangene, glückliche Tage

Erinnerung an vergangene, glückliche Tage

Glanzleistungen der Internationalen Maifestspiele im Großen und Klleinen Haus von Britta Steiner-Rinneberg

01.06.18 || altWIESBADEN (31. Mai 2018) - Die vom Deutschen Theater Berlin präsentierten „Glücklichen Tage" von Samuel Beckett wurden im Wiesbadener Großen Haus mit Riesenapplaus bedacht. Das von Hoffnungslosigkeit zeugende Stück spielt in karger Umgebung, in der sich Winnie (Dagmar Manzel) an vergangene glückliche Tage ihres Lebens erinnert. Als gelähmte Frau nimmt sie vom Leben Abschied. Ihre letzten Lebensstunden verbringt sie mit Blick in einen gähnenden Abgrund, der schon auf sie wartet und strahlt dabei eine Freude und Zuversicht aus, die den Atem anhalten lässt. Sie empfindet diese Situation als „rosig" und „bejahenswert" und drückt dies „Glücksempfinden" über das nahende Ende voll zum Ausdruck. Das Publikum war nach der Premiere betroffen und dachte über sein eigenes Lebensende beklemmt nach. Der anfangs nur zögerlich einsetzende Beifall machte seine Betroffenheit mehr als deutlich.

Eine Szene aus dem „Liebestrank" der viel Beachtung erhielt

Versager macht betroffen

Mit dem „Tod eines Handlungsreisenden" faszinierte Ulrich Matthes im Kleinen Haus das Publikum. Der Beifall galt nicht zuletzt der Überzeugungskraft und bewundernswerten Sprache eines Mannes, der nach erfolgreichen Berufsjahren vom Leben „genug" hat und auf seinen Tod wartet. Die Zuschauer waren sichtlich betroffen und dankten ihm auf seinem Weg in den Tod mit erstaunlichem Beifall: Ein Mensch geht ohne alle Hoffnung aus diesem Leben und strahlt dabei eine Kraft und Würde aus, die betroffen machte. Das Publikum wusste den besonderen Abend zu würdigen und dankte dem „Versager" der ohne Hoffnung aus dem Leben scheidet, mit starkem Beifall. Ulrich Matthes fesselte es mit großer Bühnenpräsenz, die den Abend im Großen Haus zu einer Veranstaltung werden ließ, die jeden einfach mitriss.

Ulrich Matthes faszinierte als „Handlungsreisender". Fotos (2): Staatstheater Wiesbaden

Orpheus bannt und lockt


In starker Erinnerung bleiben auch die Produktionen von „Tannhäuser", „Arabella" und „Götterdämmerung" in denen das Publikum, voran die prominenten Gäste bewunderte, ihnen mit frenetischem Beifall dankte. Michael Quast begeisterte die Zuschauer als schauspielender „Orpheus": Ein singendes und tanzendes Alllroundtalent, das die Besucher von den Stühlen riss - viele Bravos von allen Seiten! Wer für diesen Abend leider keine Karten mehr bekam, kann sich auf den Juli freuen, in dem „Orpheus" noch zweimal auf die Bühne kommt. Oder er wartet den Beginn der neuen Spielzeit ab, in der die Oper für Mitte September als eine der ersten Premieren auf dem neuen Spielplan steht.

Vorfreude auf die neue Spielzeit


Nach den Sommerferien, wenn Schauspieler und Publikum frisch aus dem Urlaub zurück sind, wird die neue Spielzeit beginnen und ab Mitte September die Zuschauer ins Haus locken. Der Spielplan verspricht neue Stücke und Künstler und wird hoffentlich für volle Häuser sorgen. Theaterleute und Publikum steigen mit Lust und Neugier in die neue Saison ein, die obendrein eine ganze Reihe neuer Sänger und Schauspieler präsentiert und deshalb besonders neugierig machen wird. Das Publikum hofft auf Interessantes in allen Sparten, will tunlichst keine Premiere versäumen und wird sich deshalb möglicht bald um Karten bemühen.