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"Café Laumer" gerettet - Früher mal ein Szenetreff

Neuer Betreiber für Traditionsgastronomie an der Bockenheimer Landstraße gefunden - Caféhaus-Kultur soll weitr bestehen

02.03.11 || altFRANKFURT (02. März 2011) - Die Zukunft des renommierten "Café Laumer" ist gerettet. Im Auftrag von Planungsdezernent Edwin Schwarz hat ein Vertreter des Liegenschaftsamtes den entsprechenden Mietvertrag mit einem Betreiberkonsortium unterzeichnet. "Damit kann das ins Insolvenzverfahren geratene Café weiter bestehen. Das neue Konzept sieht vor, diese beliebte Institution zu einem Grand Café weiterzuentwickeln, das viel Klasse, Stil und Erhabenheit ausstrahlt", freut sich Stadtrat Schwarz. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter hatte die Stadt Frankfurt mit einem Bieter-Wettbewerb einen neuen Investor gesucht, der das Café weiter betreibt.

Nach einer umfangreichen Sanierung und Revitalisierung wollen die künftigen Betreiber, die jetzt den Zuschlag bekommen haben, das Traditions-Café an der Bockenheimer Landstraße 67 zu "alter Erhabenheit" zurückführen. "Mir war es wichtig, dass dieses 1919 gegründete Caféhaus auch künftig weiterbestehen kann - mit einem ansprechenden Konzept, moderatem Preisniveau und leckerem Kaffee und Kuchen", sagt Planungsdezernent Schwarz. (Text und Bild: pia)

"Das Laumer" versetzt einen spielend ein paar Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit

Geht Stück Frankfurter Tradition flöten? Diese Frage stellte der Hessische Rundfunk in hr2-kultur Mikado am 14. Januar diesen Jahres in einer dreiminütigen Sendung mit Tobias Lübben. In Auszügen geben wir den Bericht wieder:

Das Café Laumer in der Bockenheimer Landstraße ist so etwas wie eine Zeitmaschine: Es versetzt einen spielend ein paar Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit. Die alte Gründerzeit-Fassade ist im gleichen Gelb gestrichen wie das berühmte Sissi-Schloss Schönbrunn in Wien, und auch im Innern herrscht Wiener Caféhaus-Herrlichkeit: gedämpftes Licht, weicher Teppich und gepolsterte Stühle mit hohen Lehnen. Modernes Leben ist anderswo.

Vorlesungen und Tortenschlacht


In den großen Zeiten des Café Laumer - in den 60er und 70er Jahren - war das Laumer ein Szenetreff, beliebt bei Studenten und Professoren der nur wenige hundert Meter entfernten Goethe-Universität, Schauplatz heftiger Diskussionen und entspanntem Kaffeegenuss. Unter den Gästen war auch so mancher, der später groß herauskommen sollte: Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl und Kommilitonen kratzten in den 50er Jahren seine letzten Pfennige und DM zusammen, um gedeckten Apfelkuchen zu essen. Der Philosoph Theodor W. Adorno hielt hier so manche Vorlesung außer der Reihe, und 1968 gab es eine Tortenschlacht, an der sich auch der spätere Außenminister Joschka Fischer beteiligt haben könnte. Auch er kam dann und wann mal ins Laumer.

Schulden als Hinterlassenschaft


Der im vergangenen Jahr verstorbene Inhaber hinterließ mehrere Hundertausend Euro Schulden aus anderen Café-Projekten, sodass sein Sohn Andreas Rimbach das Erbe ausschlug. Rimbach würde den Laden gerne weiterführen, denn der gelernte Koch und Konditor ist schon dreieinhalb Jahrzehnte im Café Laumer aktiv: Mit acht Jahren stand er auf einer umgedrehten Bierkiste an der Kasse oder half seinem Vater in der Backstube.

Auch Andreas Rimbach bot mit und hatte ein Modernisierungskonzept vorgelegt


Der Insolvenzverwalter suchte seit 21. Januar einen neuen Investor, der genügend Geld für den Weiterbetrieb mitbringt. Dies ist jetzt - wie anfangs beschrieben -  gelungen. Wie zu vernehmen war soll auch Sohn Andreas Rimbach, der das Erbe erst ausgeschlagen hatte, mitgeboten haben. Mit frischem Geld von der Bank und einem neuen Konzept will er das Traditionscafé weiterführen und gleichzeitig modernisieren. Zum einen will er für die eiligen Mittagsgäste einen Selbstbedienungsbereich aufbauen. "In einem anderen Bereich", sagt er, "wollen wir wieder die Qualität machen, die bei meinen Großeltern war." Denn das alte Publikum verprellen, das will Rimbach auch nicht. Die gute alte Zeit hat auch in Frankfurt noch viele Fans, und sei es auch nur für eine Tasse Kaffee und ein Stück Torte. Ob er allerdings den Zuschlag erhalten hat stand heute egen 19 Uhr noch nicht fest. (hr2/de)