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Weltbad mit Geschichte und Heilkraft: Bad Ragaz im Heidiland

In der Bündner Berglandschaft verliert die Zeit ihren Druck - Körper und Geist der Heilkraft des Wassers überlassen von Karin Willen

17.01.15 || altBAD RAGAZ (17. Januar 2015) - Die Kutschfahrt ist gerade mal eine Viertelstunde schneller als die gut einstündige Wanderung vom Bahnhof Bad Ragaz zum Alten Bad Pfäfers in der Ostschweiz. Das liegt auch daran, dass die "Rössliposcht" auf dem schmalen idyllischen Weg an der Tamina entlang zweimal stoppt, weil der Kutscher brav die Pferdeäpfel aufkehrt und entsorgt, die das braune Duo unter sich gelassen hat. Doch in Bad Ragaz in der Bündner Berglandschaft verliert die Zeit eh ihren Druck. Schon wegen der geschichtlichen Perspektive, aber auch, weil die ruhige Landschaft einfach das Gemüt kühlt.

Warmes Quellwasser kommt aus den Brunnen in Bad Pfäfers

Bis zum Bau dieser Straße in der Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Kurgäste einen ungleich längeren und beschwerlichen, steilen Abstieg von den hoch gelegenen Ortschaften Valens oder Pfäfers in Kauf nehmen, um ins enge mystische Tal zum heilenden Wasser gelangen, das hier nach einem 15 Jahre langen Weg durch kristallines Gestein entspringt.

Wie die Kur anfangs etwa hundert Jahre lang dann vonstatten ging, ist heute unvorstellbar. Im Museum, dem einstigen Benediktinerkloster und ältesten barocken Bäderbau der Schweiz, erzählt Fremdenführerin Jaqueline Schwitter, dass die Heilsuchenden von Mönchen auf halsbrecherische Weise in Körben in die wilde Schlucht abgeseilt wurden. Dort badeten sie fünf bis sieben Tage rund um die Uhr in Löchern, die man eigens dafür in den Fels gehauen hatte und durch die das fast körperwarme Wasser kontinuierlich floss. Wohlgemerkt, auch beim Essen, Schlafen und Stuhlgang. Natürlich quoll dabei die Haut auf. "Doch das war gewollt, nach mittelalterlicher Vorstellung fanden so Gicht und andere Krankheiten den Weg aus dem Körper heraus", erklärt die Führerin.

altBad Ragaz lädt zum Kuren, Gesunden, Erholen, Wandern und Entspannen ein. Im Hintergrund das Grand Ressort Luxushotel

Heute führt ein 450 Meter langer Fußweg vom Alten Bad Pfäfers am Schluchtenrand in seinen Schlund hinein, wo das Quellwasser hinten in der kalten Felswand dampft. Hier ist die Wildheit dieser imposanten und einst furchterregenden dunklen Schlucht, um die sich Sagen und Legenden rankten, noch unmittelbar erfahrbar. Das Quellwasser soll die Lebenszeit verlängern, heißt es zum Beispiel. Kann sein, man kann es jedenfalls gut trinken, es schmeckt neutral. Die heute empfohlenen 20 Minuten Badezeit verbringen wir dagegen mit allem Komfort exklusiv als Gäste des Hauses im Wellbeing & Thermal Spa des Grand Resorts Bad Ragaz. Seit 1840 fließt das Thermalwasser nämlich per Leitung in den schicken Badeort und verwässert seine Heilkraft nicht mehr über das Flüsschen Tamina fast 20 Kilometer von der Schlucht entfernt in den Rhein. Im Helenenbad des Grand Resorts, aber auch in der imposanten, lichtdurchfluteten öffentlichen Tamina Therme lässt sich herrlich in dem fast uteruswarmen, weichen Wasser ausruhen von der Schluchtenwanderung; zahlreiche Düsen lockern dabei mit Wasserdruck Muskeln und Gelenke. Den Blick in die Berge geben beide Oasen der Entspannung frei, und auf den insgesamt 12.800 Quadratmetern der beiden Badelandschaften findet sich immer ein ruhiges Plätzchen zum Ausruhen.

altDie Tamina-Therme ist ein öffentliches Bad

"Es haftet ihm kein Korpus an", lobte Paracelsus das Quellwasser in seinem "besonderen Büchlein über das Bad Pfeffers", wie der Ort damals hieß. Der heilkundige Gelehrte arbeitet 1535 einige Wochen als Badearzt und schrieb dem Tamina-Wasser Heilkräfte gegen Rheuma, Gicht, Lähmungserscheinungen, Knochenbrüche und andere Erkrankungen zu. Seinen Empfehlungen folgten viele große und kleine Geister. Unter anderen erholte sich der Reformator Ulrich Zwingli an der Heilquelle noch in Bad Pfäfers. Als der Philosoph Friedrich Nietzsche seine Leiden im Jahr 1877 kurieren lassen wollte, war Bad Ragaz schon Weltbad. Drei Jahre später ließ sich Johanna Spyri durch die Kombination von Bergidylle und Heilung zu ihrem Jugendroman "Heidi" inspirieren, was die Schweizer heute veranlasst, die Gegend als Heidiland touristisch zu vermarkten. In den 1920er Jahren linderte der Dichter Rainer Maria Rilke mehrfach seine Leiden. "Hiersein ist herrlich" hinterließ er Zeitgenossen und der Nachwelt. Auch Thomas Mann, Victor Hugo, Hans Christian Andersen und Carl Zuckermayer überließen Körper und Geist der Heilkraft des Wassers. Heute kurt die Haute Volée noch immer gern in Bad Ragaz. Mittlerweile werden aber auch Profisportler hier mit den mineralarmen Wassern gewaschen, und manche hochkarätige Tagung profitiert ebenfalls von der gesunden Bergluft und dem entspannenden Nass.

Vor 800 Jahren wurde die wasserreichste Akratotherme Europas entdeckt - Tamina Therme ein anerkanntes Heilbad


Die Tamina Therme ist nach Art. 40 im Schweizer Krankenversicherungsgesetz ein anerkanntes Heilbad. Entdeckt wurde die wasserreichste Akratotherme Europas vor 800 Jahren. Das Heilwasser gehört zur Gruppe der Chlorid-Hydrogencarbonat-Sulfat-Wässer. Neben diesen Hauptbestandteilen finden sich Spurenelemente wie Eisen-, Fluorid-, Iodid-Ionen, aber auch Sulfid-Schwefel. Das mineralstoffhaltige Quellwasser mit einem Gehalt an festen gelösten Bestandteilen von weniger als 1000 mg/l und einer natürlicher Temperatur 36,6°C (Akratotherme) hat sich bei Erkrankungen des Bewegungsapparats und vegetative Regulationsstörungen bewährt.

altBlick auf die Tamina-Therme. Fotos (4): Karin Willen/Heidiland Tourismus AG

Heute befinden sich in Bad Ragaz auch das renommierte Olympic Medical Center, das Profisportler aus aller Welt behandelt und das Medical Health Center im Grand Resort einschließlich der Ästhetischen Medizin und der komplementären Schweizer Klostermedizin. Als alternative Heilmethoden sind im Schaub Institut auch die Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEM) sowie in der Klinik MediQui die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) vertreten. Die Rehabilitationsklinik Valens verfügt ebenfalls über das Tamina-Wasser.

Die Quellwassergrotte Bad Pfäfers ist täglich geöffnet von Ende April bis Mitte Oktober, 10 bis 17.15 Uhr, Mai und Oktober von 10 bis 16.15 Uhr. Eintritt zur Quelle: 5 Franken (Münzeinwurf)
Mehr unter: www.altes-bad-pfaefers.ch; www.resortragaz.ch und www.heidiland.com