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Der Wald hat 1.000 Gesichter - Wasser Wunder Wald

Der 21. März als Internationaler Tag des Waldes ist auch ein Tag der Nachhaltigkeit und der 22. März als Internationaler Tag des Wassers trägt dazu bei           von Ralph Delhees

21.03.17 || altaltRheinMainTaunus (21. März 2017) - „Wir pflanzen heute junge Bäume, damit unsere Kinder und Enkel den Wald genauso nutzen können und der Wald ihnen genauso eine Lebensgrundlage bietet, wie wir es heute erleben," sagt der Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann, am heutigen Internationalen Tag des Waldes. Wälder sind weltweit bedeutende Lebensräume für eine immense Artenvielfalt und der Mensch profitiert insbesondere von ihren kostenlosen altLeistungen. „Nur wenn wir Wälder schützen, können wir weiterhin zum Beispiel von ihrem Nutzen als Kohlenstoffspeicher profitieren", , so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Mehr Schutz für die Wälder fordert der NABU, weltweit und in Deutschland. Vor allem die Umwandlung von Wäldern zu landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungen führten weltweit zu einem Verlust von 13 bis15 Millionen Hektar jährlich, so Tschimpke.

Unter dem Motto „Der Wald hat 1.000 Gesichter" hat es sich der Hessische Waldbesitzerverband zur Aufgabe gemacht, in Zukunft mehr über die vielen Facetten des Waldes zu informieren und unter anderem darüber aufzuklären, warum es auch im Wald wichtig ist, bestimmte Regeln einzuhalten. Einen ersten Eindruck von den Aktivitäten des Verbands bietet die Website www.hesswald.de. „Weit über 1.000 Eindrücke erhalten Sie bei Ihrem nächsten Besuch im Wald", verspricht Freiherr von der Tann, „zu dem Sie im Namen aller Waldbesitzer jederzeit herzlich eingeladen sind." Eine wunderbare Symbiose geht der Wald mit dem Wasser ein, denn ohne Wasser kein Wald und so liegen die Tage des Waldes und des Wassers auch beieinander und so kommt mit dem kalendarischen Frühling (20. März) einen Tag später der Tag des Waldes und am 22. März der Weltwassertag.

altHessen hat bundesweit den höchsten Mischwald-Anteil: Eine gute Voraussetzung, um flexibel auf den Klimawandel reagieren zu können. Foto: HessenForst/M. Mahrenholt

Nationalpark darf nicht nur Naturschutzgebiet sein


Auch Deutschland ist seiner Verpflichtung, Wälder effektiv zu schützen noch längst nicht nachgekommen. Gerade mal zwei Prozent der Waldfläche Deutschlands sind heute über einen rechtlichen Schutz dauerhaft aus der Nutzung genommen. Nur in solchen Wäldern können sich langfristig wieder urwaldähnliche Strukturen und damit ein Paradies für die Artenvielfalt entwickeln.

Die geplante Ausweisung eines dritten Nationalparks in Bayern ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Dabei muss die naturschutzfachliche Qualität des Waldes bei der Ausweisung im Vordergrund stehen. Mit dem Spessart und dem Steigerwald stehen zwei geeignete Laubwaldgebiete im Eigentum des Freistaates zu Verfügung. Ein neuer Nationalpark muss auch neue naturschutzfachliche Qualität in das betroffene Gebiet bringen und darf nicht nur bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesene Flächen beinhalten.

Der Waldnaturschutz in Deutschland geht jedoch deutlich über die nicht mehr forstwirtschaftlich genutzten Flächen hinaus, denn der Großteil des deutschen Waldes wird weiterhin bewirtschaftet werden. „Grundsätzlich sollte bei Wirtschaftswäldern das Ziel verfolgt werden, dass diese sich bezüglich Struktur (Baumartenzusammensetzung, Waldentwicklungsphasen, Totholzanteil) an heimischen 'Urwäldern' orientieren. Um dies sicherzustellen bedarf es einer entsprechenden Änderung der Waldgesetze", fordert der NABU-Präsident.

Waldfläche erhalten und vermehren


Im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens, mit dem Ziel den Temperaturanstieg auf deutlich unter 2, besser auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, spielt der Wald eine zentrale Rolle bei der Reduzierung von Kohlenstoff in der Atmosphäre. Um weiterhin als Kohlenstoffsenke fungieren zu können, muss die Waldfläche erhalten und vermehrt werden. "Dabei ist zu beachten: Wald ist nicht gleich Wald. Ein alter Wald, mit hohen Holzvorräten und einem intakten Boden speichert wesentlich mehr Kohlenstoff als aufgeforstete Plantagen", so NABU-Waldexperte Stefan Adler.

altDer Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes Michael Freiherr von der Tann und Tim Titze bei einer Pflanzung von Setzlingen. Foto: Hessischer Waldbesitzerverband e. V

Eine starke Leistung


Zu der Baumpflanzaktion und zum Innehalten gibt es zehn Jahre nach dem Orkan Kyrill allen Anlass. Der Sturm hatte in einer Nacht alleine in Hessen 73.000 Hektar Wald verwüstet. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis die Millionen umgeknickten und zerborstenen Bäume aufgearbeitet und aus dem Wald transportiert waren. „Ich möchte allen Waldbauern, Waldarbeitern und Förstern, die mitgeholfen haben den Wald wieder aufzubauen, von Herzen danken," so von der Tann. „Das war eine starke Leistung und die verdient in der ganzen Gesellschaft Anerkennung."

Von der Tann: „Unsere Wälder sind zum größten Teil Kulturwälder, die der Hege und Pflege bedürfen"


Für die meisten Menschen ist der Wald etwas Selbstverständliches. Er ist einfach da, man nutzt ihn zum Spazierengehen, Wandern, Joggen, Radfahren, Pilze sammeln und erfreut sich an der Natur, der Ruhe und Erholung. Doch die Wenigsten machen sich Gedanken darüber, wie so ein Wald eigentlich funktioniert, was er leistet - und was dafür getan wird, um ihn zu erhalten. Auch wenn unsere Wälder im Großen und Ganzen für jedermann zugänglich und nutzbar sind: Sie sind kein Allgemeingut, sondern Eigentum, und zwar des Landes (ca. 40%), von Kommunen (ca. 35%) und von Privatbesitzern und sogenannten altrechtlichen Eigentümergemeinschaften (ca. 25%).

altHans Carl von Carlowitz, eigentlich Johann „Hannß Carl von Carlowitz, (* 14. Dezember jul./ 24. Dezember 1645greg.[ in Oberrabenstein; † 3. März 1714 in Freiberg) war ein deutscher Kameralist, königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Kammer- und Bergrat sowie Oberberghauptmann des Erzgebirges. Er schrieb mit der Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht (1713) das erste geschlossene Werk über die Forstwirtschaft und gilt als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs. Bild und Text aus Wikipedia

Und dieses Eigentum verpflichtet: „Unsere Wälder sind zum größten Teil Kulturwälder, die der Hege und Pflege bedürfen. Diese Aufgaben nehmen wir als Waldbesitzer mit großer Verantwortung wahr", stellt von der Tann fest und nennt einen frühen „Waldhüter" als Schöpfer des Begriffs der Nachhaltigkeit. Denn bereits 1713 schrieb der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz erstmalig von der „nachhaltenden Nutzung" der Wälder und benannte damit das Prinzip, immer nur so viel Holz einzuschlagen, wie durch planmäßige Aufforstung nachwachsen kann.

altEiner der vielen wasserbeeinflussten Bereiche im hessischen Wald: der Erlenbruchwald Foto: HessenForst/W. Hammes

„Unsere Wälder sind die grüne Lunge Hessens"


Den Tag des Waldes nimmt der Hessische Waldbesitzerverband e. V. zum Anlass, eine hessenweite Aufklärungskampagne zu starten. Denn nicht nur die bedrohten tropischen Urwälder verdienen unsere Beachtung, sondern vor allem unsere heimischen Wälder hier in Hessen sind es, die direkt vor unserer Haustür zahlreiche wichtige Funktionen erfüllen. Seit Jahrhunderten sorgen die hessischen Waldbesitzer mit nachhaltiger Forstwirtschaft dafür, dass unsere Wälder bis heute und auch in Zukunft „funktionieren" und uns allen nutzen. „Unsere Wälder sind die grüne Lunge Hessens", so Michael Freiherr von der Tann. „Sie bieten uns Erholung, erfüllen wichtige Klimafunktionen, sind als komplexe Ökosysteme Heimat unzähliger Tiere und Pflanzen - und spielen auch als Wirtschaftsfaktor in Hessen keine geringe Rolle."

Lebensqualität erfahren durch Naturerleben


Rund drei Viertel der Deutschen leben in Städten. Entsprechend hoch ist bei vielen das Bedürfnis nach Naturerleben und dem Wunsch, sich ohne Mauern, Zäune und Bürgersteige frei bewegen zu können. Der Aufenthalt in Parks und Wäldern, das frische Grün, natürliche Düfte und die saubere Luft beruhigen die Nerven, können helfen den Blutdruck zu regulieren, das Stressgefühl zu senken, das Selbstbewusstsein zu fördern und sogar das Immunsystem zu stärken.

altFindet im hessischen Staatswald Wasserbiotope zur Nahrungssuche: der Schwarzstorch Foto: HessenForstSwatzba/Shutterstock.com

Aber neben der Holzwirtschaft, die in Hessen immerhin für rund 40.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze sorgt, ist dieses Prinzip der Nachhaltigkeit zum Erhalt der Wälder für uns alle überlebenswichtig: Die Bäume des Waldes reinigen unsere Luft, speichern CO2 und produzieren den lebensnotwendigen Sauerstoff. Wälder verbessern unser Klima, indem sie Wasser speichern und bei Trockenheit wieder abgeben und so auch Temperaturschwankungen ausgleichen. Zudem bieten sie Tausenden von Tier- und Pflanzenarten wichtige Lebensräume - in hochkomplexen Ökosystemen von den Wurzeln bis in die Baumkronen.

Trinkwasser aus dem hessischen Wald


Der 21. März als Internationaler Tag der Wälder und der 22. März als Weltwassertag passen perfekt zusammen, denn: Der Großteil des hessischen Waldes trägt zur Trinkwasserversorgung der Bürgerinnen und Bürger bei - und das auf ganz natürliche Weise. Stetig gepflegte Mischwälder spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Jeder Hesse benötigt täglich 124 Liter Wasser - zum Trinken, zum Waschen, zum Spülen. Der Großteil des Trinkwassers, das in Hessen aus den Wasserhähnen fließt, ist vorher durch Waldboden gesickert. Dabei wird es von Schweb- und Schadstoffen auf natürliche Weise gereinigt. „Diese natürliche Reinigung funktioniert nur, weil unsere Böden geschützt und der Wald sorgsam gepflegt werden", erläutert Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs HessenForst, „das gezielte Mischen verschiedener Baumarten ist genauso wichtig, wie die Vermeidung von Freiflächen - wo immer möglich ernten wir das Holz einzelstammweise".

Aufgrund seiner Lage und der langjährigen naturnahen Bewirtschaftung des Waldes liegen die meisten Trinkwasserschutzgebiete im Wald: Vom hessischen Staatswald sind 96 % betroffen. „Diese hohe Quote ist für uns Förster ein Prädikat - aber gleichzeitig auch eine Verpflichtung. Denn die Wälder sind unsere Versicherung, wenn es um Trinkwasserversorgung und -qualität geht".

Beste Wasserqualitäten im Wald


Das sauberste Trinkwasser wird unter Wald gewonnen. Doch wie funktioniert diese natürliche Reinigung? Das Geheimnis liegt sowohl im Boden als auch in den Bäumen:
Wie ein Schwamm saugt der Waldboden das Wasser auf. Während es langsam durch mehrere Schichten nach unten sickert, filtert und reinigt der Boden das Wasser. Unabhängig vom Boden bietet gesunder, stabiler Mischwald ideale Bedingungen, um hochwertiges Trinkwasser zu gewinnen: Verschiedene Baumarten erschließen unterschiedliche Bodenschichten und führen durch ihre verschiedene Blatt- und Nadelstreu zu günstigen Humusformen. Forstleute bewirtschaften den Wald in Wasserschutzgebieten gezielt, um eine entsprechend günstige Zusammensetzung der Baumarten zu fördern.

Mehr als ein Getränk


Das Wasser im Wald bietet auch Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Um spezialisierte Arten zu fördern, pflegt HessenForst gezielt Wasserbiotope und vernetzt sie. Zahlreiche Amphibienarten wie Gelbbauchunke oder Teichfrosch sind auf Flachwassertümpel angewiesen; echte Waldlibellen, wie die gestreifte Quelljungfer, brauchen unbelastetes Quellbachwasser. „Unser Ziel ist es, Quellbereiche frei zu halten und Tümpel zu pflegen, die als Lebensraum und Nahrungshabitate dienen," erklärt Gerst, „es ist schön zu sehen, wenn die Tiere diese Biotope annehmen und es nach einiger Zeit in den Tümpeln wuselt und wimmelt. Erfolgsgeschichten - wie die Rückkehr des Schwarzstorches in den hessischen Wald - sind dann besondere Highlights".

Aber auch die Waldbäume benötigen eine gute Wasserversorgung: Eine ca. 140-jährige Buche verdunstet bis zu 400 l Wasser pro Tag, ein Buchenwald mit der Größe eines Fußballfeldes bis zu 80.000 Liter.

Informelles zum Tag des Waldes und zur Aufklärungskampagne


Der Internationale Tag des Waldes wurde 1971 von der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, als Reaktion auf die globale Waldvernichtung initiiert und wird weltweit jedes Jahr am 21. März zum Anlass für zahlreiche Aktionen genommen (Aktionsseite für Deutschland: www.tag-des-waldes.de). Ein weiterer wichtiger Tag für den Naturschutz ist der Internationale Tag des Baumes am 25. April mit einer noch längeren Tradition.

Aufklärungskampagne: Der Wald hat 1.000 Gesichter - Mehr Informationen zur Aufklärungskampagne „Der Wald hat 1.000 Gesichter" unter: www.hueterdeswaldes.com

Über den Hessischen Waldbesitzerverband e.V.


Der Wald in Hessen dient nicht nur der Erholung und dem Klimaschutz, sondern ist auch Arbeitsplatz und Einkommensquelle von mehr als 4.000 Menschen. Sie pflegen und erhalten den Wald und produzieren jedes Jahr nachhaltig etwa 5 Millionen Kubikmeter Holz - als Roh-, Werk- und Baustoff sowie als Energieträger.

altHerausgeputzt für den Verkauf - Eichenholz in bester Qualität ist das Ergebnis verantwortungsvoller Waldpflege von mehreren Förstergenerationen. Foto: HesssenForst

Die gesamte Waldfläche in Hessen beträgt mit fast 900.000 Hektar knapp acht Prozent des gesamten deutschen Waldes. In Hessen sind rund 25 Prozent des Waldes zum Teil seit Generationen im Besitz von rund 60.000 privaten Waldeigentümern und altrechtlichen Eigentümergemeinschaften. 35 Prozent gehören waldbesitzenden Kommunen, 40 Prozent dem Land.

Unter dem Dachverband der AGDW - Die Waldeigentümer vertritt der Hessische Waldbesitzerverband e.V. die Interessen der privaten und kommunalen Waldeigentümer gegenüber Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, den Gremien anderer Verbände und der Öffentlichkeit - im Sinne einer nachhaltigen und multifunktionalen Forstwirtschaft sowie des Umwelt- und Klimaschutzes.