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Projekt KLIMPRAX: Klimaanpassung kann nur lokal erfolgen

Hohe Temperaturen fordern Kommunen heraus - Hitzetrend setzt sich fort           von Karl-Heinz Stier

13.07.17 || altaltOFFENBACH (13. Juli 2017) - „Die Sommertage werden bei uns länger und heißer", stellte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach beim Besuch der Umweltministerin Priska Hinz fest. Vizepräsident Dr. Paul Becker untermauerte diese These mit der Anzahl der Sonnentage (25 Grad und mehr) in den letzten Jahrzehnten. Im Zeitraum von 1961 bis 1990 waren es 33 Tage, von 1971 bis 2000 36 Tage und von 1981 bis 2010 41 Tage. „ Der Trend ist allerdings nicht linear, sondern erfolgt im Zick-Zack-Kurs, aber er ist da und wird sich noch fortsetzen", sagte der Vize der Offenbacher Bundesbehörde, deren Aufgabe es auch ist, die Klimaveränderungen in den letzten 50 Jahren zurückzuverfolgen und auf die nächsten 100 Jahre zu projektieren.

altAn der Pressekonferenz nahmen teil (v-l-n-r.:) Umweltministerin Priska Hinz, Vize-Präsident des Wetteramtes Dr. Paul Becker und Dr. Marion Hemfler vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Die hohen Temperaturen und veränderten Niederschlagsverhältnisse seien oft auch Ursache für Hitze, deren Bewältigung für über 80 Jahre alte Menschen, weiter für Trockenheit, Hochwasser, Starkregen und Sturm. Darauf leiteten sich Handlungsfelder insbesondere für Städte und Gemeinden ab. „Eine Klimaanpassung kann nur lokal erfolgen, die Kommunen sollten nicht über ihre Beauftragten Wissen anhäufen, sondern auch praktisch arbeiten", betonte Dr. Marion Hemfler vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie bei der Vorstellung ihres Projekts KLIMPRAX (Klimawandel in der Praxis) in der Broschüre „Hitze in der Stadt und kommunale Planung".

Insbesondere ein hoher Versiegelungsgrad in den Städten und eine dichte Bebauung verstärken die Auswirkungen steigender Sommertemperaturen. Notwendig seien Grünflächen, Wasserflächen, Bepflanzungen, die ausgleichend wirken können. Darauf hätten Stadtplanung und Freiraumplanung einen maßgeblichen Einfluss. Die Städte und Gemeinden sollten sich auch die Frage stellen, ob die zunehmende Hitzeentwicklung bei der Stadtplanung integriert werden soll, untersuchen, wo besonders viele betroffenen Menschen wohnen und wohin die Klimafragen in der Verwaltungsorganisation gehören.
Inzwischen würden in den Modellkommunen Mainz/Wiesbaden erste Ergebnisse zum Stadtklima und Hitzebelastungen ausgewertet und in Kürze veröffentlicht.

altLandesamt-Broschüre zum Thema Klimawandel in Hessen. Fotos (2): Karl-Heinz Stier

Umweltministerin Hinz kündigte die Erstellung eine Starkregen-Hinweiskarte mit Hinweis auf besonders gefährdete Gebieten in Hessen an. „Damit können die Kommunen ihre eigene Situation besser einschätzen und Maßnahmen zum Schutz von Starkregenfolgen einleiten".

Mit dem Integrierten Klimaschutzplan 2025 und zusätzlichen Investitionen in Höhe von 140 Millionen Euro verpflichtet sich die Landesregierung daher nicht nur zum Klimaschutz, sondern auch zur Klimaanpassung. Um Erfolg zu haben, ist sie aber auf kommunales Engagement angewiesen, hierzu gehört auch das vorgestellt Projekt KLIMPRAX, das für den „Klimawandel in der Praxis" steht.

Offenbach hat konkrete Maßnahmen zum Umgang mit dem Klimawechsel aufgestellt


Im Isenburger Schloss übergab nach dem Besuch bei DWD Offenbachs Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber das Klimaanpassungskonzept der Stadt an Umweltministerin Hinz. Es enthält ganz konkrete Maßnahmen zum Umgang mit dem Klimawandel und seinen Folgen, die auf den Standort und die Gegebenheiten in der Stadt Offenbach abgestimmt sind. „Die Stadt Offenbach zeigt vorbildlich, was auf städtischer Ebene entwickelt werden kann", sagte die Ministerin.

Renaturierung an der südlichen Bieber


Im Anschluss konnte die Ministerin ein konkretes Projekt der Anpassung an den Klimawandel besichtigen: die Renaturierung der südlichen Bieber. Im Zusammenhang mit der Klimaanpassungsstrategie ist die Renaturierung eine Maßnahme zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Das Vorhaben beinhaltet die Entwicklung naturnaher Gewässer-, Ufer- und Auenstrukturen oberhalb der Ortslage von Kilometer 4,3 bis Kilometer 5,8. „Naturnahe Flüsse und Bäche verbinden Hochwasserschutz und Naturschutz. Sie sind wichtig dafür, dass Arten auch bei sich ändernden klimatischen Bedingungen überleben können", so die Ministerin.