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Frankfurts neues Phänomen heißt „Residenzwohnen"

Stadtrat Mike Josef hat illegles Wohnen im Visier und geht gegen überzogene Mieten vor           von Karl-Heinz Stier

29.10.19 || altFRANKFURT (28. Oktober 2019) - In Frankfurt werden zunehmende möblierte Wohnungen in reinen Wohngegenden unter Titeln wie „Wohnen auf Zeit", Businessapartments", „Service-Apartments" offeriert und vermietet oder unter dem allumfassenden Begriff „Residenzwohnen" zusammengefasst. „Ein neues Phänomen", wie der Dezernent für Planen und Wohnen, Mike Josef, erläutert. Es sei eine Form der Zweckentfremdung von Wohnraum, der in reinen Wohngegenden gegen das Baurecht und die Ferienwohnsatzung oder das Mietrecht verstoße. Dagegen müsse man vorgehen. Die Miethöhen überschritten eklatant die für Wohnraum bestehenden rechtlichen Regelungen und lägen häufig beim Dreifachen der üblichen Marktmieten. „Das nehmen wir nicht hin und möchten, dass diese Wohnungen wieder dem allgemeinen Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Deshalb gehen wir sofort konsequent dagegen vor. Wir wollen dort Wohnen für Frankfurterinnen und Frankfurter, aber keine Rollkoffer".

Mike Josef ist sich mit seinen Bau - und Planungskollegen andere deutschen Großstädte einig, die ebenfalls eine Professionalisierung in diesem Vermietungssektor bei einer gemeinsamen Tagung in München in den letzten 12 bis 18 Monaten feststellten. Nach Recherchen der Bauaufsicht und dem Amt für Wohnungswesen, Waltraud Meier-Siemel und Simone Zapke, werden solche illegalen Angebote in Frankfurt in rund 3.000 baurechtlich genehmigten Bestands-Wohnungen betrieben. Wohnen und Beherbergen ist bauplanungsrechtlich aber nicht gleichermaßen zulässig.

Der angebotene Wohnraum ist meist mit einfachsten Möbeln ausgestattet und wird dann kurzfristig, meist tage- oder wochenweise, Interessenten überlassen, die früher echte Hotels gebucht haben. Die Nutzer sind vielfältig, das Spektrum reicht von Touristen bis zu Montagearbeitern, die nur für einen kurzen Zeitraum in Frankfurt sind. Durch die erhebliche Nachfrage ist dieses Segment äußerst lukrativ - kein Wunder wenn dafür pro Quadratmeter 35 bis 40 Euro verlangt werden. „Dieses Geschäftsmodell ist schnell expandiert, die Anbieter sind in der Regel organisiert".

Mike Josef legt Wert darauf, dass zwischen der reinen Wohngegend und den Gewerbe - und Mischgebieten unterschieden werde. In den ersteren sind illegale Residenzwohnungen bis auf verschwindend wenige Ausnahmen ganz verboten („Wir bearbeiten klare Fälle"), nicht jedoch bei Gewerbe- und Mischgebieten, wenn dort ein Antrag gestellt werde.

Wie die Bauaufsicht und das Amt für Wohnungswesen den „Sündern" auf die Schliche kommen, wollte man aus ermittlungstechnischen Gründen nicht sagen. Auskünfte gäben das Internet und oder Mieter, die sich über die zu hohen Mieten beklagten - so wurde beiläufig erwähnt. Wichtig sei jedoch , dass der ohnehin äußerst knappe und schützenswerte Wohnraum in Frankfurt nicht durch eine unzulängliche Nutzungsänderung diesem Zweck entzogen werde und in den Händen von Gewerbetreibenden zu rein kommerziellen Ware verkommen", sagte Bau-Stadtrat Josef.

„Ich habe beide städtische Ämter darum gebeten, diesen Fehlnutzungen mit allen verfügbaren Instrumenten entgegen zu treten. Wir haben bereits konkrete Fälle im Blick. Hierbei können gegen einzelne Anbieter nicht nur erhebliche Bußgelder verhängt werden. Möglich ist auch, den bei der illegalen Vermietung erzielten wirtschaftlichen Vorteil abzuschöpfen".

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