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„Kapuzinerplatz“ - Erinnerung an ein Stück Stadtgeschichte

Der Neubau des Stadtplatzes und das Kapuzinerkloster von Königstein

05.09.11 || altKÖNIGSTEIN (05. September 2011) - Seit einigen Monaten laufen die Arbeiten für die Neugestaltung des „Stadtplatzes" in der Stadtmitte gegenüber dem Busbahnhof. Bei Ausschachtungen Ende des vergangenen Jahres wurden dabei Reste der alten Klosterkirche freigelegt. Der Fund erinnert daran, dass der Platz einer der historisch interessantesten Bereiche Königsteins ist - seine Entwicklung und Nutzung veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte und bildet ein wichtiges Stück Stadtgeschichte.

altAusgrabung von Gewölbeteilen, im Hintergrund die Hauptstraße

Die Historie des Stadtplatzes in Königstein


Im Jahr 1646 wurde das Kapuzinerkloster in Königstein im Taunus durch den kurmainzischen Oberamtmann Dietrich von Rosenbach gegründet. Zunächst ließen sich die Mönche in der Königsteiner Altstadt nieder und lebten im ehemaligen Kugelherrenhaus, später dann am Ende der heutigen Kugelherrenstraße im sogenannten „Burghäuslein". Für den Neubau eines Klosters bekamen die Kapuziner im Jahr 1681 ein 11.500 m² großes Gelände vor den Stadtgrenzen zugewiesen. Dort, im „Stechgarten", wurde die Klosteranlage aus unbehauenen Felsstücken aus einem Steinbruch des Falkensteiner Hains errichtet.

Sie bestand aus vier Flügeln. Sie umschlossen den Blumengarten, der von einem Kreuzgang umgeben war. In einem Flügel befand sich im Erdgeschoss das Refektorium, darüber im Obergeschoss die Zellen der Mönche. Der Pförtnerbau mit den Gästezimmern schloss sich als zweiter Flügel an. Zur Hauptstraße hin begrenzte die Mauer des Kreuzganges das Anwesen. Hier waren in einem dritten Flügel ein kleiner Speiseraum für die Armen und die Hauptpforte angesiedelt. Diese lag unmittelbar neben der Klosterkirche, die den vierten Flügel bildete. Im Barockstil erbaut und durch Rundbogenfenster aus rotem Sandstein erhellt, war die Kirche 23 Meter lang und 10 Meter breit. Unter dem Chor der Klosterkirche befand sich eine Gruft - die Kirche war über einem Gewölbekeller erbaut worden. An das Kloster schlossen sich noch der Wirtschaftshof mit Brauhaus und Stallung sowie der ummauerte Klostergarten an.

altCarl Söhngen zeigt mit dieser Skizze, wie die Anlage des Kapuzinerklosters vermutlich aussah.

Am 3. September 1685 wurde das Kapuzinerkloster mit einem großen Volksfest eingeweiht. In Königstein lebten etwa 15 Patres und Brüder. Der bekannteste von ihnen war Pater Martin von Cochem, der viele Schriften verfasste und von 1675 bis 1678 im Königsteiner Kloster lebte. Die Kapuzinermönche übernahmen Gottesdienste und Seelsorge nicht nur in Königstein, sondern auch in den benachbarten Gemeinden, so zum Beispiel in Falkenstein, Mammolshain, Schneidhain und Kronberg.

Die Französische Revolution und die ihr nachfolgenden Kriege führten schließlich zur Aufhebung des Königsteiner Kapuzinerklosters am 17. Februar 1813 durch Herzog Friedrich von Nassau. Zuvor hatte das Kloster bei der Beschießung durch preußische Truppen im Jahr 1792 großen Schaden erlitten, das zerstörte Kirchendach wurde nicht mehr repariert.

Das Anwesen mit Gebäuden und Gärten wurde in Parzellen geteilt und veräußert. Der größte Teil ging an Gottfried Pfaff, der in dem Hauptbau eine Gastwirtschaft einrichtete, aus der das später bekannte „Hotel Pfaff" hervorging. 1918 ersteigerte die Stadt Königstein im Taunus das Anwesen von dem damaligen Besitzer Johann Lemke. Kurz darauf, nach dem Ende des 1. Weltkrieges, wurde das ehemalige Hotel von französischen Besatzungstruppen beschlagnahmt, die hier bis 1924 verblieben. Der Zustand des Gebäudes war derart schlecht, dass 1927 der Abriss beschlossen und im Folgejahr durchgeführt wurde. Seitdem befindet sich an dieser Stelle der innerstädtische Parkplatz. Über dem Gewölbekeller der Klosterkirche wurde in den 30er Jahren eine Tankstelle errichtet, an gleicher Stelle 1976 ein Kiosk. Auch er gehört mittlerweile der Vergangenheit an.

altDas „Hotel Pfaff" war in dem eigentlichen Klostergebäude untergebracht. Links sind noch die Reste der Kirche und des Chores zu erkennen. Die Hotelgäste konnten im ehemaligen Klostergarten promenieren.

Neuplanung des Stadtplatzes


Der Umbau und der Sanierung des Platzes an der Georg-Pingler-Straße und der Hauptstraße ist der erste Schritt zur Umgestaltung des gesamten Bereiches der erweiterten Konrad-Adenauer-Anlage. Die Funktionen der Innenstadt werden durch eine neue, attraktive Möglichkeit der Begegnung und Kommunikation ergänzt und die Hauptstraße als Einkaufsbereich um einen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität erweitert.

Die Umgestaltung des Platzes wurde am 1. Juli 2010 von der Stadtverordnetenversammlung entsprechend einer Skizze beschlossen. Geplant ist, den Stadtplatz im Vergleich zur bisherigen Fläche des Kiosks mit Wartehalle und Brunnen zu vergrößern, so dass der Wochenmarkt und andere Veranstaltungen auf dem Platz stattfinden können. Er wird ebenerdig an die Georg-Pingler-Straße anschließen. Wo derzeit eine Grünfläche den kleinen Parkplatz und den entstehenden Stadtplatz trennt, ist zunächst die Errichtung einer Container-Toilettenanlage geplant. Später ist hier ein Bauwerk denkbar, das neben der Toilette auch andere Funktionen bieten könnte. Auf der Parkplatzseite und an den beiden Flanken entsteht eine Stufenanlage, die in Betonbauweise vorbereitet und mit dunklem Naturstein belegt wird. Der Platz selbst soll, wie vor dem Kurhaus und auf dem Rathausplatz bereits geschehen, mit Naturstein belegt werden.

Auch das Landesamt für Denkmalpflege wurde in die Ausgrabungen eingebunden - schließlich war man auf geschichtsträchtige Gemäuer gestoßen. Bereits in den ersten Terminen stellte sich heraus, dass die Behörde die Entfernung der Reste des alten Kloster-Mauerwerks beim Umbau des Platzes dulden würde, denn der denkmalpflegerische Aspekt blieb durch die Freilegung, Dokumentation und Einmessung der gefundenen Dinge gewahrt.

Der Bau kann nun also wie geplant weiter umgesetzt werden. Abweichend von der ursprünglichen Planung, die als Pflasterung ein Raster aus Basaltsteinen und rötlichem Granit vorsah, wird das alte Mauerwerk auf dem Platz nun optisch hervorgehoben. Dazu soll nach der Dokumentation der Archäologen das Mauerwerk in roten Granit nach und die restlichen Flächen mit Basaltpflaster in Kreisbögen belegt werden.

altAusführungsplan des Kapuzinerplatzes. Bilder und Grafiken Stadt Königstein

Die Namensfindung ist bereits abgeschlossen: Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung am 1. September 2011 entschieden, dem neuen Platz den Namen „Kapuzinerplatz" zu verleihen.

Wer sich aus der Literatur weiter zum Königsteiner Kapuzinerkloster informieren möchte, findet in „Das Königsteiner Kapuzinerkloster", zusammengestellt vom Verein für Heimatkunde e.V. Königstein im Taunus, und „Königstein im Taunus. Geschichte und Kunst" von Beate Großmann-Hofmann und Hans-Curt Köster noch viel mehr Wissenswertes. (dg/stkst)

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