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Zeitgeschichte aus erster Hand - Mauerfall und Wert der Freiheit

Main-Taunus-Gespräche: Früherer Bundesminister Dr. Seiters sprach im Landratsamt - Landrat Cyriax: „Die begeisternde Stunde des Mauerfalls darf nie vergessen werden" von Ralph Delhees

10.11.14 || altMAIN-TAUNUS-KREIS (09. November 2014) - Im Rahmen der „Main-Taunus-Gespräche" kam fast auf den Tag genau der frühere Bundesminister für besondere Aufgaben Dr. Rudolf Seiters*) in das Landratsamtes, wo er vor mehr als 200 Zuhörern an die friedliche Revolution in der DDR und den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren erinnerte. Dr. Seiters, war damals als Mitglied der Bundesregierung an den Vorgängen von 1989 unmittelbar beteiligt und konnte so den Zuhörern „Zeitgeschichte aus erster Hand" vermitteln. Dabei führte er die Besucher in die Tage des Umbruchs im Herbst 1989 zurück, die dann im Jahr darauf (1990) zur deutschen Wiedervereinigung führte. Im Anschluss an den Vortrag nahmen viele Besucher im Parlamentarischen Bereich des Landratsamtes die Möglichkeit war um mit Dr. Seiters persönlich ins Gespräch zu kommen.

Dr. Rudolf Seiters (Mitte) mit Landrat Michael Cyriax (lks.) beim Eintrag ins Goldene Buch des Kreises im Büro des Kreistagsvorsitzenden Wolfgang Männer (rts.).

Eine einmalige geschichtliche Stunde


Am 9. November 1989 hatte die DDR-Regierung dem Druck der friedlichen Revolution nachgegeben und die Grenzübergänge in Berlin geöffnet. 28 Jahre nach ihrer Errichtung fiel die Mauer, ein Symbol des Kalten Krieges und der deutschen Teilung. Weniger als ein Jahr später wurde Deutschland wiedervereinigt. „Wie anderswo im Land und auf der Welt hat der Fall der Mauer damals die Menschen auch im Main-Taunus-Kreis bewegt", erläutert Cyriax. „Der Abend im Landratsamt brachte diese einmalige geschichtliche Stunde zurück." Erinnern sich viele doch noch daran, dass die damaligen Bürger der DDR nun ohne Einschränkungen den sogenannten Westen - über den von der DDR gebauten und gepriesenen „kapitalistischen Grenzwall" - besuchen konnten und in einer Schnellschussaktion gab es von den Städten und Gemeinden für die Besucher aus dem „Osten" 100 Mark Begrüßungsgeld, denn mit der Ostmark konnten sie in der BRD nichts anfangen.

Begeisterte Aufnahme der DDR-Bürger im MTK


Wie Cyriax erläutert, waren die Folgen des Mauerfalls schnell auch im Main-Taunus-Kreis spürbar gewesen. Im Rathaus Hofheim zum Beispiel meldeten sich binnen fünf Tagen 230 Besucher aus der DDR, um Begrüßungsgeld zu empfangen. In vier von der Hoechst AG gecharterten Bussen wurden Besucher aus der DDR nach Sulzbach gebracht, wo sie Einkaufsgutscheine für das MTZ erhielten. In einem Übergangswohnheim in Kelkheim-Ruppertshain kamen rund 90 Übersiedler unter. Das Rote Kreuz rief die Bürger dazu auf, Übernachtungsquartiere anzubieten. In Bad Soden strandeten Reisende mit einem defekten Trabi und wurden von einer dortigen Familie aufgenommen.

Mehrere Städte und Gemeinden schlossen nach der Wiedervereinigung feste Verbindungen mit Kommunen in den neuen Bundesländern: Eppstein mit Schwarza (Thüringen), Liederbach mit Frauenwald (Thüringen), Sulzbach mit Schönheide (Sachsen). Der MTK initiierte ein Projekt „Akademie Main-Taunus" zum Verwaltungsaustausch, das mehrere Jahre lief.

altAuf diesem Bild ist Dr. Seiters im Gespräch mit dem Leiter der Heinrich-von-Kleist-Schule Eschborn, Adnan Shaikh, und Schülern, die vor dem Vortrag eine Videoarbeit zum Thema gezeigt hatten. Fotos (2): mtk

„Dieser Abend schlägt eine Brücke zwischen den Generationen"


Vor dem Vortrag von Dr. Seiters zeigten Projektgruppen der Heinrich-von-Kleist-Schule Eschborn, der Albert-Einstein-Schule Schwalbach und der Eichendorffschule Kelkheim eigene Videoproduktionen zum Thema Teilung und Wiedervereinigung. „Diese Schüler waren noch nicht geboren, als die Mauer fiel", so Cyriax bei der Auftaktveranstaltung. Der Landrat sprach abschließend von einer „lebendigen Geschichtslektion": „Die begeisternde Stunde des Mauerfalls darf nie vergessen werden. Sie zeugt vom Wert der Freiheit" und „dieser Abend schlägt eine Brücke zwischen den Generationen."

*) Dr. Seiters Rudolf war von 1989 bis 1991 Bundesminister für besondere Aufgaben und erlebte als Chef des Bundeskanzleramtes Mauerfall und Wiedervereinigung. 1991 bis 1993 war er Bundesinnenminister; seit 2003 ist er Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

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