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„Schlagzeilen“ aus Schiller-Werken werden in einer literarisch-musikalische Rezitation zu „Schillerlocken“ ausgebreitet

Vor 225 Jahren wurde Friedrich Schiller Ehrenbürger von Frankreich: Zu seinen Ehren und dem 20. Geburtstag der Partnerschaft zu Airaines wird ein Hightlight erwartet - Die Kopie eines alten Schreiben führte zu den „Schillerlocken"            von Ralph Delhees

12.06.17 || altaltaltKRIFTEL (10. Juni 2017) - Nach dem „Obstlerspaziergang" im vergangenen Jahr geht die Obstbaugemeinde des Main-Taunus-Kreises jetzt zur „Schillerlocke" über. Keineswegs handelt es sich hier um die wohlbekannte Schillerlocke, dem geräucherten Bauchlappen des Dornhais bzw. um die süßen Schaumrollen aus Blätterteig, sondern um eine literarisch-musikalischen Rezitation zur Erinnerung an die Verleihung der Ehrenbürgerschaft Frankreichs an den Dichter Friedrich Schiller vor 225 Jahren, die sich wunderbar in die Feiern zum 20-jährigen der Partnerschaft zwischen Kriftel und Airaines einpasst. Nach den Erfolgen des „Heliand" 2012 und 2013,, Faust I 2014 , Faust II mit dem Osterspaziergang 2015 und dem Obstlerspaziergang 2016 wird es am Sonntag, 25. Juni, im Rathaus-Foyer ab 17 Uhr um Johann Christoph Friedrich Schiller (1759-1805) unter dem Titel: „Schillerlocken" gehen. Zum vierten Mal in Folge laden das Musikforum und die Gemeinde Kriftel Bürger und Besucher ins Rat- und Bürgerhaus zu einer literarisch-musikalischen Rezitation mit dem Journalisten Wilhelm Meyer) ein.

Das gerahmte Ölbild (oben rechts) auf Leinwand zeigt Friedrich Schiller und wurde 1805/06 von Johann Friedrich Tischbein geschaffen. Es ist in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek zu sehen. Foto: Ralph Delhees

Der Leiter des Musikforums Kriftel, Dietmar Vollmert, hat erneut ein passendes Musikprogramm für diese Soirée aufgestellt. Friederike Wiesner wird am Flügel spielen. Als Gesangsolisten treten auf: Britta Stegmann, Selina Post und Carsten Vollmert. Werke von Beethoven, Schubert, Rossini und Verdi wurden einstudiert. Am Ende sind alle Besucher eingeladen, in die „Europahymne" einzustimmen.

An der Seite von Friedrich Schiller spaziert Johann Wolfgang Goethe (rechts) mit ihm durch Jena

Bürgermeister Christian Seitz wird die Gäste begrüßen und sie inhaltlich auf die Rezitation einstimmen. Er selbst ist als Schauspieler mit dabei und tritt als der „willig-unwillige" Dr. Wagner an der Seite „Goethes" auf. In drei Sketchen wird launigen Akzente setzen. Schon vorab betonte Bürgermeister Seitz: „Wir feiern dieses Jubiläum heute auch mit Blick auf unsere Partnerstadt Airaines im Norden Frankreichs und in Anbetracht des 20-jährigen Bestehens des Partnerschaftsvereins Kriftel-Airaines. Die in Airaines werden staunen, wenn sie aus Kriftel erfahren, dass unser Schiller seit 1792 auch ihr ideeller Mitbürger ist. Diese Tatsache ist im Lauf der Zeit fast in Vergessenheit geraten".

Quer durch Schillerwerke


Zur Rezitation hat der Journalist Wilhelm Meyer Gedichte ausgewählt: „Schlagzeilen" aus Schiller-Werken werden als „Schillerlocken" ausgebreitet, Auszüge aus Balladen sowie aus den Dramen „Wilhelm Tell", „Die Braut von Messina", „Johanna von Orleans", „Wallenstein" und „Don Carlos" mit dem Helden und Malteserritter Marquis von Posa, der vom spanischen Regenten Philipp II. die „Gedankenfreiheit" fordert.

Der Eintritt ist frei, Weine und Gebäck (auch „Schillerlocken") werden auf den dekorierten Tischen stehen. Spenden für die Bürgerstiftung Kriftel werden erbeten.

Die Bezeichnung Schillerlocke geht auf das von Anton Graff zwischen 1786 und 1791 geschaffene Porträt von Friedrich Schiller zurück (links im Bild). Das Porträt zeigt Friedrich Schiller mit seiner blonden Lockenpracht in relativ lässiger Pose an einem Tisch sitzend. Dieses Porträt, das sich heute im Kügelgenhaus in Dresden befindet, wurde oft kopiert und fand auch große Verbreitung als Kupferstich, was die Entstehung der Namensgebung der Schillerlocke in der Öffentlichkeit zur Folge hatte.
Viel deutlicher als in Graffs Porträt zeigen sich die Locken Schillers in anderen Porträts, zum Beispiel in der Büste
(rechts im Bild) von Johann Heinrich Dannecker  aus dem Jahr 1806

Eine Fundsache - Danton unterschrieb die Urkunde für „le sieur Gillé" -„ publiciste Allemand"

Die große Liebe zur Sprache und Literatur führte den Journalisten Wilhelm Meyer im vergangenen Jahr beim Schmökern in seinem Bücherregal auf etwas Besonderem. Quasi buchstäblich fiel im ein Blatt in die Hand, welches er zuerst verruchte einzuordnen, doch dann dämmerte es ihm irgendwo vor Jahren kam diese Kopie einer Urkunde in seinem Besitz. Meyer versuchte nun eine Entschlüsselung des französischen Textes. Verblüfft stellte er fest, dass er ein altBegleitschreiben einer Urkunde vom 10. Oktober 1792 in den Händen hielt. Dieses Schreiben (nebenstehend ) war an Friedrich Schiller gerichtet, indem stand, dass er mit der beiliegenden Urkunde zum Bürger Frankreichs - mit dem Titel „le membre de'Assemblée Nationale" („citoyen Francais") - der französischen Republik ernannt wurde. Wie sich dann bei weiterer Recherche herausstellte wurde die Ehrenbürgerschaft auf Lebenszeit und vererbbar für „le sieur Gillé" -„ publiciste Allemand". unterschrieben von dem Politiker und Revolutionär Georges Danton.

Wilhelm Meyer rechnete nun und stellt fest, dass genau vor 214 Jahren Friedrich Schiller die Ehrenbürgerschaft Frankreichs angetragen bekam und sie auch annahm. Ihm kam in den Sinn, dass Kriftel 2017 sein 20-jähriges Städtepartnerschaftsbestehen mit der französischen Stadt Airaines begeht und die geplanten Feierlichkeiten zum 225-Jubiläum der Ehrenbürgerschaft Schillers hier mit gefeiert werden könnten. Nach einer Besprechung mit Bürgermeister Seitz und Erstem Beigeordneten Jirasek wurde der Vorschlag Wilhelm Meyers angenommen eine literarisch-musikalischen Rezitation um Johann Christoph Friedrich Schiller unter dem wohlklingendem Titel: „Schillerlocken" im Juni durchzuführen, die im Oktober in Airaines in französicher Sprache wiederholt werden soll.

Das Dichter Schiller in diesem Jahr 225 Jahre „Bürger von Frankreich" und der Partnerschaftsverein Kriftel-Airaines  das 20-jährige feiert, passt doch beides gut zusammen, schätze Wilhelm Meyer sofort richtig ein und daraus wurde aus der Fundsache und einer Idee die literarisch-musikalischen Rezitations-Veranstaltung am 25. Juni.

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Weshalb Schiller heute?


Mit Blick auf die Französische Revolution (1789) und ihre Folgejahre beantragte am 25. August 1792 ein Abgeordneter der Französischen Nationalversammlung, „dass Herr Schiller, deutscher Publizist, in die Liste derer einbezogen sein soll, denen die Versammlung soeben den Titel von französischen Bürgern zuerkannt hat". Dieser Antrag wird angenommen - und „zu Urkund mit dem Staatssiegel versehen".

Finanzminister Etienne Clavière (Girondist), am 2. Juni 1793 unter Hausarrest gestellt, unterzeichnet für den provisorischen Exekutivrat. George Jacques Danton (1759-1794), französischer Revolutionär, von Robespierre 1794 geköpft, zeichnet gegen. Das Staatssiegel wird gesetzt, „beglaubigt als übereinstimmend mit dem Original".

Am 10. Oktober 1792 wandte sich der Minister des Inneren der Französischen Republik, Jean Marie Roland de la Platière, mit einem Brief an „Herrn Schiller". Er informiert ihn über das „Gesetz über die Verleihung des Titels eines französischen Bürgers an mehrere Ausländer vom 26. August 1792, dem „vierten Jahr der Freiheit".

„Mut zur Sache der Freiheit"


Den Titel erhielten „Männer, welche durch ihre Schriften und ihren Mut der Sache der Freiheit gedient und die Befreiung der Völker vorbereitet haben, nicht als Fremde betrachtet werden können von einer Nation, deren Aufklärung und Mut ihr die Freiheit gebracht haben".

Der Titel erging an jenem Tag auch an Joachim Heinrich Campe (1746-1818), Pädagoge, Schriftsteller und Verleger, an Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), Schweizer Volkserzieher, Sozialpädagoge, an Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), bedeutender deutscher Volksdichter, und George Washington (1732-1799), Erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (1789-1796).

Und noch mehr an Informationen zu Schiller in Wort und Bild in der Galerie


Nachfolgend hat die Redaktion eine Text- und Bildgalerie zusammengestellt, in der u.a. Auszüge aus der Rede von Bürgermeister Christian Seitz zum Jubiläums-Auftritt für Schiller und eine Übersetzung der Rede in französischer Sprache. Die Übersetzung hat dem RheinMainTaunus-Onlinemagazin freundlicherweise die Übersetzerin Frau Giesela Lincke zur Verfügung gestellt.

Auch einige Bilder mit und um Schiller, sowie Auszüge aus den Texten die während der Rezitation vorgetragen werden finden unsere Leser in der Galerie.                                                                               
Ihre RMTOM-Redaktion


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Die Marmorbüste Schillers in der Herzogin Amalia Bibliothek, auf dem Sockel sind Gothes-Abschiedsworte an seinen Freund eingemeiselt. Das Bild rechts zeigt das berühmte Goethe/Schiller Denkmal vor dem Schauspielhaus in Weimar. Fotos (2): Ralph Delhees

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