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Goldener Apfel ging nach Friedrichsdorf und Allendorf

Schwere Entscheidung: Zwei von 21 machten sich um den Schutz der Streuobstwiesen und deren Produkte besonders verdient - Preisverleihung auf dem Frankfurter Apfelweinfestival           von Ralph Delhees

16.08.17 || altFRANKFURT (16. August 2017) - Zwei von 21 Bewerbern wurden am gestrigen Dienstag auf dem Rossmarkt in Frankfurt im Rahmen des Apfelweinfestivals Hessens als beste Streuobstwiesen-Schützer mit dem Goldenen Apfel ausgezeichnet. Alle Bewerber haben eines gemeinsam Obstbäume pflanzen, Baumschnitte anbieten, Bienen, Steinkäuzen und anderen auf der Streuobstwiese lebenden Tieren einen Lebensraum schaffen. Die Jury, so wusste Frankfurts Stadtrat Stefan Majer zu berichten, hatte es bei ihrer Entscheidung nicht leicht, da eine Bewerbung interessanter war als die andere und so gingen dieses mal, wie 2014, wieder zwei Sieger aus dem Auswahlprozess hervor. Es handelt sich um die Arbeitsgruppe Landschaftsschutz Friedrichsdorf sowie der Streuobstwiesenbesitzer Jochen Stoos aus Allendorf (Lumda). „Die diesjährigen Gewinner überzeugten die Jury vor allem mit Vielfalt, Nachhaltigkeit und Sachverstand, mit dem sie sich um die hessischen Streuobstwiesen bemühen", sagte Stadtrat Majer bei der Preisverleihung.

altDie Gewinner des Goldenen Apfels zusammen mit Stadtrat Stefan Majer: Jochen Stoos (links) und Helmut Fremerey, Sprecher der AG Landschaftsschutz Friedrichsdorf

Stadtrat Stefan Majer überrechte ihnen für ihre Verdienste rund um die hessischen Streuobstwiesen den Goldenen Apfel - das Symbol für besondere Verdienste um den Schutz und die Pflege der hessischen Streuobstwiesen. Das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro teilten sich die Gewinner; den Betrag werden sie in ihr Engagement für die hessischen Streuobstwiesen einfließen lassen. Verliehen wird der Goldene Apfel seit 2007 von der Naturschutz-Akademie Hessen, der MGH GUTES AUS HESSEN GmbH sowie dem Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien e. V.

Die Gruppe bringt in ihre Arbeit den naturpädagogische Aspekt ein


Die Arbeitsgruppe Landschaftsschutz ist aus der Lokalen Agenda 21 in Friedrichsdorf hervorgegangen. Neben ihrem erklärten Ziel, die hessischen Streuobstwiesen zu erhalten und zu pflegen, ist es vor allem das Projekt „Apfeltag", mit dem es der Gruppe gelungen ist, die Bedeutung des heimischen Obstes wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rücken und mit dem Friedrichsdorfer Apfelsaft ein Produkt der lokalen Identifikation zu schaffen. Beeindruckt hat die sechsköpfige Jury, bestehend aus Vertretern der Initiatoren des Goldenen Apfels, auch der naturpädagogische Aspekt, den die Gruppe in ihre Arbeit einbringt: Indem sie Grundschulen in das Projekt einbezieht, hat sich ein wichtiger pädagogischer Baustein an den Schulen etabliert, der den Schülerinnen und Schülern Verständnis für die Natur vermittelt.

Augenmerk gilt besonders den hessischen Lokalsorten


Sieger Jochen Stoos ist Eigentümer und ausgemachter Liebhaber von Streuobstwiesen. In der Gemarkung der Stadt Allendorf (Lumda) pflegt er rund 220 Obstbäume, etwa 100 Jungbäume und 120 Altbestände. 70 verschiedene Apfelsorten vereinen sich in diesem Bestand. Zudem hat er in den vergangenen acht Jahren rund 170 Bäume mit vorwiegend alten Obstsorten gepflanzt, zumeist auf eigenen Grundstücken. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei den hessischen Lokalsorten. Seit 20 Jahren ist er aktiv im Baumschnitt und im Keltern von Säften tätig und ist Anlaufstelle für Ratsuchende, wenn es um Neuanpflanzungen geht.

Streuobstwiesen ein wertvolles Kulturgut


„Der Goldene Apfel hat sich als eine begehrte Auszeichnung etabliert", freute sich Peter Klingmann, Geschäftsführer der MGH GUTES AUS HESSEN GmbH. „Die Resonanz ist in den vergangenen fünf Jahren stetig gewachsen. Waren es zu Beginn der Ausschreibung acht Bewerbungen, haben wir inzwischen jährlich mehr als 20 Bewerbungen, von Privatpersonen und Streuobstwiesenbesitzern ebenso wie von Schulklassen, Vereinigungen, Gemeinden und Tierschutzorganisationen".

altAlbert Langsdorf von der Naturschutz-Akademie Hessen, Jochen Stoos aus Allendorf, Stadtrat Stefan Majer, Helmut Fremerey, Peter Klingmann von der MGH GUTES AUS HESSEN und Martin Heil vom Apfelweinverband. Fotos (2): bc

Besonders betonte Peter Klingmann, dass die Streuobstwiesen ein wertvolles Kulturgut - aus ökologischer sowie historischer Sicht - seien. Sie verdienen daher einen besonderen Schutz, für den sich zahlreiche Streuobstwiesenbesitzer, aber auch Verbände und Initiativen engagieren. Sie investieren viel Zeit und Mühe in den Erhalt und die Pflege dieser Wiesen.

„Streuobstwiesenschutz ist aktuell und präsenter denn je", stellte Albert Langsdorf, Leiter der Naturschutz-Akademie Hessen, fest. „Das ist auch enorm wichtig, denn unsere Streuobstwiesen bieten Lebensraum für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten und sind damit wertvolle Biotope." Auch Stadtrat Majer betonte in seiner Laudatio die große Bedeutung der Streuobstwiesen: „Die Streuobstwiesen verdienen als wertvolle Biotope Hessens besonderen Schutz. Die Wiesen prägen weite Teile unseres hiesigen Landschaftsbildes. Sie können aber nur langfristig erhalten werden, wenn eine sinnvolle Nutzung des Obstes gewährleistet wird und ein Bewusstsein und Akzeptanz in der Bevölkerung für die heimischen Obstwiesen geschaffen wird."

Jedes Jahr bleiben auf hessischen Streuobstwiesen wertvolle Naturalien ungenutzt


„Unter dem Motto „Äpfel gehören ins Glas!" rufen wir Streuobstwiesenbesitzer dazu auf, mitzuhelfen, möglichst alle der heimischen Streuobstwiesenäpfel zu Apfelwein und Apfelsaft zu verarbeiten. Wer seine Äpfel zum richtigen Zeitpunkt erntet und zur Kelterei bringt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiese", erläuterte Martin Heil, Vorsitzender des Verbandes der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien e.V.

Stadt huldigt ihrem „Frankfurter Nationalgetränk" noch bis Sonntag


Das Apfelweinfestival 2017 auf dem Frankfurter Rossmarkt dauert noch bis Sonntag, 20. August. Hier können Besucher eine Vielzahl bester hessischer Spezialitäten genießen und sich an einem Stand auch über die hessische Streuobstwiese informieren. Im Vordergrund steht den zahlreichen Gästen der Stadt die Gelegenheit, das Frankfurter Nationalgetränk gemeinsam zu genießen

altBei der Eröffnung des Apfelweinfestivals alle Beteiligten von links: Volker Thoma, Geschäftsführer von Rapp's, Thomas Feda, Geschäftsführer der TCF, Martin Heil, Geschäftsführer der Kelterei Heil, Alexander Nöll, Geschäftsführer der Kelterei Nöll, Günter Possmann, Seniorchef Kelterei Possmann. Im Vordergrund: OB Peter Feldmann. Foto:kus/Bernd Kammerer

Gemeinsam mit Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus+Congress GmbH Frankfurt, die das Festival veranstaltet, und Martin Heil, Vorsitzender des Verbandes der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien, hat Oberbürgermeister Peter Feldmann am vergangenen Freitag das Apfelweinfestival auf dem Roßmarkt eröffnet.

„In keiner anderen Stadt ist der Apfelwein so eng mit der Identität und dem Lebensgefühl der Menschen verbunden wie in Frankfurt. Apfelwein gehört zum kulturellen Erbe unserer Stadt und ist ein unschätzbarer Imageträger für Frankfurt und die Region", sagte der Oberbürgermeister.

Auch in der nun bereits siebten Auflage des beliebten Festivals können die Besucher die hessische Apfelweinkultur in voller Vielfalt entdecken. Keltereien der Region präsentieren ihre Produkte, darunter klassische Apfelweine und Premiumprodukte wie Seccos, Rosés oder trendige Cocktails. Passend dazu werden zahlreiche regionale Köstlichkeiten angeboten.

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