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Nach zehn Jahren ist Frankfurts neues Historische Museum fertig

Dr. Gerschow: "Vom Fachmuseum zum Stadtmuseum des 21. Jahrhunderts" - Ungewöhnliche Ausstellungen und Neuheiten - Das größten Stadtmuseen Europas öffnet am Samstag           von Karl-Heinz Stier

06.10.17 || altFRANKFURT (05. Oktober 2017) - Zehn Jahre hat das Museum bis zu seiner endgültigen Fertigstellung gebraucht, jetzt ist mit der Eröffnung des Ausstellungshauses das neue Historische Museum wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Wandel vom Fachmuseum für Geschichte zum modernen Stadtmuseum findet seinen sichtbaren Ausdruck im Museumsquartier mit den drei großen Ausstellungen „Frankfurt Einst" zur Stadtgeschichte und „Frankfurt Jetzt!". Zur Erkundung der Gegenwart und Zukunft der Stadt. „Mit der Erneuerung wird die Idee des Museumsufers am nördlichen Mainufer konzeptionell und baulich weiterentwickelt. „Nach Abschluss der Arbeiten gehört das Historische Museum zu den größten Stadtmuseen Europas", sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig bei der offiziellen Eröffnung.

altBlick auf die neuen Bauten des Historische Museum mit Freitreppe,in der Mitte des Platzes steht ein Periskop aus Messing und lenkt den Blick in das Untergeschoss zur Schneekugel. Rechts der Eingangsbereich und links sind Statuen in die Nischen gestellt, die die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges überstanden

altaltZahlen zum Neubau und rechts Dr. Jan Gerschow bei seinen Erläuterungen zum neuen Konzept des Historischen Museum Frankfurt

Museumsdirektor Dr. Jan Gerschow wird nicht müde, die Statistik heranzuziehen: „Auf 4.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche gibt es nicht weniger als sechs große und kleine Dauerausstellungen, 4.000 Objekte sind zu sehen, die Texttafeln umfassen 73.500 Wörter. Es ist ein Museum für die Leute", beteuerte er. Die Gesamtkosten bezifferte er auf über 53 Millionen Euro.

altDer Stauferhafen aus dem 12.Jahrhundert mit der staufischen Kai- bzw. lichHofmauer, der Steinpflasterung und dem Eichenholz direkt aum staufischen Mainufe, das Wasser ist heute Grundwasser. Rechts der neugestaltete sogenannte historische Garten mit Blick auf den Stauferbau

Ein Objekt, das nicht in die Kosten eingeplant war: der Stauferhafen. Es ist eine Anlage, die bei den Bauarbeiten entdeckt wurde, die Gesamtkosten um etwa 3 Millionen Euro verteuerte und den Einweihungstermin hinauszog. Doch die Verteuerung lohnte sich. Der Stauferhafen zeigt eine Anlegestelle für Personenschiffe. Sie hat sich erhalten, weil nach 1333 eine Stadterweiterung stattfand. Der Kai wurde damals zugeschüttet und so bis Juni 2012 geschützt, als sie beim Ausheben der Baugrube gefunden wurde. Ein Holzbalken konnte über seine Holzringe das genaue Alter bestimmen. Gebaut wurde der Hafen vermutlich zugleich mit der Pfalz der staufischen Könige in der zweiten Hälfte des 12.Jahrhunderts. Obwohl es im hochmittelalterlichen Europa viele Flusshäfen mit Kai-Anlagen gegeben haben muss, ist dies die einzige bekannte, in ihrer Originalsubstanz errhaltene Anlage.

altDie Schneekugel zeigt im Wechselt acht unterschiedliche Gesichter Frankfurts, Hier die Hochhausszene. Links im Bild die Europäische Zentralbank (EZB)

altaltDie Bürgerstadt in „Frankfurt EINST!", hier sind auch Bürgerportraits der Bürgergesellschaft zu finden

Ein weiteres sehenswertes neues Objekt ist die große Schneekugel , die „typisch Frankfurt" zeigt. Es gibt Antworten auf die Fragen, wo bin ich hier, was unterscheidet Frankfurt von anderen Städten? Acht von Künstlern gestaltete Modelle zeigen die sehr unterschiedlichen Gesichter der Mainmetropole. In die Modelle integriert wurden Szenen von prägenden Ereignissen, von Katastrophen und Glücksfällen. Die Besucher können selbst wählen, welches Modell sie sehen wollen. Ein unter der Schneekugel verborgener Roboter erfüllt den Besucherwunsch und hebt das entsprechende Modell von unten in das Innere der Kugel. Multimedia-Projektionen auf den umgebenden runden Wänden der Schneekugel lassen die Besucher in die Themen der Stadt eintauchen. Gemeinsam mit der Präsentation des Stauferhafens erhalten Frankfurt- Interessierte in kurzer Zeit Einblicke in das Wesen der Stadt.

Der Merianstadtplan von 1628 wurde plastischin 3-D herausgearbeitete

Weiter geht es in das Ausstellungshaus Ebene 1 und 2. Hier wird auf 2.000 qm in fünf Galerien Frankfurter Stadtgeschichte untersucht. Die Ausstellung ist gegliedert nach den Eigenschaften, die Frankfurt prägten und bis heute prägen. So sind in der Galerie Stadtbilder die Entwicklung Frankfurts von den Vogelschauplänen der Renaissance bis zum Hochhausrahmenplan von 2008 zu betrachten, in 100x Frankfurt zeigt ein Zeitstrahl tausend Jahre Stadtgeschichte, in der Galerie Bürgerstadt erfahren die Besucher, wer Teil hat an den wesentlichen Entscheidungsprozessen. In Frankfurt waren das immer Bürger/innen, anders als in Städten, die von Fürsten regiert wurden. In der Galerie Geldstadt wird die wechselvolle Gesichte Frankfurts als Messeplatz des Reiches bis zum modernen Finanzplatz ausgestellt, und in der Galerie Weltstadt die Rolle Frankfurts als Zentralort der deutschen Geschichte, europäischer Verkehrsknotenpunkt und Kommunikationszentrum veranschaulicht.

altEin Ausschnitt aus dem ungewöhnliche Stadtmodell in „Frankfurt JETZT! Es zeigt rechts das Gleisfeld am Hauptbahnhof, die Hochhäuser der Stadt und einen Blick in das Westend

Schließlich erwartet die Besucher in Ebene 3 des Ausstellungshauses „Frankfurt Jetzt!" Hier geht es um das Frankfurt der Gegenwart, das zusammen mit Frankfurter/innen erforscht wird. Das Frankfurt-Modell zeigt Stadt so, wie sie von den Bewohnern beschrieben wurde. Die Vielfalt der Stadtteile und die Wahrnehmung der Stadt stehen im Mittelpunkt des Frankfurt-Modells. Es ist 70 qm groß und sieht von Ferne so aus wie eines der üblichen Stadtplanungsmodelle. Je näher man ihm kommt, desto mehr erkennt man seine ungewöhnliche Qualität.

altaltRund 180 Schliessfächer befinden sich im Untergeschoss, die alle historischen Jahreszahlen haben und im Inneren befindet sich dann der Hinweis auf das Datum. Sehr übersichtlich ist auch die Wegweisung durch das Haus. Fotos (13): Ralph Delhees

Weitere Infos -auch zu Veranstaltungen - unter www.historisches-museum-frankfurt.de

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