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Goetheturm wird wieder als Holzturm aufgebaut

Kosten liegen zwischen ein und zwei Millionen Euro - Geplante Fertigstellung Sommer 2019 - Was übrig blieb vom Turm ging ins Historische Museum           von Karl-Heinz Stier und Ralph Delhees

03.11.17 || altaltFRANKFURT (03. November 2017) - Die Frage, ob der vor 14 Tage bei einer Brandstiftung anheimgefallene Goethe-Aussichtsturm orginalgetreu oder gänzlich neu wieder aufgebaut werden soll, hat nicht nur die politischen Gemüter sondern auch die Bevölkerung Frankfurts stark bewegt. Doch eine Online-Umfrage der Stadt Frankfurt hat ein eindeutiges Ergebnis gebracht: Nicht nur war die Resonanz auf die Befragung sehr groß - über 47.000 Stimmen wurden abgegeben - auch die Auswertung war eindeutig. 78 Prozent der Voten (36.688) plädierten für den möglichst originalgetreuen Wiederaufbau, 22 Prozent wollten eine neue Bauweise.

Bei einer Pressekonferenz vor den kümmerlichen Resten des niedergebrannten beliebten Ausflugsziel versicherten Baudezernent Jan Schneider und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, dem Bürgerwunsch nachkommen zu wollen. Sie teilten beide mit, dass es im Vorfeld bereits Abstimmungsgespräche auf Arbeitsebene in der Stadtverwaltung gegeben habe. Bei denen wurde von der Bauaufsicht signalisiert, dass sie einen möglichst originaltreuen Wiederaufbau positiv begleiten würde. Solange sich an der Größe der Plattform, ihrem Charakter als offener Aussichtspunkt nichts Wesentliches ändern würde, stünden bezüglich der Genehmigungsfähigkeit keine Bedenken.

Der Goetheturm mit Weihnachtsmarkt im Dezember 2012 . Foto: RMTOM-Archiv/Ralph Delhees

Stadträtin Heilig wies darauf hin ("der Goetheturm fehlt uns"), dass in vielen Zuschriften und mails die emotionale Beziehung der Bevölkerung zu dem Wahrzeichen Frankfurts deutlich wurde - und das quer durch alle Altersgruppen. Stadtrat Schneider listete auf, das bis zum Niederbrand 530.000 Euro für die Instandsetzung ausgegeben wurden. Er sprach sich dennoch für eine Holzkonstruktion aus. Lediglich die Verbindungsknoten, denen die Witterung in der Vergangenheit besonders zugesetzt hat, sollten beim Wiederaufbau unempfindlicher („technisch optimiert") ausgeführt werden. Das gelte für die Schichtung der Hölzer und die Materialauswahl. Ansonsten sei das Gebäude gut dokumentiert worden.

altOpen-Air-Pressekonferenz vor den Rudimenten des Turms mit v.l.n.r.: mit Stadträtin Rosemarie Heilig und Stadtrat Jan Schneider

Bis dato sind aus Spenden der Bevölkerung und Zuwendungen 75.000 Euro eingegangen. „Die Versicherung wird glücklicherweise für einen Neubau in gleicher Art und Güte wie es das alte Gebäude darstellte, aufkommen", meinte die Stadträtin. Für die Planung habe das Grünflächenamt bereits 90.000 Euro bereitgestellt, sodass das Amt für Bau und Immobilien zügig starten kann", ergänzte sie. Jan Schneider wies darauf hin, dass sein Amt dabei sei, die Planungen für den Wiederaufbau vorzubereiten. Zugleich seien auch Gespräche mit der Versicherung vorgesehen. Ein Neubau werde ein gutes Jahr dauern. „Im Frühjahr wird das OK für den Start geben, im Sommer 2019 rechnen wir mit der Einweihung".

altIm Herbstlicht die abgebrannten Reste des Goetheturms, nachdem der Brandschutt beseitigt wurde. Fotos (2): Karl-Heinz Stier

Was die Gesamtkosten des Neubaus angeht, so wollten sich beide Dezernenten nicht festlegen. Während Stadträtin Rosemarie Heilig von einer Million Euro sprach, geht Stadtrat Schneider eher davon aus, dass man sich vielleicht eher der zwei Millionen-Grenze nähern werde.

altFernrohr und geschmolzene Münzen fürs Historische Museum


altAusschnitt aus dem neuen Stadtmodell des niederländischen Künstlers Herman Helle im hmf. Es zeigt einen Blick von Sachsenhausen zum neuen Henninger Turm und dahinter der Goetheturm im Stadtwald. Foto: Ralph Delhees

Vor dem neuen Stadtmodell und zugewandt zum dort noch stehenden Goetheturm überreichte am Mittwoch im Historischen Museum Frankfurt (hmf) Umweltschutzdezernentin Rosemarie Heilig dem Direktor des Museums, Jan Gerschow, aus dem Schutt des abgebrannten Goetheturms geborgene Teile. Dies sind das alte Goetheturm-Fernrohrs‘ und vom Feuer gezeichnete und angeschmolzene Münzen aus 50 Jahren.

Tausende von kleinen und großen Besuchern schauten über 50 Jahre lang ganz oben auf dem Goetheturm durch das beliebte Fernrohr über den Stadtwald Richtung Frankfurt. Bei der Spurensicherung hat die Kriminalpolizei ein großes Teil des Fernrohrs sichergestellt und eine größeren Sammlung teilweise zu einem Klumpen geschmolzener Münzen aus rund 50 Jahren. Darunter auch europäische Münzen vor der Einführung des Euro und sonstige Währung aus mancher Herren Länder, welche die Turmbesteiger in einen Schlitz am Stativ einwarfen. Fernrohr und Münzen kommen erst einmal in das Archiv des Historischen Museums und werden demnächst als ein Stück Stadtgeschichte im Im Bereich "Frankfurt Jetzt!" in der dritten Etage ihren Platz finden. Hier werden die aktuellen Tendenzen und Positionen Frankfurts behandelt und ausgestellt.  Nur wenige Meter entfernt von dem riesigen Stadtmodell des niederländischen Künstlers Herman Helle wird das Fernrohr seinen Standplatz bekommen.

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