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Stille in den Weinbergen - aber nicht bei den Winzern

Winzerehrung - Generationswechsel - Weinberge vor 100 Jahren in desolatem Zustand - Mumm und der Jahrhundertwein           von Ralph Delhees

26.02.18 || altOBERER- und UNTERER RHEINGAU (26. Februar 2018) - In den Weinbergen ist das Ausholzen in vollem Gang, das Weinbaumuseum in Hochheim lockt mit interessanten Veranstaltungen jeden Monat, die Glühweinwanderung „Go and Glow" am letzten Wochenende im Weindorf Hallgarten mit der Kultur- und Weinbotschafterin Yvonne Bug fand großen Anklang. Bis zu den Rheingauer Schlemmerwochen, die vom 27. April bis zum 6. Mai stattfinden - sind noch zwei Monate Zeit. Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax hatte vergangene Woche die alljährliche Winzerehrung im

altRömerkeller des Landratsamtes in Hofheim vorgenommen. Geehrt wurden die Erfolge der Winzer aus Flörsheim und Hochheim bei der Hessischen Landeswein- und -Sektprämiierung 2017. Vergeben wurden  im Herbst 286 Medaillen an die Winzer des MTK. Ein Generationswechsel gab es jetzt mit Peter Flick im Winzerverein Wicker. Die über Jahrzehnte erfolgreiche Vorstandsarbeit von Wilhelm Hück und Reiner Flick wurden bei der Jahreshauptversammlung gewürdigt. Zum Schluss des Beitrages neuer Vorstand bei den Rebenveredlern und noch etwas Erheiterndes aus dem Jahrbuch 2018 des Rheingau-Taunus-Kreises über das „Weintrinken" und die „Mumm's".

Das obige Bild entstand bei winterlichen Weinbergarbeiten bei Hallgarten. Foto: Rheingau-Taunus Kultur & Tourismus GmbH/Yvonne Bug

altLandrat dankte Winzern für ihre Leistungen und die erworbenen Medaillen


Für ihre Erfolge bei der Hessischen Landeswein- und -sektprämierung *) wurden Winzer aus Flörsheim und Hochheim geehrt. Bei der Winzerehrung im Landratsamt des Main-Taunus-Kreises kamen zahlreiche Preisträger sowie ihre Familien neben der Ehrung auch zum Gedankenaustausch zusammen, wie Landrat Michael Cyriax mitteilt. Insgesamt errungen die Betriebe 286 Preismünzen; die Winzer Gunter Künstler aus Hochheim und Rainer Flick aus Flörsheim erhielten zudem die Staatsehrenplakette. Zum Landessieger wurden Martin Mitter aus Hochheim und Peter Flick aus Flörsheim ernannt.

altDas Bild zeigt links (kleines Bild) Landrat Michael Cyriax bei der Begrüßung der Gäste während der Winzerehrung, an der neben den Winzern aus Hochheim und Flörsheim auch Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt teilnahm. Die beiden großen Bilder zeigen die geehrten Winzer beim Winzerschmaus im Römerkeller des Landratsamtes in Hofheim. Fotos: MTK-Pressestelle/Collage Ralph Delhees

„Weinanbau ist nicht nur kulinarisch ein Genuss, die Weinberge tragen auch maßgeblich zur Schönheit der Landschaft im Main-Taunus-Kreis bei", so Cyriax. Wein und Sekt des MTK sei über die Region hinaus bekannt und werde sehr geschätzt. Die Preismünzen und Auszeichnungen verteilen sich in Summe auf 22 Weingüter des MTK. Die Winzer aus Hochheim sind: Uwe Schreiber, Gunter Künstler, Uwe Diefenhard, Heinrich Baison, Franz Werner Michel (Domdechant Werner'sches Weingut), Michael Hück, Martin Mitter, Pia Rosenkranz (Rebenhof), Josef Schäfer, Armin Rupp (Stadt Frankfurt), Thorsten Dienst (Dorotheenhof), Franz Josef Petry (Lindenhof), Hans-Walter Singer und Otto Völker.

Aus Flörsheim wurden geehrt: Reiner Flick, Franz-Josef Kopp, Ralf Langer, Alexander Venino, Franz-Josef Venino, Hans-Jörg Venino, Sören Venino und Peter Flick.

*) Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag vom 11. Oktober 2017 in dem die prämierten Winzer aus dem Oberen und Unteren Rheingau mit ihren Auszeichnungen benannt sind: „Hessischen Winzer beherrschen ihr Handwerk und bauen hervorragende Weine aus - ...". Zu finden unter dem nachstehenden Link:
http://rmt-magazin.de/lifestyle/essen-a-trinken/4584-dreimal-geht-staatspreis-an-eltviller-weingueter-leseertrag-2017-geringer-als-letztes-jahr-von-karl-heinz-stierhtml

altNach Wilhelm Hück folgt der Generationswechsel im Winzerverein Wicker


Ebenfalls in der vergangenen Woche wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Winzervereins Wicker mit Peter Flick als Erstem Vorsitzenden ein Generationswechsel vollzogen. Viele neuen Ideen hatte der bisherige Erste Vorsitzende Wilhelm Hück in seiner 13-jährigenrigen Amtszeit und bereits vorher als zweiter Vorsitzender in den Winzerverein Wicker eingebracht. Nach insgesamt 19 Jahren hatte sich Vereinschef Wilhelm Hück, nicht mehr zur Wahl gestellt. „Ich muss langsamer machen", hatte er bereits im Spätherbst in einem Gespräch mit uns gesagt.

altaltUnter Wilhelm Hück wurde unter anderem der Weinerlebnisweg geschaffen. Rechts  im Bild: Von links Reiner Flick, Weinkönigin Jennifer Flick und Michael Hück anläßlich des Wickerer Weinfestes 2017.  Fotos (2) : Archiv Ralph Delhees

Ein wenig „gefühlig" war es schon, als Wilhelm Hück nach dem Votum dem neuen Vorsitzenden Peter Flick zur Wahl gratulierte und damit den Vorsitz des Winzervereins Wicker offiziell an den 25-jährigen Jungwinzer Peter Flick übergab. „Wir brauchen frischen Wind. Es ist Zeit, dass ein junger erfolgreicher Winzer wie Peter Flick den Verein in die Zukunft führt. Er wird ein toller Repräsentant des hiesigen Weinbaus sein und seine Sache gut machen", so Wilhelm Hück zuversichtlich. „Natürlich stehe ich Peter Flick auch künftig zur Seite und werde seine Vorstandsarbeit nach besten Kräften unterstützen."

altPeter Flick wurde in der Jahreshauptversammlung zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Foto: Winzerverein Wicker

Der neue Erste Vorsitzende Peter Flick ist gelernter Winzer, ausgebildet beim Hochheimer Weingut Schäfer, und wird im Frühsommer seine Meisterprüfung ablegen. „Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den Vorstandskollegen die Winzergemeinschaft aktiv zu entwickeln", betont Flick. Peter Flick ist ein „Schaffer", der bereits nach seiner Weinbaulehre frischen Wind in das eigene Weingut, das seit fünf Generationen in der Familie ist, getreu dem Motto „Thank God for Riesling" brachte.

Neben dem Ersten Vorsitzenden wurde auch der übrige geschäftsführende und erweiterte Vorstand neu gewählt. Nach über 35 Jahren aktiver Vereinsarbeit, davon viele Jahre als Vorsitzender und zuletzt als Erster Kassier, hat ebenfalls Reiner Flick vom Weingut Flick seinen Posten zur Wahl gestellt. Als sein Nachfolger wurde per Mitgliedervotum Alexander Venino vom gleichnamigen Weingut bestimmt.

altDer neu formierte Vorstand des Winzervereins Wicker. Von rechts: Reiner Flick, Franz Josef Kopp, Alexander Venino, Peter Flick, Sören Venino, Wilhelm Hück, Juliana Venino, Kathrin Allendorff, Evelyn Schmidt und Peter Hahn. Foto: Winzerverein Wicker

Die langjährige zweite Vorsitzende Kathrin Allendorff (Weingut Weidenmühle) wurde in ihrem Amt bestätigt, ebenso wie Evelyn Schmidt als Erste Schriftführerin (Pension Tor zum Rheingau) und Sören Venino (Weingut Hans-Jörg Venino) als Festausschussvorsitzender, dessen Schwester Juliana ab sofort als seine Stellvertreterin fungiert. Den Posten als zweiter Kassier übernimmt Reiner Flick(Weingut Joachim Flick). Als zweiter Schriftführer wurde Peter Hahn (Freizeitwinzer) bestätigt und als Beisitzer wirkt künftig neben Franz Josef Kopp (Weingutes Franz-Josef Kopp) Wilhelm Hück (Weingut Wilhelm und Sybille Hück).

altRebenveredler Ferdinand Staab wurde Ehrenvorsitzenden


Was wäre der Weinanbau ohne die Rebenveredler für den Winzer. Bereits im Januar gab es innerhalb des Arbeitskreises der Hessischen Rebenveredler bei den Rebenveredlern Rheingau/Hessische Bergstraße einen Wechsel während der Mitgliederversammlung, dabei wurde Anja Antes (Rebschule Antes, Heppenheim) zur neuen Vorsitzenden gewählt. Ferdinand Staab der 49 Jahre den Arbeitskreis als Vorsitzender geführt hat, war aus gesundheitlichen Gründen sowie aus Altersgründen nicht mehr angetreten.

Ihm wurde für die langjährige Tätigkeit auch in den verschiedenen Gremien auf Bundes- und Landesebene gedankt. Das Plenum hat Ferdinand Staab einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Er erhielt im Rahmen der Sitzung die Ernennungsurkunde. Weiterhin dankte das Gremium Herrn Christoph Presser für 25 Jahre Geschäftsführertätigkeit des Arbeitskreises sowie der Mitwirkung für den Regionalverband auf Bundesebene.

altDas Bild vom Wechsel bei den Rebenveredlern zeigt von links.: Prof. Dr. Ernst Rühl (stell, Vorsitzender), Christoph Presser (Geschäftsführer) Anja Antes (Vorsitzende), Ferdinand Staab (Ehrenvorsitzender) mit der Ernennungsurkunde. Foto: Arbeitskreises der Hessischen Rebenveredler

Der im Anschluss veranstaltete öffentliche Teil der Versammlung beschäftigt sich mit dem Thema „PIWI - wo stehen wir". Hierzu hat Anja Antes einen Vortrag in Verbindung mit einer repräsentativen Probe gehalten, der auf großes Interesse bei den anwesenden Winzern gestoßen ist.

alt„Der gewöhnliche Mann verlernt bei diesen Preisen das Weintrinken"


Einer der historischen Beiträge im Jahrbuch 2018 des Rheingau-Taunus-Kreises stammt von Walter K. Hell und beantwortet die in der Zwischenüberschrift gestellte Aussage. „Vor 100 Jahren, im letzten Kriegsjahr 1918, konnte leider auch der Rheingauer Wein die Menschen nicht fröhlich stimmen", erklärt Hell. Während des Ersten Weltkrieges wurden viele Winzer als Soldaten zum deutschen Heer eingezogen. Die Frauen, Kinder und älteren Männer versuchten, den Weinbau aufrechtzuerhalten. Doch das gestaltete sich schwierig, sodass sich viele Weinberge in einem desolaten Zustand befanden. Auch der Weinhandel war rückläufig. „Das Weinjahr 1918 hatte durchaus verheißungsvoll begonnen. Die ersten Monate des Jahres waren eher mild. Im Juli und August war es warm bis heiß. Leider verhinderte schlechtes Wetter im September und Oktober die weitere Reifeentwicklung", ergänzt Hell. Das Resultat war ein qualitativ minderwertiger Ertrag. Die Preise waren allerdings sehr hoch, denn die Inflation setzte schon langsam ein. „Der gewöhnliche Mann verlernt bei diesen Preisen das Weintrinken", heißt es in einer Schulchronik aus der Zeit.

altMumm: Mit dem „Kometenjahrgang" reich geworden


Die Sektmarke „Mumm" dürfte den meisten Lesern bekannt sein. Doch welche Familie gab der Marke ihren Namen? Dieser Frage geht Walter K. Hell im aktuellen Jahrbuch nach. Die Familie Mumm stammte aus dem Bergischen Land. 1811 kam sie durch ein vorteilhaftes Geschäft in den Rheingau: Die Mumms kauften die 1811er Weinernte des Klosters Johannisberg preiswert auf. „Dieser Jahrgang war der spätere Jahrhundertwein, der als „Kometenjahrgang" bekannt wurde. Die Familie wurde dadurch zu den reichsten Weinhändlern im Herzogtum Nassau", betont Hell.

Das 320 Seiten um fassende Jahrbuch birgt eine breite Themenvielfalt, das Schwerpunktthema lautet „Grüne Schätze - Gärten und Parks". Es ist erhältlich im Buchhandel und bei den Städten und Gemeinden des Rheingau-Taunus- Kreises und kostet 8,50 Euro. Herausgeber ist der Kreisausschuss des Rheingau-Taunus-Kreises. Das Inhaltsverzeichnis und ein Suchregister der früheren Jahrgänge finden sich auf den Internetseiten des Landkreises unter www.rheingau-taunus.de/jahrbuch. Cover-Bild  des Jahrbuches RTK

Zur Erinnerung: Der Rheingau klein aber fein


Insgesamt produzieren 700 Weinbaubetriebe ca. 2,5 % der deutschen Weinmenge. Der Riesling dominiert dabei mit 79%, der Spätburgunder nimmt 12% der Anbaufläche ein. Von Flörsheim am Main über die Hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, Eltville am Rhein, Rüdesheim am Rhein bis Lorch am Rhein bietet dieses an Fläche (3.165 Hektar) kleine Gebiet doch das Größte, was eine Region an Kultur, Wein, Natur und Sehenswürdigkeiten ihren Gästen präsentieren kann. Das ganze Jahr lädt das Kulturland Rheingau zu reizvollen Veranstaltungen ein. Musik, Theater, Literatur, Ausstellungen, Naturerlebnisse, Sportveranstaltungen, Wein- und traditionelle Volksfeste, Burgfestspiele, Kleinkunst, Lichtilluminationen, Feuerwerke und vieles mehr stehen dabei auf dem Programm.

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