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Ein Journalist vom alten Schlag

Wilhelm Meyer ist nicht mehr - Die RheinMainRegion war sein Revier - Einer von uns           von Ralph Delhees

07.09.18 || FRANKFURT/REGION MAIN-TAUNUS (07. September 2018) - Er war keiner der um seine Person großes Aufsehen machte. Er war gerne gesehen als Gesprächspartner, hinterfragte und bohrte nach. Wissensdurst, sachkundige Gespräche bis in die tiefe Nacht, hatte die politischen Vorgänge Frankfurts und des Main-Taunus-Kreises seit Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts im Gedächtnis. Ein großes Wissen um Landes- und Regionalpolitik, Religion und hier war er Bibelfest. Mit Literatur beschäftigte er sich schon sehr früh, Goethe; Schiller rezitierte er ebenso wie Kleist, Heine und viele andere, was er bei den Rezitationsabenden in Kriftel unter Beweis stellte. Eigentlich wollte er Theaterregisseur werden, erlernte das Buchhändlerfach im renommierten Kramer-Verlag in Frankfurt, landete aber beim Journalismus. Wilhelm Meyer ist in dieser Woche nach einer länger an ihn zehrenden Krankheit, bei der er die Arbeit nicht ruhen lies, im 75. Lebensjahr gestorben. Foto: Ralph Delhees

„Willy" wie in Insider, Landräte, Bürgermeister, Politiker jeden Couleurs, Kollegen und Vertreter von Vereinen und Institutionen, nannten war ein Journalist vom alten Schlag, der immer unterwegs nach Neuem war, dabei half ihm sein reicher Wissensschatz. Einer von uns ist gegangen, von dem wir persönlich nur sehr wenig wissen und so ist er auch einsam entschlafen.

Menschliche Bescheidenheit und Unbestechlichkeit


Der freie Journalist Wilhelm Meyer, war über vier Jahrzehnte für die verschiedensten Verlage, Publikationen und Zeitungen im Rhein-Main-Gebiet schreibend und fotografierend bis zuletzt unterwegs. Es gab kaum eine Tages- oder Wochenzeitung, für die er nicht gearbeitet hatte. Gefragt für wenn er Arbeite, gab er oft zur Antwort" für alle zwischen Offenbach und Wiesbaden". Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis in die entlegensten Stadtteile der Region war er unterwegs, oftmals lief er auch nachts nach Frankfurt. Hin und wieder rief „Willy" auch beim Autor dieser Zeilen an, ob er zu dem einen oder anderen Termin mitfahren könne. Es waren Fahrten guter Gespräche, die „ich vermissen werde".

Von ihm kann mit Fug und Recht behauptet werden: Er hat das Gespräch gesucht, spekulierte um an sein Ziel zugelangen, recherchierte und hielt Nachfrage. Eines was ihn auszeichnete und heute oft nichts mehr gilt, war die Verschwiegenheit von Dingen die noch obsolet waren. Dies zeichnete ihn als Gesprächspartner besonders aus.

Er war einer der profundesten Kenner der politischen Szene Frankfurts und insbesondere des Main-Taunus-Kreises. Wilhelm Meyer hinterlässt eine Lücke als sachlicher, manchmal kritischer und spekulierender Journalist. Uns wird „Willy" durch seine menschliche Bescheidenheit und Unbestechlichkeit in Erinnerung bleiben.

Kriftel war sein Feld


Obwohl Wilhelm Meyer in Frankfurt lebte, war er der Gemeinde Kriftel sehr verbunden und dies nicht nur als Berichterstatter sondern auch mehrere Jahre im Vorstand des VdK und insbesondere als literarischer Rezitator. Er konnte schon fast als „Ehrenbürger" der Gemeinde angesehen werden. Er war überall wo etwas stattfand für die Gemeinde unterwegs. Angefangen hatte alles mit der großen Obstschau „Obstgarten des Vordertaunus" Mitte/Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Die Geschichten um den früheren Bürgermeister Hans-Werner Börs verfolgte er als Journalist mit Akribie. In Erinnerung wird er besonders den Krittelerinnen und Krittelern durch seine musikalisch-literarische Rezitationsabende bleiben. Fünf Mal, zuletzt im Juni dieses Jahres - schon gezeichnet von seiner Krankheit - trat er im Rat- und Bürgerhaus mit Poesie und Prosa auf. Auf dem Programm standen Rezitationen aus Werken von Heinrich Heine und Heinrich von Kleist. Gerne Erinnern wird sich der Besucher an die Rezitationen des „Heliand" 2012 und 2013, an Faust I 2014, Faust II mit dem Osterspaziergang 2015 und dem Obstlerspaziergang 2016.

Besonders viel Erfolg hatte er 2017 mit den „Schillerlocken" anlässlich des 225. Wiedekehrs der Verleihung der französischen Ehrenbürgerschaft an Friedrich Schiller. Für das kommende Jahr hatte er schon feste Pläne und, wie er in einem der letzten Gespräche sagte, „möchte ich dann etwas langsamer werden".

Viele Wegbegleiter versuchten „Willy" in den letzten Monaten zum Kürzertreten zu animieren, doch hiervon hielt er nicht viel, musste er doch auf sein Auskommen immer wieder sehen. Bürgermeister Christian Seitz und andere setzten sich sehr für ihn ein, doch Willy hatte einen eisernen Willen wieder auf die Beine zu kommen.

Erschüttert vernahmen seine Wegbegleiter nun sein Ableben. Jeder mit dem er zutun hatte wird sich gerne an die eine oder andere Begegnung „mit Willy" erinnern. "Er ist einer von uns", wie es einst Main-Taunus-Landrat Jochen Riebel sagte.

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