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Dem eisenzeitlichen Europa noch näher auf der Spur

Aufnahme des Archäologischen Museums Frankfurt in das internationale Netzwerk ‚Iron Age Europe/Eisenzeitliches Europa‘ - Wer war Edouard Desor*

28.03.19 || altFRANKFURT (28. März 2019) - Frankfurt spielt in vielen Disziplinen weltweit mit seinen Institutionen in der obersten Champions League mit, dies zeigte sich am vergangenen Mittwochabend als anlässlich des Abendvortrages zu Edouard Desor die feierliche Unterzeichnung der Urkunde zur Aufnahme des Archäologischen Museums Frankfurt in das Netzwerk „Iron Age Europe/Eisenzeitliches Europa" im Karmeliterkloster statfnd. Das Netzwerk entstand 2011. Die internationale Partnerschaft zwischen Institutionen widmet sich der Erforschung, Bewahrung und Valorisation archäologischer Fundstätten und Sammlungen, die emblematisch für das eisenzeitliche Europa sind.

Prof. Marc-Antoine Kaeser, Wolfgang David, Ina Hartwig, Vincent Guichard und Lionel Pernet (von links nach rechts). Foto:  Archäologisches Museum Frankfurt/Stefanie Koesling

„Das Netzwerk bringt Partner aus Frankreich, Schweiz, Spanien und Deutschland zusammen, um gemeinsame Strategien für Erforschung und den Schutz des gemeinsamen Erbes aus der Eisenzeit zu entwickeln. Ich freue mich, dass das Archäologische Museum als neues Mitglied mit seiner Expertise dazu beiträgt, das Bewusstsein für die eisenzeitlichen Hinterlassenschaften zu stärken und in den Kulturtourismus einzubinden", sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Alltagssituation vor dem Stadttor eines Oppidums.Grafik:  © Archäologisches Museum Frankfurt

Der leitende Museumsdirektor Wolfgang David verweist auf die herausragenden eisenzeitlichen Funde in der Dauerausstellung, die aus der Fülle des Hauses hervorragen. Das reich ausgestattete frühkeltische Fürstengrab aus dem Frankfurter Stadtwald datiert in die 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts vor Christus. Die Bestattung gehört nicht nur zu den bedeutenden archäologischen Funden aus dem Stadtgebiet von Frankfurt am Main. Sie nimmt auch eine wichtige Stellung innerhalb der Eisenzeit Mitteleuropas ein. Für den jüngeren Abschnitt der Eisenzeit - die Latènezeit - ist das spätkeltische Oppium Heidetränke, nordwestlich von Frankfurt, prägend, so der Museumsleiter. Die Anlage zählt innerhalb der stadtartigen Großsiedlungen zu den bedeutendsten dieses Zeithorizontes. Die Oppida waren die Zentren der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Macht in der späteisenzeitlichen Epoche.

Rekonstruktion des frühkeltische Fürstengrab im Archäologischen Museum Frankfurt - links im Bild das Schwert des Fürsten. Foto: Ralph Delhees

David betont die Wichtigkeit dieser eisenzeitlichen Hinterlassenschaften, die im historischen Bewusstsein der Rhein-Main-Region tief verwurzelt sind. Die enge Beziehung der Stadt Frankfurt - und in besonderer Weise auch des Archäologischen Museums Frankfurt - zum Oppidum „Heidetränke" ist eine historisch gewachsene: Erste gezielte archäologische Forschungen und Wallschnitte im Bereich von Altenhöfe und Goldgrub" erfolgten im ausgehenden 19. Jahrhundert durch Christian Ludwig Thomas (1848-1913), einem Frankfurter Architekt und Baurat.

Dem Frankfurter Museumsdirektor ist es gelungen, die Unterzeichnung mit dem Abendvortrag zu dem Geologen, Pälaontologen und Politiker Edouard Desor, einem hessischen Friedrichsdorfer hugenottischer Abstammung, zu verknüpfen. Desor erkannte als Erster die Wichtigkeit der eisenzeitlichen Fundstelle La Tène und die Tragweite ihrer Entdeckung für die europäische Urgeschichtsforschung.

Edouard Desor: Ein Hugenotte aus Friedrichsdorf an den Ursprüngen der prähistorischen Archäologie


Die sozialwissenschaftliche Forschungsgeschichte der Archäologie verdeutlicht die bedeutende Rolle von Edouard Desor in der Entstehung der urgeschichtlichen Wissenschaft im 19. Jahrhundert. Der Vortrag von Prof. Marc-Antoine Kaeser vom Archäologischen Institut der Universität Neuchâtel beleuchtet am Mittwochabend den ereignisreichen Lebenslauf des im hessischen Friedrichsdorf geborenen Naturforschers hugenottischer Abstammung, der der Ausgräber des berühmten Fundortes La Tène war.

An Prof. Dr. Eduard Desor erinnert in seiner Heimatstadt Friedrichsdorf eine "Eduard.Desor-Linde". Auf ihr steht sein Geburtsdatum vom 13. Februar.1811 und sein Todestag der 23. Februar 1882 in Nizza. Der Betrachter erfährt, dass Desor ein bedeutender Geologe vielseitiger Naturwissenschaftler war und in Friedrichsdorf die Kleinkinderschule gestiftet hatte. Foto: wikipedia

Von Straßburg, wohin Edouard Desor nach seiner Verwicklung mit den Burschenschaften geflüchtet war, nach Paris, wo ihn seine Ausbildung in Geologie und Paläontologie zu höchst unterschiedlichen Forschungsfeldern führte, lebte und wirkte dieser bis hin zu seiner dauerhaften Niederlassung in Neuchâtel. Hier wurde er nicht nur eingebürgert, sondern hier führte ihn sein politisches Engagement bis zur Präsidentschaft des eidgenössischen Parlaments.

*Der Beitrag wurde zusammengestellt und überarbeitet von Ralph Delhees unter Zuhilfenahme von Pressemitteilungen von ffm

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