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„Begegnung der Religionen – Religionen und Recht“

Global Day: Frankfurter Rechtsanwaltskammer verleiht Humanitätspreis während des Kongresses

16.12.09 || FRANKFURT (16. Dezember 2009) - Prof. Dr. Dr. Dr. Lutz Simon M.A., Präsident der Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main initiierte den ersten erfolgreichen Kongress unter dem Motto „Der Einfluss der Weltreligionen auf die Rechtssysteme der Länder". Schon allein die vielen Grußworte weisen auf die außergewöhnliche Bedeutung dieses Kongresses hin, u.a. von Shlomo Mosche Amar, Oberrabbiner Israels, Bartholomew I, Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, Bischof Dr, Wolfgang Huber, EKD, Ministerpräsident Roland Koch, Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth, Prof. Dr. Hans Küng, Stiftung Präsident Weltethos, Karl Kardinal Lehmann, Minister Dr. Wolfgang Schäuble, Prof. Dr. Mahmoud Hamdy Zakzouk, Minister für Religiöse Angelegenheiten, Kairo, sowie Erfolgswünsche u.a. von König Juan Carlos, Kardinal Peter Erdö, König Albert II von Belgien, Königin Beatrix der Niederlande, Tony Blair, Margot Wallström, Vizepräsidentin der EU-Kommission, Dr. Margot Käßmann, Nicolas Sarkozy, Kofi A. Annan, Richterin N. Pillay, Hohe Kommissarin der Menschenrechte. Papst Benedikt XVI hat übermitteln lassen: Er erbittet für die Organisatoren und Kongress-Teilnehmern von Herzen Gottes beständigen Schutz und reichen Segen.

Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld, übermittelte die Grüsse der Oberbürgermeisterin Petra Roth, die wegen Auslandsverpflichtungen an der Teilnahme verhindert war sowie des Magistrats und betonte, dass es für Frankfurt als internationale Stadt mit einer Vielzahl von Religionen, die hier zu Hause sind, es eine große Ehre sei, dass der Kongress hier stattfindet. Präsident Prof. Simon begrüßte die Kongressteilnehmer aus über 30 Ländern in der Paulskirche. In seiner Festansprache bei der Verleihung des Humanitätspreises wies er auf den vormittags begonnenen Kongress in der Alten Oper hin, der bereits einen umfangreichen Überblick über unterschiedliche Erfahrungen und Auswirkungen der Religion auf das Rechtssystem und die Rechtspraxis der verschiedenen Länder sowie das Verständnis für die jeweiligen Traditionen und Lebensgewohnheiten gab.

Die Kenianerin Njeri Kabeberi erhielt den Humanitätspreis für ihren Einsatz für Recht und Gerechtigkeit. Sie hat sich erheblich für die Durchsetzung der Menschenrechte eingesetzt und für demokratische Ideale engagiert, sowie erfolgreich für die politische Freiheit Ost- und Südafrikas gekämpft. Ihr Einsatz hat signifikant national in Afrika und auch international zu mehr Gleichberechtigung geführt. Philo Ikonya aus Kenia, Präsidentin International PEN, Kenyan Center, lobte in der Laudatio u.a. die unermüdliche Arbeit und die Fähigkeit der Preisträgerin in kalter Dunkelheit ein Licht zu entzünden, das Hoffnung und Hilfe brachte, ohne auf das Risiko Ihres eigenen Ansehens zu achten. Njeri Kabeberi nahm den Preis voller Freude sichtlich gerührt entgegen. „Ich möchte dem Gremium danken, das mir diese wunderbare Auszeichnung zuerkannt hat. Gleichzeitig möchte ich aber betonen, dass diese Auszeichnung nicht nur mir allein zukommt, sondern ich nehme sie auch für diejenigen entgegen, die in unserem gemeinsamen Ringen für eine gerechte und demokratische Gesellschaft mir zur Seite standen."

Von zentraler Bedeutung des Konferenzthemas war zunächst das Verstehen der Quellen der Rechtsschöpfung und Rechtssprechung. Im inländischen Rechtsverkehr nimmt die Bedeutung immer mehr zu, nicht nur das Recht anderer Länder kennenzulernen, sondern auch deren religiöse Grundlagen mit zu berücksichtigen. Spezialisten im juristischen Bereich haben die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Beziehungen ganz klar erkannt, da die Kulturen fast ausnahmslos von großen Weltreligionen wesentlich geprägt sind. Ohne die Berücksichtigung dieser kausalen Wirkkraft kann es schwerlich gelingen, sich „global" über Recht zu verständigen.

Kulturelle Unterschiede sind im Zeitalter der Globalisierung auch auf einem internationalen Weltmarkt nicht mehr zu ignorieren. Für Menschenrechte und für den Zugang zum Recht setzen sich weltweit jeden Tag Rechtsanwälte ein. Der Kommunikationsaustausch über die Rahmenbedingungen anwaltlich fachlicher Tätigkeit, den diese zweitägige Konferenz grenzüberschreitend ermöglichte, ist ein wichtiger Ansatz, gemeinsame Maßnahmen zur Durchsetzung des Rechts über alle religiösen und weltanschauliche Unterschiede hinweg zu erreichen.

Während einer Pressekonferenz sprach die Nobelpreisträgerin (2003) Frau Dr. Shirin Ebadi über den immer wichtiger werdenden Einsatz der Frauen für den Frieden dieser Welt und in diesem Zusammenhang der nicht mehr hinweg zu denkenden Anerkennung und Einflussnahme der Frauen weltweit. Preisträgerin Njeri Kababeri rief dazu auf, wie wichtig es doch für uns alle ist, wachsam zu bleiben, denn wir alle können dazu beitragen, mit entsprechender Toleranz und Achtung die Lebensumstände in der gemeinsamen Welt zu verbessern.

Grußreden und Reden des Kongresses: u.a. Staatsminister Jörg-Uwe Hahn, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Zentralrat der Juden, Ven. Geshe Tenzin Dhargye für den Dalai Lama, Axel C. Filges. Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer, Prof. Dr.Dr.h.c. Winfried Hassemer, Anil B. Divan, Indien, Prof. McDermott, USA, Dr. Lev Simkin, Russland, J.D. Tao Bai, P:R.China.

Präsident Prof. Simon: „Der Glaube selbst setzt den absoluten Wahrheitsanspruch voraus. Das bedeutet aber nicht, - und das soll klar und deutlich an dieser Stelle festgestellt werden -, dass damit einer intoleranten Einstellung gegen Andersdenkende das Wort geredet werden soll. Das Verhalten von Glaubenden gegenüber Nichtglaubenden oder Andersglaubenden betrifft das Verhältnis von Mensch zu Mensch (also das Außenverhältnis) und die Achtung, das Ertragen anderer Ansichten auch eines anderen Glaubens. Toleranz Andersglaubenden gegenüber kann somit nur darin bestehen, ihre religiöse Einstellung kennenzulernen, sie zu akzeptieren, ohne jedoch den eigenen Glauben in der Art auf einen Prüfstand zu stellen."

Fazit: Ein gelungener Auftakt zum „Global Day". Die Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main kann auf eine erfolgreiche Konferenz zurückblicken, die viele Türen zu einem besseren gemeinsamen Verständnis geöffnet hat und auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr hoffen lässt. Dank auch an die Sponsoren, die dazu beigetragen haben, diesen grenzüberschreitenden Kommunikationsaustausch, das ausgezeichnete Rahmenprogramm und die Workshops erst zu ermöglichen. Die Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main mit 17.000 Mitgliedern ist die zweitgrößte in der Bundesrepublik Deutschland und umfasst das gesamte Rhein-Main Gebiet und ist somit eines der international bedeutendsten Wirtschaftsgebiete Deutschlands. (I. u.G. Schmidt