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Staatsminister a.D. Jochen Riebel nach langer Krankheit gestorben

Ministerpräsident Bouffier: „Stets das Wohl der Bürger im Blick gehabt" - Integerer Politiker mit viel Tatkraft - Prinzipientreu und regional engagiert"           von Ralph Delhees

17.06.15 || altaltRHEINMAIN-REGION/WIESBADEN-MAIN-TAUNUS-KREIS (17. Juni 2015) - Jochen Riebel, ehemaliger hessischer und rheinlandpfälzische Kommunalpolitiker und hessische Staatsminister ist am Dienstagabend nach mehrere Wochen intensivmedizinischer Behandlung im Krankenhaus, der Kliniken des Main-Taunus-Kreises (MTK), in Hofheim verstorben. Riebel konnte vor wenigen Wochen noch - am 25. Marz - seinen 70. Geburtstag zusammen mit seiner Frau Inge und zahlreichen Gästen im Rheingau im geschichtsträchtigen in Kloster Eberbach mit vielen Gästen begehen.

altSo wie man ihn kannte: Jochen Riebel. Fotoarchiv: Ralph Delhees (2012)

Bestürzt zeigten sich am heutigen Tag viele seiner Weggefährten. Ministerpräsident Volker Bouffier reagierte betroffen auf den Tod des Juristen: „Jochen Riebel hat als Minister und als Staatssekretär, als Landrat, Oberbürgermeister und Bürgermeister stets das Wohl der Bürgerinnen und Bürger im Blick gehabt. In all seinen öffentlichen Ämtern hat er mit seiner Integrität und Tatkraft bleibende Spuren hinterlassen und diese nachhaltig geprägt. Der Tod von Jochen Riebel ist ein großer Verlust", sagte der Hessische Regierungschef heute in Wiesbaden. Wie schon zum 70. Geburtstag würdigte Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax seinen Vorvorgänger als einen „prinzipientreuen Menschen, der mit Entschlossenheit und christlicher Überzeugung" die Entwicklung des Kreises vorangetrieben und sich auch in der Region engagiert habe. Mit einer seiner längsten politischen Weggefährten ist der hessische Ministerpräsident Roland Koch, der Jochen Riebel einst nach Eschborn holte. Koch betonte in einer ersten Stellungnahme, dass er mit niemandem lange politisch zusammengearbeitet habe wie mit Riebel und betonte: „Er war ein gebildeter Jurist, ein Reserveoffizier aus Verantwortung, ein engagierter Europäer und ein loyaler Staatsdiener. Auch die hessische CDU und der Kreisverband Main-Taunus würdigte Riebel du seine politische Arbeit für Land und Landkreis.

Einsatz für sein Land mit Leidenschaft und Erfolg


„Jochen Riebel war ein Mann mit Rückgrat. In seinen Ämtern und als Mensch hat er sich nie gescheut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Er hat sich stets nach seinen festen Überzeugungen und Werten gerichtet", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier. „Seine vielen Verdienste und Ehrungen bezeugen, mit wie viel Engagement, Leidenschaft und Erfolg er sich für sein Land und seine Mitmenschen eingesetzt hat."

Im Kabinett II von Ministerpräsident Roland Koch hat sich Jochen Riebel große Verdienste um den Aufbau der Hessischen Landesvertretung in Berlin erworben und dazu beigetragen, die Stellung Hessens in Europa und insbesondere die Beziehung zu Frankreich weiter zu verbessern. Für die Förderung der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich wurde ihm im Jahr 2008 vom französischen Premierminister der Orden „Palmes Académiques" verliehen. Als Chef der Staatskanzlei wurde er als verlässlicher und erfolgreicher Koordinator der Regierungsarbeit hoch geschätzt und prägte die Gestaltung der neuen Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden.

altMinisterpräsident a. D. Roland Koch neben Staatsminister a. D. Jochen Riebel. Zusammen machten sie fast 30 Jahre aktive Politik in den verschiedensten Ämtern. Foto: © Archivfoto Hessische Staatskanzlei

Jochen Riebel, der im rheinhessischen Ober-Hilbersheim aufwuchs, besuchte in Mainz das Rabanus-Maurus-Gymnasium und ging nach dem Abitur 1964 als Soldat auf Zeit zur Bundeswehr. Als Reserveoffizier besuchte er über viele Jahre Wehrübungen unter anderem im Verteidigungsministerium in Bonn. 1996 wurde er zum Oberst der Reserve bei der Luftwaffe befördert. Im Anschluss an die Bundeswehrzeit studierte er Rechtswissenschaften und schloss mit dem Staatsexamen ab.

Stationen eines ausgefüllten politischen Lebens


In den 70-er Jahren war er zunächst stellvertretender Polizeipräsident in Mainz und in weiteren Funktionen in Rheinland-Pfalz tätig, bevor er 1979 (- 1984) als Bürgermeister von Eschborn in den Main-Taunus-Kreis kam. Von 1981 bis 1983 saß er als Abgeordneter im Kreistag, bevor er 1984 Oberbürgermeister der Stadt Frankenthal (Pfalz) wurde. 1990 kehrte er dann als Landrat in den MTK zurück.

Nach der Landtagswahl in Hessen am 7. Februar 1999 verlies Riebel den MTK und wurde Staatssekretär des Finanzministers Karlheinz Weimar in der Hessischen Landesregierung (Kabinett Koch I). Am 12. September 2000 berief Ministerpräsident Koch ihn als Nachfolger von Franz Josef Jung zum Leiter der Staatskanzlei und zum Bevollmächtigten für Bundesangelegenheiten. Nach den Landtagswahlen 2003 wurde Riebel im Kabinett Koch II Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten. Aus diesem Amt entließ ihn Koch am 28. März 2006, nachdem Riebel selbst aus Gesundheitsgründen um Entlassung gebeten hatte. Riebels Nachfolger wurde Volker Hoff (CDU). Nach dieser Zeit war er in einer Wiesbadener Anwaltskanzlei beratend tätig und war Vertreter des Landes Hessen im Aufsichtsrat der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH. Seit März 2010 war er Mitglied des Beirats für Fragen der Inneren Führung.

Vieles was Riebel als Landrat anstieß hat noch immer Bestand


Landrat Michael Cyriax hob die Arbeit Riebels als Landrat hervor und, dass vieles was er angekurbelt habe weiter Bestand hat und er damit wesentliche Weichen für die Zukunft gestellt habe. Riebel kam 1999 als Nachfolger von Landrat Dr. Bernward Löwenberg wieder in dem MTK und initiierte unter anderem die Reihe „Gespräche im Kreishaus", die inzwischen als „Main-Taunus-Gespräche" fortgeführt werden. Dabei wurden religiöse, moralische und gesellschaftliche Fragen angesprochen und mit den Bürgern diskutiert. Für seinen Einsatz erhielt Riebel, der überzeugender und praktizierender Katholik war, auch den päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des Großen. Als Beispiel für das regionale Engagement des früheren Landrats nennt Cyriax u.a. die Kooperationen in der Abfallwirtschaft und dem Nahverkehr mit Bus und Bahn.

Vier Generationen Landräte: von links: Landrat a. D. Berthold Gall (Nachfolger von Riebel), Dr. Bernward Löwenberg, Jochen Riebel und der amtierende Landrat Miachael Cyriax. Foto: Archiv Main-Taunus-Kreis

Zu seinen wichtigsten Projekten gehörte, so betonte es auch Ministerpräsident Volker Bouffier, die Gründung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, der das Fundament für den heutigen Öffentlichen Nahverkehr in der Metropolregion Rhein-Main bildet. Damals seien Strukturen angelegt worden, die heute noch Bestand hätten - auch wenn sie nach den künftigen Erfordernissen weiterentwickelt werden müssten.

Zuletzt verurteilte er den damaligen Bischof Dr. Tebartz-van Elst


Zuletzt kam er in die Schlagzeilen, als er als Mitglied des Vermögensverwaltungsrates im Bistum Limburg den damaligen Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst wegen ausgeuferter Kosten beim Bau des Diözesanzentrums öffentlich scharf verurteilte.

Viele Freundschaften über die Parteien hinweg prägten Riebel


Nach langer schwerer Krankheit - 2010 musste sich Jochen Riebel einer schweren Herzoperation unterziehen - und war wieder nach langen Krankenhausaufenthalten genesen. Und wie er in den letzten Wochen dem Autor dieses Beitrages noch mit viel Lebensmut erklärte habe er nun endlich Zeit mit seiner Frau Inge auf Reisen zu gehen und Freundschaften zupflegen und dabei kam auch sein diplomatisches Geschick wieder ins Spiel, denn seine Freundschaften gingen über Parteigrenzen hinweg, die überall auf seinem politischen Weg über die Jahrzehnte entstanden waren. Gerne lebte er zuletzt in Mainz mit Blick auf den Dom, den er allerdings seit dem Tod seiner Frau Inge vor wenigen Wochen, nicht mehr genießen konnte.