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Eine Vase mit doppelter Funktion für den Dalai Lama

Oberbürgermeister Feldmann empfängt den Friedensnobelpreisträger zum 80. Geburtstag - Seine Heiligkeit traf auf Demonstranten und diskutierte mit Frankfurter Schülern           von Ralph Delhees

14.07.15 || altaltFRANKFURT (14. Juli 2015) - Gelassen und freundlich reagierend der Dalai Lama auf den Ansturm der Besucher und Fotografen, als er vor dem Rathaus Römer aus dem Auto stieg und auch die Protestkundgebungen vor dem Römer von Mitgliedern der Shugden-Bewegung, die ihm religiöse Verfolgung nachsagen, wehrte er mit eine Handwinken ab. Oberbürgermeister Peter Feldmann empfing den XIV. Dalai Lama ohne roten Teppich aber mit der Amtskette am Eingang und führte ihn in sein Amtszimmer zu einem kurzen Gedankenaustausch. Anschließend ging es zusammen mit Mitgliedern des Magistrates in den Kaisersaal. Hier betonte Oberbürgermeister Peter Feldmann vor rund 100 anwesenden Gästen dass „es ist eine große Ehre für unsere Stadt, Seine Heiligkeit anlässlich seines 80. Geburtstages zu empfangen. Die Menschen, die Seine Heiligkeit persönlich treffen, sind inspiriert vom Mann des Friedens und Vorbild des interreligiösen Dialogs."

In den Kaisersaal wurde Seine Heiligkeit, der XIV. Dalai Lama, gleitet durch Oberbürgermeister Peter Feldmann und Stadtrat Uwe Becker (links). Im Hintergrund mit Brille Stadtrat Markus Frank

Als Geschenk überreichte Oberbürgermeister Feldmann dem religiösen Oberhaupt der buddhistischen Tibeter eine weiße, aus Höchster Porzellan gefertigte Vase. Schlagfertig fragte der Dalai Lama, ob er denn daraus auch trinken könne oder sie als Blumenvase zu nutzen sei. Schlagfertig äußerte der OB „man kann sie für beides nutzen".

Frankfurt sei ein Beispiel dafür, dass verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Ländern glücklich zusammenleben, sagte der Dalai Lama. Dieser Geist werde auf der ganzen Welt gebraucht, in Hinblick auf die zahlreichen humanitären Probleme auf der Welt. Mit seinem erheiternden und weltweitbekannten Lachen brachte Seine Heiligkeit, der XIV. Dalai Lama, so der offizielle Titel, während des Empfangs die rund 100 anwesenden Gäste mehrmals zum Schmunzeln. Im Hinblick auf die Demonstranten betonte er, dass er die Meinungsfreiheit schätze und dass deshalb auch gegen ihn demonstriert werden dürfe. Für Oberbürgermeister Feldmann gab es vom Dalai Lama eine Buddha-Figur und eine Katta, den weißen tibetanischen Gebetsschal und ein Buch.

Zum Dialog holte der Dalai Lama Oberbürger-meister Peter Feldmann mit an den Rednerpult, wo er ihm einen kleinen Buddha, die Katta, den weißen tibetanischen Gebetsschal. und ein Buch überrechte. Zuvor wurde unter viel freudigem Glächter, die Frage zur Nutzung der Vase geklärt

Zur Feier seines 80. Geburtstages absolviert der Dalai Lama auf Einladung des Vereins der Tibeter Deutschlands ein Besuchsprogramm in Deutschland, dabei stand ein mehrtägiger Aufenthalts in Hessen an, der am Sonntag in Wiesbaden begann, am Montag zu dem bereits erwähnten Empfang im Römer führte und anschließend zu einer Diskussion mit Frankfurter Schülern im Museum Angewandte Kunst führte. Abschließend hatten ihn der Verein der Tibeter Deutschlands als Ehrengast geladen, um gemeinsam den 80. Geburtstag in der Jahrhunderthalle in Höchst zu begehen. Zum Abschluss wurde heute der Dalai Lama in Wiesbaden von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und den Vorsitzenden der Landtags-Fraktionen empfangen.

Ein jahrhundertealter Konflikt führt immer wieder zu Demonstrationen


Überall in Hessen, wo der Dalai Lama, der das geistliche Oberhaupt der Tibeter ist, in den vergangenen Tagen auftrat gab es zahlreiche Demonstranten, wobei die Motive sehr unterschiedlich waren. In Wiesbaden,wo er vor 7.000 Anhängern und Interessierten im Kurpark aufgetreten war, wurde er wie ein Popstar gefeiert und gleichzeitig protestierten in der Wiesbadener Innenstadt mehr als 100 Shugden-Buddhisten lautstark gegen ihn.

Demonstranten auf dem Römerberg gegen den Dalai Lama. Fotos (5): Ralph Delhees

Auf dem Römerberg in Frankfurt gab es rund 400 Demonstranten, die der buddhistischen Shugden-Strömung angehörten, wie die Polizei mitteilte. Sie fühlen sich vom geistlichen Oberhaupt der Tibeter unterdrückt. Eine Gruppe Chinesen protestierte zudem gegen die vom Dalai Lama geforderte Unabhängigkeit Tibets. Sie warfen ihm auf Plakaten "Separatismus" vor. Doch auch rund 300 Unterstützer des geistlichen Oberhaupts der Tibeter waren auf den Römerberg zugegen.

Hintergrund ist ein Jahrhunderte alter Konflikt zwischen dem Dalai Lama und dem Shugden-Kult, der eine andere Strömung des tibetischen Buddhismus vertritt. Seine Anhänger verehren das übernatürliche Wesen Dorje Shugden als Gottheit. Die Shugden-Buddhisten werfen dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter religiöse Intoleranz vor, denn er lehnt diesen Kult ab.

Nach westlicher Rechnung wurde der Dalai Lama am 6. Juli 80 Jahre als. Er wurde bürgerlich unter dem Namen Tenzin Gyatso geboren. Dies gilt als offizieller Anlass des hohen Besuchs, der vom Frankfurter Verein "Freunde für einen Freund" organisert wurde.

Diskussion zwischen dem Dalai Lama und Jugendlichen stand unter dem Motto „Mit Nächstenliebe und Mitgefühl zum Erfolg


Der XIV. Dalai Lama hat wie bereits kurz erwähnt am Montag das Museum Angewandte Kunst (MAK) besucht, wo er in einer exklusiven Gesprächsrunde mit Schülern in den Dialog getreten ist. Unter dem Motto „Mit Nächstenliebe und Mitgefühl zum Erfolg" stellte sich der Friedensnobelpreisträger, der weltweit hohe Anerkennung erfährt, den Fragen der sozial engagierte n und hoch motivierten Schülerinnen und Schüler. Sie diskutierten mit ihm über fundamentale Fragen gesellschaftlicher Verantwortung, über aktuelle ethische Aspekte sowie die Grundlagen des Buddhismus. Die jungen Menschen konnten sich in Workshops und Vorträgen, die vom Museum Angewandte Kunst und dem Frankfurter Kulturinstitut Tibethaus Deutschland e.V. organisiert wurden, inhaltlich auf dieses besondere Ereignis vorbereiten.

Die Veranstaltung im Museum kam auf Einladung des Vereins Freunde für einen Freund e.V., dessen Zielsetzung es ist, Menschen die Begegnung mit dem Dalai Lama zu ermöglichen und damit für seinen Weg zu begeistern, zustande. „Dem Dalai Lama ist der Dialog mit der Jugend eine besondere Herzensangelegenheit. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit dem Museum Angewandte Kunst und dem Tibethaus einen Rahmen schaffen konnten, in dem Seine Heiligkeit in einer geschützten Gesprächssituation mit der jungen Generation in einen intensiven Austausch treten konnte", so Frank Auth, Vorstandsmitglied und Mitbegründer des Vereins.

altDer Dalai Lama mit Frankfurter Kindern in MAK

„Dass diese Veranstaltung im Museum Angewandte Kunst stattfindet, ist eine große Ehre für das Haus ", betont Direktor Matthias Wagner K. „Wiederholt stellen wir uns grundsätzlichen Themen der Zeit, zu denen die ethische und gesellschaftliche Verantwortung jedes Einzelnen ebenso gehört wie Religion und Spiritualität". Stephan von der Schulenburg, Kurator für den Sammlungsbereich Ostasien am Museum, ergänzt: „Nach der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung Buddha. 108 Begegnungen, die wir in Zusammenarbeit mit dem Tibethaus erarbeitet haben, sowie der Tibet-Woche, die hier vor einem Jahr stattfand, zeigt sich dieses Haus mit seiner außergewöhnlichen Sammlung asiatischer Kunst einmal mehr als ein besonderer Ort der interkulturellen Begegnung."

„In einem Museum, das ausgehend von den Dingwelten Fragen nach der Gestaltung des eigenen Lebens aufwirft, geht es immer wieder auch um die Frage: Wie wollen wir leben? Der Besuch des Dalai Lama ist daher ein willkommener Anlass, dieser Frage in spiritueller Hinsicht nachzugehen", sagt Alexandra Sender, die als Leiterin der Vermittlungsabteilung Create am Museum Angewandte Kunst die Schülerinnen und Schüler in zwei Workshops auf den Besuch des Würdenträgers vorbereitete.

altDer Direktor des Museum Angewandte Kunst, Matthias Wagner K., begrüßt den Dalai Lama. Fotos (2): Museum Angewandte Kunst/Anja Jahn

Elke Hessel als geschäftsführender Vorstand des Tibethaus Deutschland e.V., das unter der Schirmherrschaft des Dalai Lama steht, formuliert: „Unsere langjährige Erfahrung im interreligiösen und gesellschaftlichen Bereich , aber auch in der Betreuung von Schulklassen, konnten wir bei der Vorbereitung auf den Besuch des Dalai Lama fruchtbar machen . Wir sind überaus glücklich, das geistige Oberhaupt der Tibeter erneut in Frankfurt begrüßen zu dürfen."

Die Paula Müller Kinderhilfe -Stiftung, die sich vornehmlich der Förderung von Kindern in Frankfurt und dem Großraum Rhein-Main verschrieben hat, unterstützt das Projekt. "Einem der großen spirituellen Führer nahe zu kommen, der die friedliche Botschaft des mittleren Weges in die Welt trägt, ist eine Erfahrung, die die Kinder sicher ihr Leben lang begleiten und sie vielleicht motivieren wird, sich diese positive Lebenseinstellung des Dalai Lama zu eigen zu machen", begründet das Vorstandsmitglied Dr. Andreas Klug das Engagement der Stiftung.

„Wir sollten nie vergessen, dass unser eigenes Glück immer aufs Engste mit dem der anderen verknüpft ist."  S. H. der XIV. Dalai Lama