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Der Zeitfaktor stand im Mittelpunkt des Symposiums des Osteuropa-Institut

Direktor Krasznai: „Zwischen West- und Osteuropa weitere Brücken schlagen und Konflikte durch Dialog erst gar nicht entstehen lassen"           von Gunnar Schanno

08.12.15 || FRANKFURT (07. Dezember 2015) - Das Osteuropa-Institut Butzbach/Frankfurt hielt auch 2015 sein jährliches Symposium im Dienste der Idee eines geeinten Europa und zur Förderung des Dialogs zwischen west- und osteuropäischen Ländern. Besonders seit der Osterweiterung der EU und der NATO ist das Institut ein Zentrum lebhaften Gedankenaustauschs von Experten über Entwicklungen und Veränderungen, die ganz konkret im kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenwirken zwischen ost- und westeuropäischen Staaten entstanden sind.

Zum Symposium 2015 konnte Direktor Doc. Petúr L. Krasznai wiederum zahlreiche Gäste auch aus Mittel- und Osteuropa willkommen heißen. Er verlas die Grußworte des slowakischen Honorarkonsuls Imrich Donath, der bedauerte, diesmal nicht teilnehmen zu können. Gleiches galt auch für den hessischen Landtagspräsidenten Norbert Kartmann, der das jährliche Symposium immer wieder persönlich begleitet.

Dr. Petúr L. Krasznai, Direktor des Osteuropa-Institut Butzbach, Hessen. Fördergesellschaft für ungarische und osteuropäische Kontakte in Butzbach / Hessen. Foto: oei/gs

In seinem Eröffnungsreferat richtete András P. Kis, Geschäftsführer eines mittelständischen Logistik-Unternehmens, den Fokus unter dem diesjährigen Motto „Knappe Zeit" auf die Zeitverluste, die durch bürokratische Regelungen den grenzüberschreitenden Güterwarenverkehr zwischen der Slowakei und Ungarn oder auch andere osteuropäische Länder beeinträchtigen. Dies gelte besonders, wenn es um die Produktion nach dem zeitknappen Just-in-time-Prinzip gehe. Andere Referenten beleuchteten den Faktor Zeit im juristischen Sinne, etwa unter den Stichworten „Fristen" und „Termine" (Dr. Irmgard Poser-Amberg, Freiburg) oder unter rechtsstaatlichen Bedingungen im Gutachterverfahren (Prof. Dr. H. R. Engelhorn, Butzbach).

Spannend für die Teilnehmer war auch, wie sehr der Zeitfaktor die Dramatik zwischen west- und osteuropäischen Staaten etwa im gegenwärtigen Flüchtlingsproblem steigert (Doc. Krasznai, Butzbach und Budapest). Hauptkommissar i. R. Gerhard Humberg, Worms, untersuchte den Wandel des Begriffs Nation innerhalb Europas und erregte die Gemüter mit seinen Ausführungen zur Bildung von Metropolregionen in Deutschland. Prof. Dr. Tomas Harrach, Fachbereich Agrarwissenschaften der Universität Gießen, hob die Bedeutung des Zeitfaktors bei der fortschreitenden Gefährdung landwirtschaftlicher Nutzflächen und „grundwasserbildender Gebiete" hervor, etwa durch Versiegelung der Böden in städtischen Räumen. Dipl. Wirtschaftsing. Jens Amberg, Geschäftsführer einer namhaften Firma in Süddeutschland, berichtete über bereits virtuell gelöste Probleme, die er als Entwicklungsdirektor mit neuartigen Steuerungssystemen in die Praxis umsetzen lässt. Dabei hob er hervor, dass Deutschland in diesen Bereichen weltweit führend sei. MSc Gerald Wiese nutzt seine Kontakte nach Kalifornien für die Zusammenarbeit und den Austausch mit Wissenschaftlern aus Osteuropa und Asien.

Wie sehr Gesamteuropa auch im kulturellen Bereich eine Einheit bildet, verdeutlichte Prof. Dr. Ursel Theile, Mainz, anlässlich von Dantes 750. Geburtstag mit ihrem Vortrag über die gesamteuropäische Rezeption von Dantes Göttlicher Komödie. Und in Erinnerung daran, wie die Gunst der Stunde genutzt wurde bei den dramatischen Ereignissen von Deutschlands Vereinigung und der Erweiterung Europas nach Osten, veranschaulichte Dr. med. Dr. phil. Waltrud Wamser-Krasznai, Buzbach, am Begriff des „Kairós". Seit römischer Antike stehe er für das Ergreifen des günstigen Augenblicks sowohl im individuellen als auch politischem Geschehen.

In seiner Zusammenfassung zog Direktor Krasznai als positive Bilanz, dass die während des Symposiums angesprochenen west-östlichen Themen und deren lebhafte Diskussion dazu beitragen, zwischen West- und Osteuropa weitere Brücken zu schlagen und Konflikte durch Dialog erst gar nicht entstehen zu lassen.