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Kommt der Drohnenführerschein?

Prof. Scheurle: „Priorität habe zweifelsohne die Sicherheit" - Drohnen gefährden den gestiegenen Flugverkehr - Flugsicherung will sich einschalten           von Karl-Heinz Stier

14.04.16 || FRANKFURT (14. April 2016) - Die Zunahme von kommerziellen und privat genutzter Drohnen stellt die Deutsche Flugsicherung (DFS) vor großen Herausforderungen. Dies erklärte Prof. Klaus-Dieter Scheurle bei der Vorlage des Geschäftsjahres 2015 seines Unternehmens. Schätzungen gehen von derzeit 400.000 privat und gewerblich genutzter Drohnen in Deutschland aus. Bis 2020 wird ein Anstieg auf bis zu 1,1 Millionen erwartet. Vor allem große Unternehmen wie Google und Amazon wollen mehr und mehr solche flugzeugähnliche Geräte für ihre Unternehmensbereiche einsetzen und drängen auf den Markt. Sie können auch den Flugverkehr gefährden. So wurde zum Beispiel von Januar 2015 bis 31.März 2016 der DFS 12 Drohnen von Piloten gemeldet.

Foto 1: Drohnen im Einsatz

Prof. Scheurle wittert in der Existenz solcher "Transporter" auch gleichzeitig Chancen für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Priorität habe aber zweifelsohne die Sicherheit. Deshalb gehören zu dem verantwortungsvollen Umgang die Einführung einer Registrierung und ein Drohnenführerschein. Beides könne die DFS leisten. „Wir haben wesentliches know-how zur sicheren und fairen Integration von diesen Flugkörpern im Luftraum und wir sind seit mehr als 10 Jahren in internationalen und nationalen Fachgremien vertreten und an Forschungsprojekten beteiligt", so der DFS-Geschäftsführer. Zugleich kündigte er am 15.November 2016 eine internationale Technologiekonferenz zu diesem Thema an, zu der Experten aus dem In- und Ausland erwartet werden. „Wir müssen uns an die Spitze setzen, um die Entwicklung zur Sicherung und Anwendung der Geräte voran zu treiben".

Bei der Vorlage des Geschäftsjahres 2015 wies Prof. Scheurle auf die positive Entwicklung seines Unternehmens hin. Erstmals seit 2011 sei die Zahl der Flugbewegungen im deutschen Luftraum wieder über die Drei-Millionen-Grenze gestiegen. Genau 3.029.066 Flüge seinen von den Fluglotsen kontrolliert worden (plus 1,6 Prozent). Hierbei erzielten die DFS-Gruppe mit ihren rund 5 700 Mitarbeitern Umsatzerlöse von rund 1,2 Milliarden Euro (plus 8,7 Prozent).

Foto 2: Lotsen im DFS-Center Langen. Fotos (2): Deutsche Flugsicherung (DFS)

Wesentliche Impulse für die Belebung des deutschen Luftverkehrs resultierten dabei aus den niedrigen Kerosinpreisen und der Wachstumsdynamik des Billigflugsektors. Der Jahresüberschuss belief sich auf 122 Millionen Euro.

Kräftig ins Kontor schlügen jedoch die Belastungen aus der betrieblichen Altersversorgung. „Aufgrund der niedrigen Zinsen auf den Märkten können wir die langfristig hohen Verpflichtungen - der negative Saldo beträgt 1,7 Milliarden Euro - langfristig nicht kompensieren. Die Deckungslücke kann nur durch eine Erhöhung der Zuführungen geschlossen werden". Mit dem Gütesiegel „Made in Germany" will die DFS ihre Einnahmen durch eine Ausweitung des nicht-regulierten Kerngeschäftes erhöhen und vor allem im Ausland das Geschäft konsequent vorantreiben. Neben der Übernahme der Tower-Kontrolle am Flughafen London-Gatwick steht auch im Fokus der Expansion der Ausbau von Repräsentanzen in Singapur, Peking und im Nahen Osten. Weitere Einkommensverbesserungen sieht die DFS in der Verringerung des Personalbestandes, der Steigerung der Effizienz und der Qualität durch Einsatz neuer Technologien.

Für das Geschäftsjahr 2016 erwartet die DFS trotz eines steigenden Luftverkehrsaufkommens (plus 1 Prozent) ein weiterhin schwieriges Marktumfeld. Der internationale Flugverkehr wachse gegenüber dem nationalen. Der Trend zu billigen Flügen werde anhalten („Wir haben in Deutschland ein Überangebot"), die aggressive Marktstruktur dominiere, ebenso der Einsatz schwerer und größerer Flugzeuge.

Zum Thema Windenergie begrüßt die DFS die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig im April dieses Jahres, das im Kern die Klagebefugnis der DFS bestätigte, deren Berechnungsmethoden nicht zu beanstanden seien und eine Einzelabwägung zwischen den Interessen der Flugsicherung und denen der Windenergie-Betreiber nicht erforderlich sei. Das Ortungssystem dürfe nicht beeinträchtigt werden. 2015 seien 81 Prozent der Anträge zur Windenergie genehmigt worden.