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Fibriol-Skandal: Beim Eierkauf auf regionale Ware setzen

Inzwischen zwölf europäische Länder betroffen - In den hessischen Lege- und Masthennenbetrieben ist bisher kein Fipronil festgestellt worden - Verbraucherinformationen ab sofort abrufbar           von Ralph Delhees*

11.08.17 || altWIESBADEN (11. August 2017) - Im Moment herrscht bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Bezug auf den Verzehr von Eiern eine große Unsicherheit - auch wenn bisher keine direkte Gefahr für die Gesundheit besteht. Um die Verunsicherung beim Eierkauf und auch eierhaltigen Nahrungsmitteln einzudämmen hat das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sind seit heute die wichtigsten Fakten zu Fipronil in Eiern auf der Internetseite des Hessischen Verbraucherschutzministeriums für die Bevölkerung abrufbar.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass es bereits vor Monaten erste Hinweise zu kontaminierten Eiern gegeben haben soll. Über aus den Niederlanden eingeführten Eiern kam der Fipronil-Skandal in Gang. Mittlerweile wird angenommen, dass der Ursprung in Belgien liegt, wo wie auch in den Niederlanden und Deutschland offenbar zu einem zugelassenen rein pflanzlichen Desinfektionsmittel das für die Nutztierhaltung verbotene Fibriol beigemischt wurde. Nach Zeitungsberichten geht das Bundeslandwirtschaftsministerium von rund 10,7 Millionen verseuchten Eiern in Deutschland aus.

Bisher keine gesundheitliche Gefahr und  keine Erkrankungen bekannt


Von dem Skandal, der Ende Juli bekannt wurde, sind mittlerweile zwölf europäische Länder betroffen - Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Österreich, die Schweiz und Dänemark, zuletzt sind Rumänien und die Slowake als erste osteuropäische Länder hinzugekommen. Beim Schreiben dieses Beitrages berichten die Agenturen, dass jetzt auch in Hongkong belastete Eier  aufgetaucht sind. Kontaminierte Eier sind nicht nur als Frischware über den Handel zu den Verbrauchern gelangt, sondern auch als Produkte in denen Eier verarbeitet werden, wie z.B. Nudel, Mayonnaise, Eiersalate und viele andere mehr. Hierzu gehören auch hartgekochte, teilweise bunte Eier die über den Tresen gehen und auch in Kantinen, Cafés usw. ihre Freunde finden. Bisher bestand für die Verbraucher keine gesundheitliche Gefahr und es wurden keine Erkrankungen bekannte. Bekannt ist, dass ein belgisches Unternehmen im Blickpunkt der Ermittler liegt und zwei mutmaßliche Hühnerfarmmanger in den Niederlanden festgenommen wurden.

EU beschäftigt sich mit dem Skandal


Auch die EU beschäftigt sich mit dem Fipronil-Skandal und so hat heute EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis ein Treffen der zuständigen Minister sowie Behördenvertreter der betroffenen Länder einberufen, vorgeschlagen hat er den 26. September. Vorgespräche zwischen Vytenis Andriukaitis und den zuständigen Ministern in Deutschland, Belgien und den Niederlanden hat es bereits gegeben.

Verbraucherschutzministerium informiert über Internet


„Auf den Verzehr von Eiern gibt es eine große Unsicherheit, darum wollen wir die Bürgerschaft objektiv, verbrauchernah und verständlich informieren", kommentierte Staatsekretärin Dr. Beatrix Tappeser das neue Angebot auf der Internetseite des Hessischen Verbraucherschutzministeriums. Auf dieser Seite können sich Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Sachstand und die Situation in Hessen informieren. „Es ist wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, inwieweit der Fipronil-Skandal sie in ihrem Alltag betrifft", sagte die Staatssekretärin.

altStaatsekretärin Dr. Beatrix Tappeser: "Wir wollen die Bürgerschaft objektiv, verbrauchernah und verständlich informieren". Foto: RMT-ArchivRalph Delhees

Eierkauf bedeutet Vertrauen zwischen Produzent und Kunde


Nach neuestem Stand der hessischen Lebensmittelkontrollbehörden sind mit Fipronil belastete Eier nicht mehr im Handel erhältlich. Auch in den hessischen Lege- und Masthennenbetrieben ist bisher kein Fipronil festgestellt worden. „Vor dem Hintergrund, dass der größte Teil der belasteten Eier aus Belgien und den Niederlanden zu uns nach Hessen kam, kann ich allen Verbraucherinnen und Verbrauchern nur raten, beim Einkauf auf regionale Ware zu setzen. Denn Nähe und Vertrauen zwischen Lebensmittelproduzenten und der Kundschaft ist die beste Grundlage für hohe Qualität und Sicherheit der Lebensmittel. Zudem stärkt dies die hessische Landwirtschaft", so Dr. Tappeser.

Ist Fipronil auch in Geflügelfleisch?


Nach Auskunft des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes NRW sind nach heutigem Kenntnisstand ausschließlich Legehennenbetriebe betroffen. Hähnchenfleisch stammt aber nicht von Legehennen, sondern von Masthähnchen (oder Masthennen), die in reinen Mastställen gehalten werden. Masthähnchen sind spezielle Rassen, die auf eine schnelle Gewichtszunahme, insbesondere der bevorzugten Teile Brust und Keule, gezüchtet wurden.

Verbraucherinnen und Verbraucher, die dieser Tage aus dem Urlaub zurückkommen und noch „frische" Eier im häuslichen Bereich aufbewahrt haben, können über die Internet-Adresse www.lebensmittelwarnung.de (Konsumeier)sich über die betroffenen Chargen-Nummern informieren ob ihr Eierbestand befallen sein könnte.

Hintergrundinformationen zu Fipronil


Fipronil ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Phenylpyrazole. Es ist ein Kontaktgift mit schneller und lang anhaltender Wirkung gegen Ektoparasiten wie Flöhe, Haarlinge, Läuse, Zecken, Raubmilben, Herbstgrasmilben und Räudemilben. Fipronil ist nicht im Anhang der Verordnung (EU) Nr. 37/2010 (arzneimittelrechtliche Regelung) gelistet und darf daher bei lebensmittelliefernden Tieren nicht angewendet werden.

Aus der Stellungnahme des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) vom 30. Juli 2017 ist zu entnehmen, dass nach Expositionsmodellen eine Fipronilkonzentration von 0,72 mg/kg in Hühnereiern als maximale Konzentration angesehen werden, bei der für keine der untersuchten Verbrauchergruppen ein akutes gesundheitliches Risiko besteht, da die akute Referenzdosis (ARfD) nicht überschritten wird. Unter Berücksichtigung der von der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2006) abgeleiteten ARfD für Fipronil (0,009 mg/kg KG) ergibt die Abschätzung der akuten Exposition auf Basis europäischer Verzehrdaten für Hühnereier bei Kleinkindern (UK) eine Überschreitung der ARfD. Auf Basis dieser Datenlage ist eine akute gesundheitliche Gefährdung dieser Verbrauchergruppe durch belastete Hühnereier möglich.

Aktuellen Sachstand abrufen


Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten und den aktuellen Sachstand zu Fipronil in Eiern in Hessen finden unsere Leserinnen und Leser hier:
https://umwelt.hessen.de/
https://umwelt.hessen.de/verbraucher/lebensmittelshysicherheit/rueckstaende-verunreinigungen/verbraucherinformationen-zu-mit

* unter Verwendung von diversen Pressemitteilungen des Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der Verbraucherzentralen in Deutschland