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Ozapft is!: „Oans, zwoa gesuffa!“

Eine Betrachtung zu den vielfältigen Oktoberfesten bei denen die hessische Welt Kopf steht           von Ingeborg Fischer

REGION (19. September 2017) - Der arme rot-weiß-gestreifte Hessen-Löwe geht wieder einmal schweren Zeiten entgegen. Ohne sich auch nur zu schämen, verraten Tausende sonst dem Stöffche treu ergebene Hessinnen und Hessen alles, was ihnen heilig sein sollte: „Grie Soß unn Handkäs mit Musick, Rippcher mit Kraut unn Flaaschworscht mit Knerzje, Mispelcher unn es Gerippte".

Sie stürmen Lidl und Aldi-Märkte und decken sich ein mit Weißwurst und Brezn, mit Papiertischdecken und Servietten in Blau-weiß mit Rauten, mit Münchner Festbier und Maßkrügen! Sie „dunke sich net mehr die Schnut odder hopp, hopp, hopp - Schobbe in de Kopp", sondern rufen „oans, zwoa gesuffa!"

19.09.17 ||
altTrachten wohin das Auge reicht. Fotos (2): RMTOM-Archiv/Ralph Delhees - Foto Oktoberfestherz Ingborg Fischer

Die Hessische Welt steht Kopf! Es wird eingeladen zur Oktoberfest-Fete im September in den Party-Keller oder die Ikea-Wohnstube und alles leuchtet rauten-blau-weiß. Jeder Feuerwehr- Turn-und-Sportverein, Tennis-Club oder Senioren-Nachmittag will Wiesn-Stimmung machen und spielt CDs ab mit den Original Schneizelhuber Buam!

Unabdingbar ist es bei diesen Festivitäten, sich in eine „sogenannte" Tracht zu zwängen. Wiederum hilft dabei Aldi und Lidl, die großen Kaufhäuser und Modegeschäfte, dass alles „stilecht" sein kann: sie verkaufen zum Teil abscheuliche Dirndl-Kreationen und Knie-Lederhosen, rot- und blau gewürfelte Hemden und Trachtenjanker, und all das geht weg wie warme Semmeln. Die Wiesn-Gaudi-Fassenacht kann beginnen".


Nahe der Commerzbank-Arena, wo die Adlerträger kicken und sich wünschen, die Bayern einmal entscheidend schlagen zu können, haben die „Hausmänner" ein Oktoberfestzelt aufgestellt, aus dem die Bayerische Blasmusik dröhnt und die altbegeisterten Hessen in Bayerischer Verkleidung mit Maßkrügen anstoßen, Brathendl vertilgen und „Ein Stern, der Deinen Namen trägt" gröhlen!

Der Hessiche Löwe schüttelt den Kopf und seufzt. Aber auch die Hessische Wiesn-Seligkeit währt nicht ewig. Wenn alles vorbei ist, wird wieder „geachelt und gewamscht, es Stöffche gepichelt. Die Schobbebläser unn Duttemächer unn Volleule" haben ihre Dirndl und Lederhosen eingemottet bis zum nächstens Jahr, wenn es wieder heißt: „Ozapft is!"

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Und noch eins zum Anmerken von der Redaktion: Die Krankheit des Oktoberfestes zieht mittlerweile wie eine Schwemme übers Land. Fast jeder Verein und auch die Städte rufen nach Aloisius und lassen die Krügerl kreisen, sogar im goldische Meenz wird die „Oktober-Fastnacht" gefeiert mit einem bayerisch verkleideten goldisch Meenzer Mädche die das „Gesicht" des Festes sein wird, wie bei den Hausmännern die in diesem Jahr den Let's Dance-Star Motsi Mabuse ins Dirndl gesteckt haben.


altFreuen sich auf die neunte Frankfurter Oktoberfest Saison die bereits in der vergangenen Woche begann (v.l.n.r.): OB Peter Feldmann, Festwirt Patrick Hausmann, Oktoberfest-Botschafterin (auch Oktoberfest-Gesicht genannt) Motsi Mabuse, Festwirt Dennis Hausmann sowie No Limit Chef Kai Mann. Fotocredit: PicturePartners/Strohbücker