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Die Talfahrt des Euro dürfte weitergehen

Die Europäische Zentralbank wird zur Stimulierung der Konjunktur und vor allem zur Verhinderung möglicher Deflationsgefahren bis 2016 beitragen müssen           von Dr. Klaus Schrüfer*

16.10.14 || altFRANKFURT (16. Oktober 2014) - Zu den auffälligsten Entwicklungen an den Finanzmärkten der vergangenen Monate gehörte sicher die deutliche Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Obwohl die europäische Währung aus fundamentaler Sicht nun fair bewertet sein dürfte, ist damit zu rechnen, dass sich die Abwärtsbewegung - nach einer gegenwärtig zu beobachtenden Gegenbewegung - in den kommenden Monaten weiter fortsetzt. Zurückführen lässt sich dies vor allem auf signifikante Konjunkturunterschiede zwischen dem Euroraum und den USA. Während die Erholung im europäischen Währungsraum nach wie vor auf wackeligen Beinen steht, weist sie in Amerika bereits eine hohe Dynamik auf.

Diese Diskrepanz hat auch in einigen anderen Bereichen deutliche Auswirkungen. So wird die amerikanische Notenbank ihren Leitzins voraussichtlich Mitte nächsten Jahres erstmals leicht anheben. Die Europäische Zentralbank, die Anfang September den Leitzins noch einmal gesenkt hat, dürfte dagegen bis mindestens 2016 an dem rekordtiefen Niveau festhalten. Vor dem Hintergrund zuletzt enttäuschender Konjunkturdaten wird sie zudem verstärkt nach zusätzlichen Maßnahmen suchen, mit denen sie zur Stimulierung der Konjunktur und vor allem zur Verhinderung möglicher Deflationsgefahren beitragen kann.

An den Rentenmärkten liegt die Rendite 10jähriger Bundesanleihen nach einem signifikanten Rückgang inzwischen deutlich unter die Marke von 1 Prozent. Da der Renditerückgang in diesem Jahr in den USA wesentlich schwächer ausgefallen ist, befindet sich der Zinsvorsprung von US-Staatsanleihen gegenwärtig auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren. Auch dies stützt den US-Dollar.

Für einen relativ stabilen Euro spricht dagegen vor allem der hohe Leistungsbilanzüberschuss des Euroraums. Wägt man die verschiedenen Faktoren ab, dann dürfte der Euro Mitte nächsten Jahres bei 1,20 US-Dollar liegen.

*Der Autor ist Chef-Marktstratege bei Santander Asset Management