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Keine Angst vor Inflation - Konsum ist Wachstumstreiber in Deutschland

Dr. Traud: 2016 wird die Weltwirtschaft zwar an Dynamik zunehmen aber das Tempo bleibt moderat - Helaba gibt Konjunkturüberblick für 2016           von Karl-Heinz Stier

27.11.15 || altFRANKFURT (26. November 2015) - Nach Auffassung der Volkswirte der Hessischen Landesbank (Helaba) wird 2016 die Weltwirtschaft zwar an Dynamik zunehmen, aber das Tempo bleibt in den meisten Ländern moderat. Mit einem Plus von 3,3 Prozent ist die wirtschaftliche Entwicklung etwas stärker als im Vorjahr. Diesem Szenario messen die Analysten eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 70 Prozent bei. Die wesentlichen Impulse kommen dabei aus den Industrieländern", erläutert Dr. Gertrud R. Traut, Chefvolkswirtin der Helaba bei der Präsentation der Konjunktur - und Kapitalmarktausblicks 2016.

altChefvolkswirtin der Helaba Dr. Gertrud R. Traud bei ihren Ausführungen, die sie mit einem Staffellauf verglich, bei dem die Übergabe entscheidend ist. Foto: Ralph Delhees

Sie wies darauf hin dass der dauerhaft niedrige Ölpreis und das gesunkene Preisniveau vieler anderer Rohstoffe Startortvorteile für die Importländer darstelle. In Deutschland und den meisten Ländern Europas wirke dies wie „ein Akzelerator, der den Konsum über 2015 hinaus befeuere". Der Konsum steige überall, es gäbe keine Angst vor der Inflation, auch nicht in Deutschland. Die Gründe dafür seien mehr Beschäftigung, höhere Löhne. Das gelte auch für die USA. Der Zuwachs des US-Brutto-Inlandproduktes könne dort bis zu drei Prozent erreichen. In der Eurozone sei mit 1,6 Prozent und in Deutschland mit 1,7 Prozent zu rechnen. Weniger reibungslos würden dagegen die Ausrüstungsinvestitionen verlaufen, da die allgemeine Verunsicherung im Wirtschaftsleben noch hoch sei.

Die Geldpolitik scheine inzwischen übermotiviert sein. Das Vertrauen in einen selbsttragenden Aufschwung sei offensichtlich nicht vorhanden. Die Europäische Zentralbank (EZB) begünstigte zwar die hiesigen Aktenmärkte, aber die Niedrigzinspolitik habe aber auch negative Begleiterscheinungen. „So werden notwendige Reformen und Haushaltskonsolidierungen immer weiter in die Zukunft verschoben, was das langfristige Wachstum bremst", so die Chefvolkswirtin.

Was die Inflation und Zinsen angehe, so werde Gravierendes nicht eintreten. Die Inflation liege in den USA bei 1,5 Prozent, in der Eurozone vermutlich bei 0,9 Prozent. Im Gegensatz zu Europa wird die Zinspolitik in den USA künftig angehoben- mit etwa 3 Prozent durch die US-Notenbank Fed. Was den DAX in Deutschland angehe, so bewege er sich zwischen 9000 und 12 000 Punkte. Die Nachwehen der europäischen Staatsschuldenkrise, politische Unsicherheiten im Euroraum, der VW-Abgasskandal und seine Folgen sowie die Deutung des Rohölpreisrückganges als drohenden Konjunktureinbruch könnten abrupte Kehrtwenden an den Kapitalmärkten auszulösen. Ein Szenarienwechsel freilich werde sich aber nicht abzeichnen.

Klare Worte fand Dr. Traud aber zu den Flüchtlingsströmen in Europa. „Wir haben einen hohen Wanderungssaldo. Die Eingliederung der Flüchtlinge wird deshalb schwierig, weil die Qualifikation gering ist, und die Menschen auch nicht die deutsche Sprache beherrschen. Junge Leute müssen ausgebildet werden, ältere sind schwer zu integrieren. Deutschland braucht Menschen, die etwas von Digitalisierung verstehen. Wir werden deshalb nicht alle Flüchtlinge unterbringen können", so meint die Chef-Volkswirtin auf Nachfrage.