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Dr. Traud: „Der Dax könnte 2017 die 12.000er Marke zurückerobern“

Helaba-Volkswirte sagen stabiles Wachstum voraus - Die Welt der Finanz- und Wirtschaftsmärkte fährt „Autoscooter", begibt sich auf die „Geisterbahn" und es geht hoch hinaus mit dem „Riesenrad" von Karl-Heinz Stier

21.11.16 || altFRANKFURT (21. November 2016) - Für ihren jährlichen finanziellen und wirtschaftlichen Konjunktur- und Kaitalvorausblick findet Dr. Gertrud R. Traud, die Chefvolkswirtin der Helaba mit Hauptsitz in Frankfurt, stets eine originelle Parallele zum Alltagsleben. War es 2016 Olympia („Beim Staffellauf ist die Übergabe entscheidend"), so hat sie sich diesmal für 2017 Begriffe aus Volksfesten und Jahrmärkten ausgewählt. „Schließlich ist der Jahrmarkt eine Art Miniaturausgabe der Welt, in der wir leben - mit Innovationen, Traditionen und Sensationen. Jede Attraktion lässt die Besucher in eine andere Welt abtauchen".

Prognose - Expertise der Helaba Volkswirte

Und da es schwer ist, eine hundertprozentige Prognose anzustellen, hat Dr. Traud Alternativen entwickelt. Ihr Hauptszenario (75 Prozent Wahrscheinlichkeit) widmet sie dem Motto „die Welt fährt Autoscooter". Schubsen, Drängeln, und verbale Entgleisungen gehörten dazu. Ansonsten komme es üblicherweise zu keinen größeren Unfällen. Was heißt das im wirtschaftlichen Vorausblick? Im kommenden Jahr wird die Weltwirtschaft um rund 3 Prozent zulegen. Im Europaraum und in Deutschland um jeweils rund 1,5 Prozent. Hier werde die gesamtwirtschaftliche Expansion nach wie vor vom privaten Konsum getragen. Die Investitionen entwickelten sich weiterhin verhalten. Das Wachstum sei zwar wenig dynamisch, dafür aber stabil. „Natürlich sind mit der Wahl von Trump zum US-Präsidenten Unwägbarkeiten verbunden. Nichtsdestotrotz nehmen die USA wieder mehr Fahrt auf.

Nach Ansicht der Chefvolkswirtin wird es zu höheren Inflationsraten von bis 1,5 Prozent in der Eurozone und 2,5 Prozent in den USA kommen. Das könnte manchen Marktteilnehmer erschrecken. Entsprechend wird die Volatilität in den Rentenmärkten hoch sein. In den USA werden die Leitzinsen nur so hoch klettern, dass die Finanzmärkte nicht beeinträchtigt werden. Der DAX könne die 12.000-Marke zurückerobern.

altChefvolkswirtin Dr. Traud bei ihrem Konjunkturvortrag. Fotos (2): Fotos: Karl-Heinz Stier

Im zweiten, dem Alternativszenario (15 Prozent Wahrscheinlichkeit), das die Helaba-Volkswirte mit „Geisterbahn" bezeichnen, steht die Weltwirtschaft an der Schwelle zur Rezession. „Schreckgespenster tauchen an allen Ecken und Enden auf". Der Freihandel wird eingeschränkt, europafeindliche Parteien setzen sich durch, die Euro-Zone wird in Frage gestellt. Gold und Dollar werden zu Krisenwährungen, der DAX stürzt auf 6 000 Punkte ab.

Im letzten positiven Alternativszenario „Riesenrad" ( 10 Prozent Wahrscheinlichkeit) sei ein selbsttragender Aufschwung durch die Industrie festzustellen („man will hoch hinaus"), die Verbreitung neuer Technologien setzt ein, im Euroraum gibt es ein Wachstum von 2,5 Prozent, Aktien und Euro florieren, der DAX knackt die 14.000er Marke, die Rohstoffpreise steigen deutlich.

Bevor Frankfurt Brexit-Gewinner wird bedarf es noch mehr Selbstbewusstsein


Soweit die Szenarien. Was Dr. Traud vielleicht noch realistisch sieht, ist die Möglichkeit, dass sich in den USA mit Trump ähnlich wie bei Reagen eine kurzzeitige Euphorie breit macht, aber insgesamt „kommt da nicht viel" meint sie.

Zum Finanzplatz Frankfurt, unter den europäischen Finanzplätzen hinter London eindeutig die Nummer zwei in Europa, schließen die Helaba Volkswirte nicht aus, dass die Mainmetropole zur bevorzugten Adresse für Brexit-bedingte Jobverlagerungen werden könnte, die viele Londoner Institute bereits intern vorbereiten. Der Vorteil Frankfurts, das in Konkurrenz zu Paris, Dublin, Luxemburg oder Amsterdam steht, sind die Stärke und Stabilität der deutschen Volkswirtschaft, der Sitz der EZB und ihrer Doppelfunktion, Verkehrsdrehscheibe mit guter Infrastruktur, relativ günstige Büromieten sowie ein reichhaltiges Freizeitangebot in der Stadt und seinem grünen Umland. „Damit die Großstadt am Main tatsächlich zum vorrangigen Brexit-Gewinner wird, bedarf es mehr Selbstbewusstsein sowie die Betonung des besonderen Charakters und der hohen Lebensqualität der Main-Metropole", heißt es in der Expertise.