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Helaba zeigt sich trotz acht Prozent unter Vorjahr zufrieden

„Mächtigem Druck" sieht sich Landesbank ausgesetzt -Ergebnisrückgang werde 2017 spürbar           von Ralph Delhees und Karl-Heinz Stier

23.03.17 || altFRANKFURT (23. März 2017) - Das Geschäftsjahr 2016 der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen gehört zu den drei besten Jahre in der Geschichte der Bank mit einem Volumen von 549 Millionen Euro vor Steuern (2015: 596 Mio. € - 2014: 607 Mio. €). Doch um es gleich vorweg zu nehmen: Bei der Geschäftsprognose der Landesbank für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem spürbaren Ergebnisrückgang. Ursache dafür seien nicht nur die herausfordernden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch der Druck, der auf den Banken und Sparkassen laste. „Der Begriff Druck hat beste Chancen zum Wort des Jahres für unsere Branche aber auch für die Zeit des restlichen Jahrzehnts zu werden", resümierte Herbert Hans Grüntker, der Vorsitzende des Vorstands der Helaba heute.

Helaba Vorstandsvorsitzender Herbert Hans Grüntker während seiner Bilanzrede

Deshalb müsse das Helaba-Geschäftsmodell im Sinne „einer Schärfung nach dem Grundsatz die Stärken stärken überprüft werden". Erste Schritte sei man bereits gegangen:
- So hat die Landesbank schon ihre Anteile an der Hannover Leasing an die Corestate Capital Group veräußert.

- Weiter hat die Helaba u.a. vor, das Verbundgeschäft mit den Sparkassen zum essentiellen Bestandteil der neuen Strategie werden zu lassen. Ziel müsse es sein, als zentrale Verbundbank der Sparkassen-Finanzgruppe sowohl die Marktdurchdringung der eignen Produkte als auch die Zufriedenheit der Sparkassen weiter zu steigern.

- Der Kernmarkt Nordrhein-Westfalen solle bis 2020 weiter wachsen. Heute kommen mehr als 30 Prozent der Erträge aus dem Firmenkundengeschäft. Im Geschäft mit öffentlichen Kunden liegt der Anteil bereits bei über 50 Prozent. Der Standort Düsseldorf müsse nochmals aufgewertet werden.

Rückblickend auf das Geschäftsjahr 2016, bei dem Vorstandsvorsitzender Grüntker schon vor einem Jahr „von Abstrichen beim Konzernergebnis" sprach, bewerte er nunmehr das Konzernergebnis als „zufriedenstellend". Danach legte die Helaba für das vergangene Jahr ein Konzernergebnis vor Steuern in Höhe von 549 Mio. Euro erzielt. Es liegt um knapp 8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Nach Steuern erreichte das Konzernergebnis 340 Mio. Euro. Herbert Hans Grüntker betonte, dass sich „das operative Kundengeschäft erneut positiv entwickelt hat. Dies schlägt sich in dem hohen Neugeschäftsvolumen und dem erfreulichen Zuwachs der Provisionserträge nieder. Der prognostizierte Ergebnisrückgang aufgrund des Nullzinsniveaus ist nicht so spürbar ausgefallen wie von uns erwartet. Insgesamt gehört das Ergebnis zu den drei besten in der Historie der Bank. Grundlage hierfür ist unser solides, ausgewogenes und bewährtes Geschäftsmodell."

Das erzielte Jahresergebnis führt der Vorstandsvorsitzende auf sechs Gründe zurück:


- Im Null- und Negativzinsumfeld sank der Zinsüberschuss nicht so stark wie erwartet. Der Provisionsüberschuss wurde erneut gesteigert, wozu insbesondere der Zahlungsverkehr und die Asset Management-Aktivitäten der Helaba Invest beitrugen.

- Aufgrund des positiven wirtschaftlichen Umfeldes und dank der hohen Qualität des Geschäftsportfolios fiel der Aufwand für die Risikovorsorge spürbar geringer aus als im Vorjahr. Und dies, obwohl die Bank im Schiffskreditportfolio nach 2015 auch 2016 noch einmal hohe Wertkorrekturen vorgenommen hat.

- Das Konzernergebnis erlaubt wiederum die Bedienung aller Nachrangmittel, Genussrechte und stillen Einlagen, eine Ausschüttung an die Träger

- Die aufsichtsrechtlichen Kennziffern haben sich weiter verbessert. Der Helaba-Konzern verfügt über aufsichtsrechtliche Eigenmittel in Höhe von 10,8 Mrd. Euro. Die CET1-Quote stieg auf 14,3 Prozent („phased in") bzw. 13,8 Prozent („fully loaded"). Die Gesamtkapitalquote erreichte erstmals mehr als 20 Prozent (20,5 %).

- Die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Kennziffern ist ebenfalls zufriedenstellend. Die Cost Income Ratio liegt mit 63,7 Prozent auf dem Niveau der Jahre 2012 - 2014. Die Eigenkapitalrendite (vor Steuern) bewegt sich mit 7,2 Prozent innerhalb des Zielkorridors. Die Leverage Ratio konnte seit 2013 von 3,4 auf 4,7 Prozent verbessert werden. Die Ratingeinstufungen der Helaba befinden sich weiterhin in der Spitzengruppe der deutschen Kreditinstitute.

- Auch im europäischen Vergleich zeigt sich die Helaba als belastbares und sehr sicheres Kreditinstitut. Im EBA-Stresstest hat die Helaba im nationalen Vergleich Rang zwei und im europäischen Vergleich einen Platz im oberen Mittelfeld belegt. Und in der EU-weit durchgeführten Transparency Exercise hat sich die Helaba als Institut mit komfortabler und einemqualitativ hochwertigen Kreditportfolio erwiesen.

Durch gezielten Abbau nahm die Handelsaktiva in der Bilanzsumme ab


Die Bilanzsumme des Helaba-Konzerns ist weiter rückläufig. Sie nahm insbesondere durch den gezielten Abbau der Handelsaktiva um 7,1 Mrd. Euro auf 165,2 Mrd. Euro ab. Das Geschäftsvolumen reduzierte sich um 5,7 Mrd. Euro auf 195,0 Mrd. Euro.

Die Kundenforderungen bewegen sich mit 93,1 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau. Hiervon entfallen 73 Prozent auf Firmenkunden und gewerbliche Kunden, 21 Prozent auf Öffentliche Stellen und 6 Prozent auf Privatkunden. Der Anteil des Kundengeschäftes an der Bilanzsumme bewegte sich unter Einschluss des Verbundgeschäftes bei 60 Prozent und lag damit über dem Vorjahresniveau.

Trotz etlicher Turbulenzen an den Kapitalmärkten konnte die Helaba das lebhafte Neugeschäft reibungslos refinanzieren. Die Bank profitierte dabei erneut von ihrem sehr guten Emissionsstanding. Das mittel- und langfristige Refinanzierungsvolumen erreichte 17,2 Mrd. Euro. 49 Prozent der Mittel wurden direkt oder indirekt über Sparkassen aufgenommen. Nach Produkten lag der Schwerpunkt der Refinanzierung mit 14,2 Mrd. Euro (83 Prozent) im ungedeckten Bereich, was das gute Emissionsstanding der Bank unterstreicht. Auf Pfandbriefe entfiel ein Volumen von 3 Mrd. Euro (17 Prozent); darunter 1,8 Mrd. Euro an Hypotheken-Pfandbriefen.

Bank profitierte wieder von ihrem sehr guten Emissionsstanding


Trotz etlicher Turbulenzen an den Kapitalmärkten konnte die Helaba das lebhafte Neugeschäft reibungslos refinanzieren. Die Bank profitierte dabei erneut von ihrem sehr guten Emissionsstanding. Das mittel- und langfristige Refinanzierungsvolumen erreichte 17,2 Mrd. Euro. 49 Prozent der Mittel wurden direkt oder indirekt über Sparkassen aufgenommen. Nach Produkten lag der Schwerpunkt der Refinanzierung mit 14,2 Mrd. Euro (83 Prozent) im ungedeckten Bereich, was das gute Emissionsstanding der Bank unterstreicht. Auf Pfandbriefe entfiel ein Volumen von 3 Mrd. Euro (17 Prozent); darunter 1,8 Mrd. Euro an Hypotheken-Pfandbriefen.

In der Gewinn- und Verlustrechnung viel der Aufwand für die Risikovorsorge im Kreditgeschäft geringer aus


Der Zinsüberschuss reduzierte sich in Folge des Null- und Negativzinsumfeldes um 6,2 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Der Rückgang lag damit unter den Erwartungen. Aufgrund des positiven wirtschaftlichen Umfeldes und der hohen Qualität des Geschäftsportfolios fiel der Aufwand für die Risikovorsorge im Kreditgeschäft mit 154 Mio. Euro (2015: 237 Mio. Euro) spürbar geringer aus als im Vorjahr, erläutert Dr. Detlef Hosemann, der CFO der Helaba. Getragen vom guten Kundengeschäft legte der Provisionsüberschuss um 2,1 Prozent auf 340 Mio. Euro zu. Das Handelsergebnis ging um 44 Mio. Euro auf 146 Mio. Euro zurück.

Das Ergebnis aus Sicherungszusammenhängen und Nichthandelsderivaten verbesserte sich um 21 Mio. Euro auf 46 Mio. Euro. Das Ergebnis aus Finanzanlagen verzeichnet einen Swing von minus 10 Mio. Euro auf plus 53 Mio. Euro in 2016. Das Sonstige betriebliche Ergebnis verringerte sich um 54 Mio. Euro auf 119 Mio. Euro. Getragen wird dieses Ergebnis insbesondere von den Ergebnisbeiträgen aus Immobilienbeständen.

Der Verwaltungsaufwand legte um 3,5 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro zu. Während sich der Personalaufwand auf Vorjahresniveau bewegte, stiegen insbesondere die IT- und Beratungsaufwendungen im Zusammenhang mit der Umsetzung regulatorischer Vorgaben und geschäftsgetriebener Anforderungen.

Fokus liegt weiter auf dem Kundengeschäft


Dr.Hosemann zeigt sich insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis: „Bei einer moderaten Reduzierung der Bilanzsumme durch den gezielten Abbau von Handelsaktiva und einer ausgewogenen Refinanzierungsstruktur fokussiert sich die Helaba weiter auf das Kundengeschäft. Die Belastungen durch das extreme Niedrigzinsumfeld können durch den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts nicht vollständig kompensiert werden. Die Risikosituation im Kreditgeschäft ist hervorragend. Für das Schiffsportfolio wurde eine umfangreiche Vorsorge getroffen. Die Helaba hat die Investitionen in leistungsfähigere IT-Systeme ausgeweitet, auch um zukunftsfähig zu bleiben und sich im intensiven Wettbewerb gut zu behaupten."

Vorstandsvorsitzender Herbert Hans Grüntker erinnerte abschließend daran, dass die Auswirkungen der Niedrigzinsphase und das Ankaufprogramm der EZB erstmals 2017 ganzjährig mit voller Wirkung zu spüren seien. „Die Senkung des Zinssatzes für Erträge auf minus 0.40 Prozent ist vor einem Jahr erfolgt und wird sich insbesondere in den zinssensitiven Bereichen des Retailgeschäftes - also Landesbausparkasse und Frankfurter Sparkasse - und im Zahlungsverkehr sowie bei den Eigenanlagen deutlich auswirken".

Zuversicht und Optimismus für die nächsten Jahre


Der Blick auf die Zinsentwicklung in den USA macht aus Sicht der Helaba allerdings mittelfristig Hoffnung, dass auch im Euro-Raum der Zinstiefpunkt durchschritten sein dürfte. „Auf Basis dieser Annahme besteht eine gewisse Zuversicht, dass wir im operativen Geschäft in diesem oder dem nächsten Jahr die Talsohle erreichen werden", äußert sich der Vorstandsvorsitzende mit Blick auf die nächsten Jahre verhalten optimistisch.