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Mainova: Drei Fernwärmenetze unter einem Dach und ein Kraftwerk mit höchster Kälteleistung in Europa

In Frankfurt werden 100.000 Tonnen Kohlenmonoxyd eingespart - Auch Heizwasser wird über Leitung 9 km zum Flughafen transportiert           von Karl-Heinz Stier

10.08.17 || altFRANKFURT (10. August 2017) - Hessens größter Energieversorger, die Mainova AG, hat einen Kraftwerksverbund zur Optimierung der Fernwärmeversorgung in der Mainmetropole vorgestellt. Dafür wurden die Mainova-Heizkraftwerke Messe, West und Niederrad sowie das Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt miteinander verbunden. Voraussetzung war der Bau einer 13,5 Kilometer langen Fernwärmeleitung vom Müllheizkraftwerk über das Universitätsgelände Westend und Bockenheim zu den drei Heizkraftwerken. Bevor der symbolische Start des neuen Wärmeversorgungssystems vollzogen wurde fand zwei Tage zuvor der Besuch des Mainova Heiz-Kälte-Kraftwerk am Frankfurter Flughafen von Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker statt.

Das neue Wärmeversorgungssystem starteten Hessens Finanzstaatssekretärin Dr. Bernadette Weyland, Frankfurts Bürgermeister und Mainova-Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Becker sowie die Mainova-Vorstände Dr. Constantin H. Alsheimer und Norbert Breidenbach symbolisch mit dem Drehen eines Schwungrades im Heizkraftwerk West in der Gutleutstraße.

altSymbolischer Start des neuen Wärmeversorgungssystems mit v.l.n.r.: Norbert Breitenbach (Technik-Vorstand Mainova), Aufsichtsratvorsitzender und Kämmerer Uwe Becker, Staatssekretärin Dr. Weyland und Mainova-Chef Dr. Constantin H. Alsheimer

Bisher gab es drei nahezu voneinander unabhängige Fernwärmenetze rund um die jeweiligen Kraftwerke. Ihre neue Verbindung ermöglicht einen flexiblen Einsatz der Erzeugungsanlagen. Durch stärkere Nutzung der CO2-neutralen Wärme aus dem Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt sowie der Schließung veralteter dezentraler Erzeugungsanlagen im Zuge des Fernwärmeausbaus werden in Frankfurt jährlich 100.000 Tonnen Kohlendioxyd eingespart.

Vor der symbolischen Inbetriebnahme strich Staatsekretärin Dr. Weyland das große Interesse des Landes Hessen an der umweltschonenden Energieversorgung für seine Liegenschaften in Frankfurt heraus. So wurde beispielsweise mit der Fernwärmeleitung zum Campus Westend eine Ersparnis von 27 000 Tonnen CO2 ermöglicht. „Das unterstützt unser Ziel bis 2030 eine klimaneutrale Landesverwaltung in Hessen zu etablieren".

altStaatssekretärin Dr. Weyland bei ihrer Ansprache über die Energie-Ziele des Landes Hessen und Stadtkämmerer Uwe Becker, der auf die CO2-Ersparnis hinwies. Fotos (2): Karl-Heinz Stier

Als „ein ingenieurtechnisches Meisterwerk" bezeichnete AR-Vorsitzender Bürgermeister Becker die nachhaltige Energieversorgung durch die Mainova in Frankfurt. In dem neuen „Powerhaus als Flagschiff der Stadt" rede man nicht mehr vom Strom sondern von effektiver Erzeugung von Wärme und Fernwärme.

Nach Mitteilung von Mainova-Vorstand Dr. Constantin H. Alsheimer hat sein Unternehmen in den letzten zehn Jahren 1,5 Milliarden Euro für Investitionen ausgegeben, davon fünfzig Prozent für die Fernwärme. Die CO2- Ersparnis von 100 000 Tonnen lasse sich am besten mit der Einsparung von 1 Million Kühlschränken vergleichen, so viele wie etwa zwei Städte in der Größenordnung von Frankfurt zusammen besitzen.

Technik- Vorstand Norbert Breitenbach wies beim Fernwärme-Leitungs-Ausbau besonders auf die anspruchsvolle Unterquerung des Mains auf 300 Metern und des Gleisvorfeldes am Hauptbahnhof über 253 Metern hin. Neben dem Netzausbau waren für das neue Wärmeversorgungssystem umfangreiche Modernisierungen der Heizkraftwerke nötig - mit einem Investitionsvolumen von 150 Millionen Euro.

Die Mainova AG beliefert mehr als eine Million Menschen mit Strom, Gas, Wärme und Wasser. Das Unternehmen erzielte mit seinen 2 700 Beschäftigten im letzten Jahr einen Umsatz von fast 2 Milliarden Euro.

Neun Turbo-Kompressions- Kältemaschinen erbringen 67 Megawatt Kälteleistung am Flughafen


Man nennt sie spaßhalber die „Wolkenfabrik", obwohl sie äußerlich wie ein normales Bürogebäude aussieht. Dennoch hat sie eine wichtige Aufgabe: die Mainova AG versorgt mit ihr den Flughafen- je nach Bedarf und Jahreszeit - mit Wärme und Kälte.

Der Spitzname „Wolkenfabrik" erklärt sich aus der technischen Anlage des Gebäudes am Flughafen. 47 wohnwagengroße Kühltürme stehen auf dem unscheinbaren Dach und sorgen für typische Dampfschwaden. Die Kälte wird im Gebäude durch Kompressionsmaschinen erzeugt. Dabei wird ein Kältemittel verdichtet und wieder verflüssigt. Die dabei entstehende Wärme wird nicht wie beim Kühlschrank an die Luft abgegeben, sondern mit den Kühltürmen auf die erforderliche Temperatur abgekühlt.

altDas Bild zeigt v.l.n.r.: Mainova-Chef Dr. Alsheimer, Kämmerer Bürgermeister Becker, Betriebsingenieur Christian Köstling und Fraport-Chef Dr. Schulte. Foto: Sven Birgmeier/Mainova

Soweit das leicht komplizierte Verfahren des Heiz-Kälte-Kraftwerkes. Die Mainova-Anlage musste in ein bereits bestehendes Gebäude des Flughafenbetreibers eingebaut werden. Neun Turbo-Kompressions- Kältemaschinen erbringen 67 Megawatt Kälteleistung. Somit ist das Kraftwerk am Frankfurter Flughafen das mit der größten Kälteleistung in Europa.

„Es ist beeindruckend, wie auch bei außergewöhnlichen Bedingungen zuverlässig und immer passend Wärme oder Kälte zur Verfügung gestellt wird", unterstrich Mainova - Vorstands-Vorsitzender Dr. Constantin H. Alsheimer, der den Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker bei seinem Sommerbesuch begleitete. Beckers Kommentar: „Die Leistung des Heiz-Kälte- Werkes bildet letztendlich die Grundlage für den reibungslos funktionierenden Frankfurter Flughafen und liefert die Energie für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort. Auch das macht diese Anlage so besonders attraktiv".

Auch der Flughafen-Chef Dr. Stefan Schulte nahm an der Besichtigung teil. „ Mit der Mainova haben wir vor mehr als 20 Jahren dieses innovative und hochkomplexe System entwickelt. Seitdem versorgt es vor allem die technischen Anlagen störungsfrei, die maßgeblich zum fluggastfreundlichen Ablauf beitragen".

Neben Kälte ist Mainova auch für die Wärme zuständig. Das Heizkraftwerk in Niederrad versorgt den Flughafen über eine neun Kilometer lange Fernwärmeleitung, die mitten durch den Stadtwald läuft, mit Heizwasser. Drei Dampferzeuger am Flughafen unterstützen diese Fernwärmeversorgung als Ausfallreserve und Spitzenlastabdeckung.