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Forschung bei Chemie- und Pharma überdurchschnittlich hoch

Wettbewerbsvorsprung der Chemieforschung schmilzt - Große Koalition zur steuerlichen Besserstellung aufgefordert           von Karl-Heinz Stier

23.08.18 || altFRANKFURT (22. August 2018) - Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie wird im laufenden Jahr mit ihren Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) erstmals die 11-Milliarden-Euro-Grenze erreichen. Das prognostizierte Thomas Wessel, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Bereits 2017 stiegen die Budgets mit 10,8 Milliarden Euro auf einen Rekordwert, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit hat die Branche zum siebten Mal in Folge ihre FuE-Etats angehoben.

Grund dafür ist unter anderem die Digitalisierung. Die gestiegenen Rechnerleistungen beschleunigen die Forschung zu neuen Chemikalien enorm. „Die künstliche Intelligenz findet relevante Fundstellen bei Literatur- und Patentrecherchen schneller als der Mensch und trägt zur Konzentration auf geeignete Lösungsansätze bei", so Wessel.

Dr. Gerd Romanowski (v.l.n.r. ) als Leiter von Wissenschaft, Technik und Umwelt, Thomas Wessel und Pressesprecherin Monika von Zedlitz standen Rede und Antwort während einer Pressekonferenz. Foto: Karl-Heinz Stier

Im Branchenvergleich hat die chemisch-pharmazeutische Industrie die höchste Innovationsorientierung. 63 Prozent aller Chemie- und Pharmaunternehmen forschen. Damit liegt sie deutlich über dem Durchschnitt von 28 Prozent der gesamten deutschen Industrie.

Mit 41.000 Mitarbeitern ist die Zahl der Beschäftigten in den Forschungslaboratoren der chemischen Industrie stabil geblieben. Über fünf Prozent ihrer Umsätze stecken die Unternehmen jährlich in die Forschung. Nur im Fahrzeugbau und in der Elektroindustrie ist die FuE-Intensität höher.

Trotz dieser positiven Entwicklung im Inland bereitet Wessel vor allem der internationale Innovationsdruck Sorgen. „Der Wettbewerbsvorsprung des Chemiestandortes Deutschland schmilzt. Staaten wie USA oder China nehmen viel Geld für die Forschung in die Hand, gestalten die Rahmenbedingungen für Innovationen günstig und verschaffen sich so Wettbewerbsvorteile". Von der Großen Koalition in Berlin fordert er einen „beherzten Modernisierungskurs", da nur so Deutschland im globalen Innovationswettlauf gegen Forschungsgroßmächte wie USA, China und Südkorea mithalten kann. Im internationalen Vergleich liege Deutschland hier zur Zeit auf Rang sieben.

Wessel verwies auf das Beispiel Österreich. Dort sind die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung deutlich gestiegen. Weit über die Hälfte der Ausgaben stammen dort von ausländischen Konzernen. Allein die Lohnsteuerzahlungen der zusätzlich eingestellten Forscher könnten die Kosten der österreichischen Forschungsförderungen etwa zur Hälfte decken. Mit Blick auf die sprudelnden Steuereinnahmen meinte Wessel, könnte sich unser Staat auch eine steuerliche Forschungsförderung leisten. „Vergleicht man die Rahmenbedingungen für Innovationen in Deutschland mit einer Großbaustelle, so ist an einigen Stellen zwar das Fundament gegossen, aber an einigen Ecken stockt der Rohbau".

Immer wieder verzögerten sich Bauarbeiten, weil Nachbarn Einspruch erheben. Das heißt „Wir brauchen mehr Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und mehr Akzeptanz neuer Techniken. Leider leben wir in einer Zeit, in der Bedenken mehr gelten als Zuversicht".

Thomas Wessel forderte auch in Deutschland das allgemeine Bildungsniveau weiterzuentwickeln. Das gelte insbesondere für die Fächer Mathematik, Technik und Naturwissenschaften, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu bewältigen.

Der VCI vertritt die Interessen von rund 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Medien. Die Branche setzte 2017 über 195 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 453.000 Mitarbeiter.