Banner
 

RheinMainTaunus

OnlineMagazin

Kunst & KulturAusstellungen › Freilichtmuseum Hessenpark hat sich für 2022 wieder viel l vorgenommen

Freilichtmuseum Hessenpark hat sich für 2022 wieder viel l vorgenommen

Treckertreff und das Erntefest, Pflanzenmärkte, Märchentag, Osterprogramm und Weihnachtsmarkt stehen wieder auf dem Programm           von Ralph Delhees

23.03.22 || NEU-ANSPACH (23. März 2022) - Die neue Museumssaison im Freilichtmuseum Hessenpark hat bereits anfang des Monats begonnen und ist voll im Gange. In den letzten Tagen lockte es viele Besucher in den sonnendurchflutenden Kulturpark, der bis Ende Oktober wieder täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet ist. Nach zwei Jahren mit Zugangsbeschränkungen und reduziertem Programm startet das Museum optimistisch ins dritte Corona-Jahr. „Wir haben ein nach vorne gerichtetes, abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm zusammengestellt", erklärt Museumsleiter Jens Scheller. Er ist zuversichtlich, dass alle geplanten Programmpunkte umgesetzt werden können.

„Anders als andere Museen können wir unseren Freilicht-Vorteil ausspielen und viele Vorführungen und Mitmachangebote an der frischen Luft durchführen", unterstreicht Scheller. Ausreichend Platz, um Abstände einzuhalten, ist ebenfalls vorhanden. Und so finden sich im Veranstaltungsprogramm wieder beliebte Klassiker wie der Treckertreff und das Erntefest, Pflanzen- und Weihnachtsmärkte, Märchentag und Osterprogramm. Aber auch neue Thementage, Dauerausstellungen und Ferienprogramme stehen auf der Agenda. Den Saisonauftakt bildet traditionell die Führung des Museumsleiters Jens Scheller. Sie findet dieses Jahr am 6. März um 15 Uhr statt und bietet einen spannenden Blick hinter die Kulissen des Museums. In den Monaten März und April stehen zudem die Eröffnungen der neuen Sonderausstellungen auf der Agenda.

Sonderausstellungen zur Alltagskultur

In der Stallscheune aus Asterode ist ab dem 3. April die Ausstellung „Hessens Dachboden. Sammeln? Oder kann das weg?" zu sehen, die die Sammlung des Freilichtmuseums ins Zentrum rückt: Alles, was wir nutzen und tun, gehört zur Alltagskultur. Zeugnisse des täglichen Lebens finden sich in persönlichen Gegenständen, bei der Arbeit, in unseren Kellern und auf Dachböden. Manches wird überflüssig, manches behält über Generationen seinen Wert. Die Sammlung des Freilichtmuseums beinhaltet über 200.000 Objekte und stellt ein Archiv der Alltagskultur dar. Die Ausstellung bietet einen Einblick in die Vielfalt der Objekte und stellt auch deren wissenschaftliche Bearbeitung in den Fokus. Wie bestimmen Restaurator*innen das Alter von Gebäuden? Und was sollte als Nächstes gesammelt werden? Diesen und anderen Fragen geht die Ausstellung nach.

In Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum zeigt der Hessenpark ab dem 27. März mit „Schön hier" eine Ausstellung zur Architektur auf dem Land. Ländliche Regionen werden mit ihrer Architektur zu wenig beachtet. Das möchte diese Ausstellung ändern. Eine Fülle realisierter Projekte zeigt, welche Qualitäten hier zu entdecken sind. Architektur kann viel zu einem guten Leben auf dem Land beitragen. Zu sehen sind die Projekte im eigens für diese Ausstellung ertüchtigten Obergeschoss der Scheune aus Sand in der Baugruppe Nordhessen. Der Umbau wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Der Fotografie aus dem 19. Jahrhundert widmet sich seit dem 13. März die Ausstellung „Neues Licht. Frühe Fotografie rund um den Taunus" im Haus aus Gemünden (Wohra). Ausgestellt sind unter anderem Bilder des Frankfurter Fotografen Carl Friedrich Mylius sowie weitere Stadtansichten und Landschaften aus der Region - von Marburg bis Darmstadt und von Wiesbaden bis Gelnhausen. Auch die zeitgenössische Technik ist Teil der Ausstellung. Im benachbarten Fotohaus werden ergänzend frühe Portraits und die Carte-de-Visite-Fotografie aus dieser Zeit präsentiert.

Laufende Projekte

In der Baugruppe Mittelhessen schreitet die Sanierung des Hauses aus Sterzhausen weiter voran. Hier wird die neugestaltete Dauerausstellung über die Ansiedlung Heimatvertriebener nach 1945 in Hessen Platz finden. Über zwei Etagen erzählt sie vor allem von der Ankunft und Eingliederung der heimatlosen Menschen in Hessen. Zahlreiche Schicksale von Betroffenen und Zeitzeug*innen hat das Museum in den vergangenen Jahren dafür erhoben. Diese persönlichen Geschichten und Beispiele aus Hessen begleiten durch die Ausstellung. Sie beleuchten die Herausforderungen des Neuankommens in einer fremden Welt. Auch der Aufbau sogenannter „Vertriebenenindustrien" in Hessen wird thematisiert. Als Beispiel hierfür dienen die böhmische Glasindustrie im Taunus und die Musikinstrumentenherstellung in Nauheim.

In direkter Nachbarschaft des Zentralmagazins steht in der Baugruppe Südhessen das Fachwerk-Musterhaus aus Radheim kurz vor der Fertigstellung. Das Äußere des Gebäudes zeigt eine sorgsam restaurierte Holzkonstruktion mit zeittypischen Zierformen und unterschiedlichen Ausfachungsmaterialien. Im Inneren können sich künftig Fachwerkinteressierte darüber informieren, wie gut sich heutige Wohnansprüche in einem historischen Fachwerkhaus verwirklichen lassen. Ergänzend greifen Präsentationen und „offene Bauteile" Fragen rund um die Revitalisierung, Sanierung und energetische Ertüchtigung historischer Fachwerkhäuser auf. Das Spektrum der Ausstellung reicht von beispielhaften Nutzungs- und Sanierungskonzepten über Best-Practice-Beispiele erfolgreicher energetischer Ertüchtigungen bis hin zu Detaillösungen zu häufigen Sanierungsaufgaben.

In der Baugruppe Rhein-Main wagt das Freilichtmuseum Hessenpark den Sprung in die Moderne. Neben der Remise am Weinberg sollen in den nächsten Monaten vier Flüchtlingscontainer aufgestellt werden. Sie entstammen einer Containerunterkunft, die bis 2016 im Gewerbegebiet An den drei Hasen in Oberursel stand. Am 15. Oktober 1990 wurden dort die ersten Asylsuchenden untergebracht. Es handelte sich zu dieser Zeit hauptsächlich um Geflüchtete aus den Jugoslawienkriegen, aus Syrien und Afghanistan. Im Inneren der Container entsteht eine Ausstellung zu Flüchtlingen und Asylsuchenden in den 1990er-Jahren und zur Flüchtlingsunterkunft in Oberursel. Ein mit Originalen aus Oberursel und anderen Flüchtlingseinrichtungen ausgestattetes Zimmer wird eine Standardunterkunft mit Ersteinrichtung für zwei Erwachsene zeigen. Ein weiterer Raum wird sich mit den Menschen selbst beschäftigen, die in den 1990er-Jahren nach Oberursel beziehungsweise Hessen geflüchtet sind. Hier sollen Geschichten erzählt, Zitate und eventuell Objekte der Menschen mit Anekdoten gezeigt werden. Um diesen Raum mit Leben zu füllen, sucht der Hessenpark noch nach Zeitzeug*innen. Interessierte können per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. mit der Projektverantwortlichen Louisa Scheib Kontakt aufnehmen.

Lebendige Vielfalt

Als zertifizierter Archepark setzt sich das Freilichtmuseum seit vielen Jahren für den Erhalt alter und bedrohter Nutztierrassen ein. Gleiches gilt für den Schutz von altem Saatgut und gefährdeten Ackerwildkräutern. Um dieses Engagement einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die lebendige Vielfalt im Hessenpark zu feiern, ist im Festen Haus aus Ransbach ab dem 12. Juni eine neue Ausstellung zum Thema Biodiversität zu sehen. Sie widmet sich der Vielfalt der Tiere, Pflanzen und Lebensräume im Hessenpark. Besucher*innen erfahren hier in den nächsten Jahren, welche zentrale Rolle die Landwirtschaft spielt und was wir alle für den Erhalt der Vielfalt in unserer Kulturlandschaft tun können. Begleitend zur Ausstellungseröffnung gibt es einen Thementag, der mit Vorführungen, Mitmachaktionen und Rundgängen vermittelt, was es zu bewahren gilt.

Attraktives Außengelände

Das 65 Hektar große Außengelände hat in den Coronajahren deutlich an Attraktivität gewonnen. An verschiedenen Stellen im Gelände sind alte Spielgeräte zu finden, die zu körperlicher und geistiger Aktivität einladen. Weil insbesondere die jüngeren Gäste die alten Spiele nicht mehr kennen, informieren bunte Tafeln über die Spielregeln.

Neue Stationen hat auch der nun zum Rundweg gewachsene Walderlebnispfad erhalten. Sie greifen gesellschaftlich relevante Themen wie den Klimawandel, das Ökosystem Wald und das Ruhebedürfnis moderner Großstadtmenschen auf. Im Hain hinter der Kirche aus Kohlgrund laden großzügig bemessene Holzliegen zum Waldbaden ein.

Baumaßnahmen

In der Hofanlage aus Niedergemünden haben umfangreiche Sanierungsarbeiten begonnen. Das Wohnhaus wird so eingerichtet, wie es aus dem Jahr 1910 überliefert ist. Besucher*innen finden hier ab 2024 Wissenswertes über die hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche Arbeit der damaligen Zeit. Welche Gebrauchsgegenstände und Materialien wurden verwendet? Wie funktionierte die Vorratswirtschaft? Diesen und anderen Fragen wird das Museumstheater im Rahmen von Living History-Vorführungen nachgehen.

Das Haus aus Mademühlen in der Baugruppe Mittelhessen erhält ein neues Dach. 1986 wurde das Gebäude als „leere Hülle" wiederaufgebaut und ist seitdem nicht zugänglich. Das damals rekonstruierte Strohdach ist inzwischen schadhaft und muss deshalb ausgetauscht werden. Da das Haus zu einem späteren Zeitpunkt im Zeitschnitt der 1950er-Jahre eingerichtet werden und das Leben der Familie Gräb nacherzählen soll, erhält es nun ein Blechdach.

In der Scheune aus Gottstreu, die im Museum als Veranstaltungsgebäude genutzt wird, ist der Austausch einiger Gefache vorgesehen. Zudem erhält die Scheune Glastüren, damit Besucher*innen einen Blick ins Innere des Gebäudes werfen können und nicht länger vor verschlossenen Holztoren stehen. Jens Scheller freut sich auf die neue Saison: „Wir hoffen auf ein relativ normales Museumsjahr mit vielen Veranstaltungen und entspannten Besucher*innen. Wir machen unsere Arbeit in erster Linie für unsere Gäste und sind deshalb glücklich, wenn wir unsere neuen Projekte und Errungenschaften einem möglichst breiten Publikum zeigen können." Zuletzt waren die Besucherzahlen um 25 % gestiegen. Der Museumsleiter hofft, dass dieser Trend sich fortsetzen wird.
Die Eintrittspreise bleiben 2022 unverändert. (mit Material des Hessenpark)