07.11.15 || KELKHEIM (06. November 2015) - Gedanken machte sich Dr. Klaus Fischer, Kelkheim, zu dem am 05. November erschienenen Beitrag von Christine Diegelmann „Faust „der Tragödie zweiten Teil"
war ein Hochgenuss an Sprache und Dichtung - Literarischer-musikalischer Rezitationsabend sucht seines Gleichen in der Region - Wilhelm Meyer rezitierte auswendig das großartige Goethe-Werk -
Bravo-Rufe und langer Applaus". In dem Beitrag wurde davon gesprochen, dass einige humoristische Ergänzungen der beiden Protagonisten, Wilhelm Meyer und Christian Seitz, zur Auflockerung des
anspruchsvollen Stoffes mittels amüsanter Dialoge beigetragen haben. Hierzu zählte u.a. die Beförderung" von Christian Seitz zum „Doktor Wagner" und auch die Szene wo beide über das Werk, die
Weisheit und die Wette - ergänzt um aktuelle Bezüge zur Gegenwartskultur Fußball, für viel Heiterkeit im Publikum sorgten was insbesondere auch an der Feststellung lag, dass „Goethe ein früher
Fußballfan" war. Nachfolgend hat Dr. Klaus Fischer seine Gedanken in Betrachtungen umgesetzt und stellt u.a. Adaptionen zwischen dem dichterischen Werk Goethes und dem Heute her. Besonders aber hebt
er, der selbst an dem literarisch-musikalischen Rezitationsabend teilgenommen hatte - die Arbeit der Akteure und Kriftels Bürgermeister hervor, der die Klassiker in den Main-Taunus-Kreis geholt und
damit einen hohen Anspruch gesetzt hat:
'Und doch auch eine andrer Faust - „Wenn man der Jugend reine Wahrheit sagt, die gelben Schnäbeln keineswegs behagt, sie aber hintendrein nach Jahren das alles derb an eigner Haut erfahren, dann
dünkeln sie, es käm' aus eignem Schopf; da heißt des denn: der Meister war ein Tropf". So gelingt es Goethe immer wieder Wahrheiten zu formulieren, von denen wir meinen, sie seien erst kürzlich
neu.
Wilhelm Meyer (links)
und Christian Seitz bei einem der "amüsanter Dialoge", die viel Heiterkeit im Publikum auslösten
Jedenfalls, sie passen genau ins Heute, wie denn „über Rosen lässt sich dichten, in die Äpfel muss man beißen". Krifteler Äpfel lagen bereit, als Faust II, das Schauspiel, im vollen Ernst, passend zur Bewunderung und zur Wahrheitsfindung im Bürger-Rathaus in Kriftel ohne typische Kulissen glatt vorgetragen wurde. Stimme gab den Akteuren um den literarischen Faust Wilhelm Meyer aus Frankfurt. Punktuell begleitete Musik und Gesang schön und überzeugend. In 80 Minuten Textzeilen trug er weitgespannt sehr unterschiedliche Inhalte vor, denn „Der Mensch ist ungleich, ungleich sind die Stunden". Helena fand ebenso Platz wie Gretchen im Kerker, Mephisto oder der Kaiser, die Walpurgisnacht, die Landschaft in Lautmalerei und wirklichem Bezug, dem Harz, und einer symbolischen Landgewinnung nach historischem Vorbild „auf freiem Grund mit freiem Volke stehn" .
Christian Seitz, dem Bürgermeister, gilt ein großer Dank, Faust mit den Interpreten von Text und wertvollem musikalischen Programm in den Main-Taunus-Kreis geholt zu haben. Kriftel ist jetzt
Faust-Gemeinde. Sie soll es bleiben. Andere können folgen. Das Fundament ist gesetzt. Von Engeln wird hinzugefügt: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen". Es wird geschafft, immer
wird es vorwärts strebende Kräfte geben. Das Wichtigste ist, wir wirken selbstbewusst und mit. Literatur können wir gern zu Hilfe nehmen. Das erlebte man in Kriftel.'
Die Akteure bei der
Schlussvorstellung von links: Norbert Henß (Flügel), Olesja Burghof (Gesang), Heidrun Molge (Englischhorn), Carsten Vollmert als Mephisto (Gesang),Wilhelm Meyer und Christian Seitz sowie Dietmar
Vollmert (musikalische Leitung. Fotos (3): Ralph Delhees